Sonntag, 28.02.2021

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Fürther Stadtentwässerung: Neubau für 19 Millionen Euro?

Gebäude ist seit langem geplant — Ungenügende Sanitäranlagen — OB: „Eine irre Summe!“ - 03.08.2013 10:00 Uhr

Rund 19 Millionen Euro sind veranschlagt für das neue Betriebs- und Verwaltungsgebäude der Stadtentwässerung - eine Summe, die jedoch plausibel gemacht werden konnte.

02.08.2013 © Horst Linke


23 Tagesordnungspunkte waren schon abgehandelt an diesem Nachmittag, an dem die Hitze einerseits und die lange Liste an Themen andererseits die Diskussionsfreude im Bauausschuss merklich trübte. Es war die letzte Sitzung vor der Sommerpause – die Stadträte wirkten so frisch wie nach einem Marathon.

Doch bei Punkt 24 war alle Müdigkeit wie weggeblasen. Ungläubig schaute Oberbürgermeister Thomas Jung in die Runde. Auf 18960000 Euro werden die Kosten für das seit langem geplante Betriebs- und Verwaltungsgebäude der Stadtentwässerung geschätzt. Jung: „Das ist eine irre Summe!“ Es sei mehr, als das Technische Rathaus seinerzeit gekostet hat (zwölf Millionen Euro) – mehr, wenn er sich recht erinnere, als jeder Neubau seit seinem Amtsantritt. Baureferent Joachim Krauße versicherte umgehend: Er habe dieselben Bedenken gehabt. Doch man habe die Planungen überprüft – die Kosten scheinen plausibel zu sein.

Er habe aber großes Verständnis, so Krauße gestern auf FN-Nachfrage, dass der Bauausschuss „bei einem solchen Betrag Vorsicht walten lässt“. Auf dessen Anordnung wird die Planung nun von Fachleuten aus dem Bau- und dem Finanzreferat erneut kontrolliert. Krauße begrüßt das: „Das ist eine zusätzliche Sicherheit.“ Er glaubt allerdings, dass die geschätzten 19 Millionen Euro realistisch sind.

Denn bei dem Gebäude handle es sich nicht um ein reines Verwaltungsgebäude, und das mache die Sache teuer: Geplant sind unten zwei Hallen für die großen Spülfahrzeuge und die Lkw der Stadtentwässerung, die derzeit teils im Freien stehen; dazu Werkstätten. Darüber soll ein Verwaltungstrakt entstehen, in dem Büros, aber auch ein technisch hochwertig ausgestattetes Labor und ein Gemeinschaftsraum Platz haben sollen. Zudem müssen Sanitäranlagen gebaut werden, die anders als bisher die strengen Vorschriften erfüllen.

So sei es vorgeschrieben, die Sanitäranlagen quasi doppelt anzulegen, so dass es einen strikt getrennten Schmutz- und Reinbereich gibt. Kanalarbeiter sowie andere Mitarbeiter, die mit kontaminierten Bereichen in Berührung kommen, betreten die Waschräume über den Schmutzbereich, mit dem sie gereinigt nicht mehr in Kontakt kommen dürfen. Derartige Anlagen fehlen derzeit; es gibt noch nicht einmal eigene Duschmöglichkeiten für die weiblichen Kräfte.

Auch aus anderen Gründen sei ein Neubau „zwingend nötig“, findet Krauße: Jahrelang haben sich die Mitarbeiter der Stadtentwässerung damit „beholfen“, dass ihre Räume auf verschiedene Gebäude und sogar Container verteilt sind. Ein Teil arbeitet auf dem Gelände der Kläranlage, ein Teil im Technischen Rathaus. Es sei sehr sinnvoll, die 100 Mitarbeiter an einem Standort zusammenzubringen. Ähnlich verstreut seien früher die Mitarbeiter des Baureferats gewesen: „Der Bau des Technischen Rathauses war eine segensreiche Entscheidung.“

Ab nächstem Frühjahr soll der Komplex mit 5700 Quadratmetern Nutzfläche gebaut werden. Da es sich bei der Stadtentwässerung um einen städtischen Eigenbetrieb handelt, belastet die Finanzierung des Neubaus den kommunalen Haushalt nicht. Die Kosten sind im Wirtschaftsplan der StEF über die Jahre 2012 bis 2016 eingeplant. Die Abwassergebühren, die heuer für vier Jahre fix gemacht wurden, verändern sich nicht, verspricht Krauße. Und betont: „Niemand will Geld verschwenden. Es werden keine goldenen Türklinken eingebaut.“

VON CLAUDIA ZIOB

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