Firmenbesuch

Fürther Vorzeigebetrieb: Werbung für mehr Ausbildung

23.8.2021, 19:00 Uhr
Einblicke in ein vorbildliches Ausbildungsunternehmen: Die Gäste der Bundesagentur lassen sich bei der Werksführung Strukturen bei Uvex erläutern.

Einblicke in ein vorbildliches Ausbildungsunternehmen: Die Gäste der Bundesagentur lassen sich bei der Werksführung Strukturen bei Uvex erläutern. © Foto: Timo Weith

"Es ist schön, dass ich die anderen Auszubildenden wieder in unserem Eck bei der Kantine treffen kann", sagt Moritz Schüler, der eine Lehre zum Industriekaufmann bei Uvex in Fürth macht. Die Zeit während der Pandemie war auch für Berufsanfänger eine Herausforderung.

Der Unterricht und die Prüfungen in der Berufsschule mussten virtuell stattfinden, die Arbeitskollegen traf Schüler nur noch selten. Trotzdem wäre er relativ gut durch die Krise gekommen, denn von Uvex habe er viel Unterstützung erhalten. Allerdings hatten nicht alle Auszubildenden das Glück, einen Arbeitgeber zu haben, der sie mit Laptop und Tablet ausstattet, um die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Ausbildung im Homeoffice zu schaffen.


Fürther Ausbildungsmarkt: Weniger Bewerber auf weniger Lehrstellen


"Die Ausbildung ist ein Eckpfeiler der deutschen Wirtschaft", sagt Christina Ramb vom Arbeitgeberverband BDA. Anlässlich der Initiative "Sommer der Berufsausbildung" der Bundesagentur für Arbeit (BA) besuchte sie zusammen mit deren Vorstandschef Detlef Scheele und dem Leiter der Fürther BA-Dependance, Thomas Dippold, den namhaften Hersteller von Produkten, die weltweit Menschen beim Sport, in der Freizeit und am Arbeitsplatz schützen.

Bei der Initiative geht es darum, die betriebliche Berufsausbildung zu bewerben und jungen Menschen Unternehmen der Region vorzustellen. Denn die Zahl der Auszubildenden ist seit 2008 rückläufig. Auf etwa 480.000 offene Stellen kämen aktuell nur rund 400.000 Bewerber.

In Fürth ist das Verhältnis für die Bewerber sogar noch günstiger, hier kommt ein Ausbildungswilliger aktuell auf zwei Angebote. Dieser Trend wirke sich, sagt Ramb, negativ auf die Wirtschaft aus. Der herrschende Fachkräftemangel werde durch zu wenige nachrückende Kräfte weiter verschärft.

"Eine der Ursachen ist, dass die jungen Menschen immer länger die Schule besuchen und studieren", sagt Detlef Scheele. Außerdem würden sich auch nicht alle beim Arbeitsamt melden, wenn sie die Schule beendet hätten. Wer eine Ausbildung beginnen möchte, kann sich auch noch bis Januar 2022 bei der Agentur melden und werde vermittelt, so Scheele.

Wichtige Tipps

In Fürth hat man im August versucht mit einem Pop-Up-Store in der Fußgängerzone die Jugendlichen dort abzuholen, wo sie sich aufhalten. "Das war ein Erfolg", sagt Agenturchef Thomas Dippold.

Künftig setze man aber wieder auf die Vermittlung in der Behörde. Ausbildungsmessen konnten seit über einem Jahr nicht stattfinden, es sei aber wichtig, dass sich die Jugendlichen unabhängig beraten lassen, sagt Dippold. Denn die Eltern hätten zwar oft eine Vorstellung davon, welchen Beruf ihr Kind ergreifen soll, das decke sich aber nicht immer mit deren Fähigkeiten und Neigungen. Um zu verhindern, dass man mit der Ausbildung nicht glücklich ist oder sie gar abbreche, sei Beratung enorm wichtig.


Am Fürther Stammsitz: Uvex expandiert über die Straße


Bei Uvex ist man indes für das kommende Ausbildungsjahr gut aufgestellt, alle Stellen sind bereits besetzt. Das Unternehmen bildet von Augenoptikern über Industriekaufleute bis hin zu Köchen für die Kantine breit aus. Für den Online-Handel, der in den letzten Monaten stark gewachsen ist, werden außerdem Kaufleute für den Bereich eCommerce qualifiziert.

Moritz Schüler hat seine Lehrzeit fast beendet und freut sich, dass die Zeit im Homeoffice beendet ist. "Ich bin lieber bei den Kollegen in der Firma", sagt er. Sorgen um die Zeit nach seiner Ausbildung muss er sich kaum machen – denn die Chancen, übernommen zu werden, stehen für ihn sehr gut, heißt es.

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