Innovation

Fürther Startup: Schluss mit nerviger Parkplatzsuche

Florian Burghardt

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3.4.2022, 10:00 Uhr

© Foto: Hans-Joachim Winckler

Wer kennt das nicht? Fünf Mal um den Block fahren, nur um einen freien Parkplatz zu finden. Herbert Grönemeyer schrieb sogar einen Hit über den Parksuchverkehr, der laut Stefan Eckart (28) für etwa 30 Prozent des Verkehrsaufkommens in Großstädten verantwortlich ist. Das kostet Nerven, Zeit und ist dazu noch umweltschädlich, dachte sich Eckart und tüftelte zusammen mit seinem Studienfreund, Andreas Jaumann (31), an einem datenbasierten Parkleitsystem.

"Wir hatten den Eindruck, dass sich in diesem Bereich in den 20 Jahren zuvor quasi nichts getan hatte", berichtet Eckart, der schon während seinem Mechatronik-Studium an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) ein studentisches Ingenieurbüro gründete.

Dort lernte er Maschinenbau-Student Jaumann kennen und fertigte mit ihm zusammen unter anderem Prototypen im Bereich E-Mobilität für verschiedene große Unternehmen. Schon nach einem Jahr hatte das eingespielte Erfinder-Team das Herzstück seines Systems, einen festangebrachten Bodensensor, fertiggestellt.

Dieser zeigt für jeden einzelnen Parkplatz an, ob sich ein Auto darauf befindet oder nicht. Die Information können die Betreiber von Parkplätzen oder -häusern in öffentlich zugängliche Systeme einspeisen und in Echtzeit aktualisieren. Über die Internetseiten der teilnehmenden Städte oder Apps können Autofahrer die Daten von unterwegs einsehen und somit direkt einen freien Parkplatz ansteuern.

Mit diesem Konzept gründeten die beiden jungen FAU-Absolventen – am Freitag, 13. Januar 2017 –, ihre Firma Smart City System Parking Solutions GmbH. Das Datum sei ihnen aber bislang nicht zum Verhängnis geworden, erzählen sie.

In ihren Betriebsräumen in der Schwabacher Straße 510 c auf dem ehemaligen Barthelmess-Gelände steht, gut sichtbar, eine Digitalanzeige. Etwas über 53 000 ist aktuell darauf zu lesen – die Anzahl der Parkplätze, die sie bislang allein in Deutschland mit ihren Sensoren ausgestattet haben.

Das Konzept der beiden Fürther Gründer kommt offenbar gut an. Ihre Kunden sind überwiegend Betreiber von Park & Ride-Parkplätzen in der Nähe von Bahnhöfen oder Fernbus-Haltestellen. "Das trägt dazu bei, dass die Menschen vermehrt die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen, also umweltfreundlicher unterwegs sind als mit dem Pkw", sagt Eckart. Seine Sensoren helfen aber auch mit, dass die dortigen Stellplätze nicht von Dauerparkern belegt werden. Schließlich können diese durch die digitale Überwachung identifiziert, kontaktiert und gegebenenfalls abgeschleppt werden.

Darüber hinaus können die Kunden von SCS, wie die Firma im rund 30-köpfigen Team genannt wird, auswerten, wo die meisten Menschen ihr Auto abstellen und dort entsprechende Werbung platzieren. Dass durch den Einsatz ihrer Technik die Parkkosten für Verbraucher deutlich gestiegen wären, verneint Eckart. Sein Ziel sei es, den bestehenden Parkraum effektiver zu nutzen und damit die Versiegelung zusätzlicher Gebiete für Stellflächen zu verhindern. Denn dabei handele es sich um Investitionen, die letztendlich die Autofahrer wieder mittragen müssten.

Deals sind schwer zu kriegen

In Zukunft will das junge Fürther Unternehmen weiter wachsen. Die Herausforderung sei es, die Menschen mit ihrem Angebot zu erreichen. Dabei würden etwa Kooperationen mit den Herstellern von Navigationsgeräten helfen, die die SCS-Übersicht integrieren könnten. Doch solche Deals sind nicht leicht zu bekommen, meinen die Firmengründer.

Neben dem deutschen Markt sind sie in acht weiteren Ländern aktiv, verfügen dort aber nur über einen Bruchteil der hierzulande vorhandenen Parkplätze. Ziel ist es, das Geschäft dort auszubauen. Für einen Nachschub an guten Mitarbeitenden sorgen die immer noch engen Beziehungen zur FAU. "Neben unseren eigenen Wurzeln ist das ein wichtiger Grund, warum wir unsere Firma hier in Fürth gegründet haben", so Eckart.

In der Kleeblattstadt selbst gibt es bislang allerdings nur wenige Parkplätze mit SCS-Sensor. Wer das Konzept einmal ausprobieren möchte, findet welche auf den Stellplätzen des Ebl-Markts in der Schwabacher Straße.

Sie betreiben selbst ein Startup-Unternehmen in Fürth oder im Landkreis beziehungsweise kennen jemanden, der eine junge, innovative Geschäftsidee umgesetzt hat? Dann melden Sie sich gerne bei den FN per Mail an die Adresse:
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