Wohngebiet bei Unterfürberg

Fürther Reichsbodenfeld: Die heikle Bebauung des Areals rückt näher

14.7.2021, 11:00 Uhr
Wo heute noch Getreide sprießt, sollen ab Herbst des nächsten Jahres Wohnhäuser in die Höhe wachsen. Im Hintergrund ist das bereits bestehende Nahversorgungszentrum an der Breslauer Straße zu erkennen.

Wo heute noch Getreide sprießt, sollen ab Herbst des nächsten Jahres Wohnhäuser in die Höhe wachsen. Im Hintergrund ist das bereits bestehende Nahversorgungszentrum an der Breslauer Straße zu erkennen. © Foto: Armin Leberzammer

Wenn die Stadträte morgen im Bauausschuss und zwei Wochen später im Stadtrat ihr Plazet geben, dann könnte ein über Jahrzehnte diskutiertes Wohngebiet tatsächlich Realität werden: Auf dem Reichsbodenfeld in Unterfürberg sollen einmal 310 Wohneinheiten entstehen – und ihren Bewohnern ein klimaneutrales Zuhause bieten.

Dafür haben der städtische Energieversorger Infra, die Bauverwaltung und die größten der potenziell hier aktiven Bauträger gemeinsam ein Konzept erarbeitet, das die Stadtspitze mit Infra-Geschäftsführer Marcus Steurer vorstellte. "Es hat sich gelohnt, zu warten", meint Baureferentin Christine Lippert.

Sie spricht von einem "sehr attraktiven Wohngebiet", dessen Planungsprozess in den vergangenen beiden Jahren noch einmal intensiviert worden sei. Die Geschichte reicht lange zurück: Lippert etwa kam erst zwölf Jahre nach dem ersten Aufstellungsbeschluss für ein Wohngebiet auf dem Reichsbodenfeld aus dem Jahr 1964 auf die Welt. Oberbürgermeister Thomas Jung war da gerade mal drei Jahre. An die Anfänge dürfte er also keine Erinnerungen haben – an die Proteste gegen die Bebauung indes schon.

310 Einheiten sollen bei Unterfürberg entstehen

Jetzt also wird ein neuer Anlauf unternommen. Verteilt auf die gut 120.000 Quadratmeter zwischen Südwesttangente, Breslauer Straße und Beethovenstraße sollen ab dem nächsten Jahr – Jung hält den Herbst als Beginn der Erdarbeiten für realistisch – die 310 Wohneinheiten entstehen, das Spektrum reicht von Mehrfamilienhäusern bis hin zu Doppelhaushälften. Laut OB werden 20 Prozent davon auf einkommensabhängig geförderten Wohnraum entfallen.

Doch nicht dies macht den künftigen Teil Unterfürbergs in den Augen des Rathauschefs "einzigartig", sondern auch das damit verbundene ökologische Konzept. Erstmals soll hier ein ganzes Baugebiet klimaneutral mit Strom und Wärme versorgt werden. "Vor einigen Jahren hätte man so etwas noch als utopisch abgetan", so Jung.

Infra-Chef Steurer zufolge werden alle Dächer sowie möglicherweise auch die zur Südwesttangente hin vorgesehene Schallschutzwand mit Photovoltaik-Modulen bestückt. "Damit produzieren wir mehr Strom als wir verbrauchen", so Steurer. Ähnlich ambitioniert fallen die Ziele für die Versorgung mit Heizwärme aus. Dafür will die Infra ein bereits im angrenzenden Wohngebiet existierendes Heizkraftwerk erweitern. Verfeuert werden dort laut Steurer dann Biomethan und Holzpellets sowie – als Träger von Spitzenlasten – Erdgas.


Mehr Lärmschutz fürs Reichsbodenfeld


Baureferentin Lippert wiederum preist den architektonisch aufgelockerten Charakter des künftigen Reichsbodenfelds. Während die Mehrfamilienhäuser zur Breslauer Straße hin einen Riegel bilden und damit eine gewisse Abschirmung gegen Verkehrsgeräusche bieten sollen, werde das Areal nach Osten hin immer kleinteiliger. Der am Rand existierende Grünzug werde erhalten und um einen weiteren, zentral gelegenen erweitert – inklusive Spiel- und Bolzplatz.

Umgesetzt wird der Plan vor allem von drei großen Bauträgern: dem Evangelischen Siedlungswerk (ESW), das derzeit bereits auf dem ehemaligen Norma-Gelände in großem Stil baut, der BPD Immobilienentwicklung sowie von Mauss Bau aus Erlangen. Sie können ihre künftigen Immobilien mit der Nähe zum Stadtwald ebenso bewerben wie mit dem seit einigen Jahren bestehenden Nahversorgungszentrum nebenan.

1 Kommentar