Stadttheater

Fürther Theaterfest: Einblicke in Musical, Zauberei und Beschimpfungen

Matthias Boll
Matthias Boll

Lokalredaktion Fürth

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18.9.2021, 21:00 Uhr
Schon beim Theaterfest 2020 waren alle Programmpunkte – im Bild spielt Akkordeonist Peter Horcher – pandemiebedingt nur auf dem Vorplatz zu erleben. Auch an diesem Sonntag gehen es die Gastgeber vorsichtig an.

Schon beim Theaterfest 2020 waren alle Programmpunkte – im Bild spielt Akkordeonist Peter Horcher – pandemiebedingt nur auf dem Vorplatz zu erleben. Auch an diesem Sonntag gehen es die Gastgeber vorsichtig an.

Mit wildem Applaus wird der Tag enden, das darf schon jetzt als sicher gelten. Warum? Später mehr.

Flair-Eröffnung und "Stadt(ver)führungen" bescheren der Stadt ein höchstwahrscheinlich alles andere als fades Wochenende. Doch das Stadttheater legt noch einen drauf: Mit dem Theaterfest an diesem Sonntag zwischen 13 und 18.30 Uhr fällt der offizielle Startschuss für eine Spielzeit, die vielleicht zur Abwechslung auch mal wieder den Namen "Spielzeit" verdient – weil Intendant Werner Müller und seine Mannschaft den Spielplan machen, nicht das Virus. Es werden noch Wetten angenommen.

Und obgleich das Haus, wie berichtet, als vorerst einziger Kulturort Fürths das Angebot eines allabendlich voll ausschöpfbaren Kartenkontingents macht – Häuser bis zu 5000 Zuschauer dürfen wieder ohne Beschränkungen in Richtung "ausverkauft" manövrieren – , bleibt das Theaterfest 2021 wie schon im Vorjahr ein Vergnügen mit gebremstem Schaum.


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Das gastronomische Angebot ist vorhanden, doch überschaubar, Kinderschmink-Aktionen und andere interaktive Programmpunkte entfallen auch heuer. Was nicht heißen muss, dass der Spaß zu kurz kommt. So macht sich etwa Zauberkünstler Jo Mayr (13 Uhr) für kleine und nicht mehr so kleine Besucher ans Werk – ob er Corona zersägen oder gar verschwinden lassen kann, bleibt abzuwarten. Aus Fürth kommt der junge Singer-Songwriter Andreas Jäger, der zugleich Popularmusikberater beim Bezirk Mittelfranken ist (13.45 Uhr), und Kabarettist Bernd Regenauer – im nächsten Mai hat die von ihm getextete und von Uwe Strübing komponierte Bieroper "Zum Goldenen Giger" Uraufführung – serviert Häppchen aus seinem aktuellen Solo (15.15 Uhr). Um Tango- und Latin-Sounds kümmert sich ab 15.30 Uhr ein Trio mit dem schönen Namen Corazón de Fuego. Bettina Ostermeier (Akkordeon, Saxofone, Piano), Kapelle-Rohrfrei-Frontfrau Katja Lachmann (Kontrabass, Gitarre) und Karin Anna Liedel (Schlagzeug, Percussion) hieven die spätsommerlich schwankenden Temperaturen auf südamerikanisches Sonnenschein-Niveau.

Gleich zweimal, um 14.30 und 16 Uhr, gibt es Kostproben aus dem Musical "Knockin’ On Heaven’s Door", das auf dem Spielfilm-Hit von 1997 mit Til Schweiger und Jan Josef Liefers beruht. Uraufführung ist am 21. Oktober, Theaterfestgäste können also spoilern, was demnächst auf die Fürther zukommt – trauriger Stoff im Musical-Gewand.

Zum amüsanten Abschluss betreten um 18 Uhr die Ensemble-Mitglieder Hannah Candolini und Mark Harvey Mühlemann die Bühne. Eine halbe Stunde lang geht’s zur Sache, denn mit seinem Theatererstling "Publikumsbeschimpfung" machte sich Peter Handke schon Mitte der sechziger Jahre zum Autor mit heftig polarisierendem Potential; daran hat sich bekanntlich bis heute wenig geändert. Kostenlose Karten gibt es an der Theaterkasse. Und nach allerlei Beleidigungen wünschen die Darsteller dem Publikum "eine gute Nacht und klatschen Beifall", so will es der Autor. Ende.

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