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Fürther Wochenmarkt: Umfrage-Macher setzen sich zur Wehr

Wirtschaftsreferat und das beauftragte Unternehmen weisen Vorwurf der Beeinflussung vehement zurück - 24.09.2014 11:00 Uhr

Die Adenaueranlage ist als Marktstandort im Gespräch. Gegen den Vorwurf, die Umfrage bereits in diese Richtung gelenkt zu haben, verwahren sich die Verantwortlichen jedoch.


Wie berichtet, hat das Bündnis für Innenstadtgrün eine Befragung, die das Fürther Unternehmen „SK Standort & Kommune“ für das Wirtschaftsreferat durchführt, massiv angegriffen. Bewohner des Stadtzentrums hatten in ihren Briefkästen Ende Juli Handzettel vorgefunden, auf denen sie gebeten wurden, rund ums Thema Wochenmarkt einen Fragenkatalog zu beantworten. Sie konnten das online oder telefonisch tun. Die ungewöhnliche Vorgehensweise erklärte SK-Geschäftsführer Wilfried Weisenberger jetzt damit, dass man sowohl junge als auch ältere Menschen erreichen wollte. Verteilt wurden 4000 Flyer, so Weisenberger, 545 Antworten seien repräsentativ und würden zurzeit ausgewertet.

Die Umfrage habe „tendenziösen Charakter“, klagten die Kritiker, sie weise erhebliche Mängel auf, leiste in der Debatte keinen „substanziellen Beitrag“. Dem Bündnis stieß beispielsweise sauer auf, dass die Teilnehmer auch explizit zum Schnabuliermarkt befragt und schon im Informationsschreiben auf den dazugehörigen Internetauftritt hingewiesen wurden. Damit mache die Stadt „faktisch Werbung“ für ebendieses Konzept. Alternative Standortlösungen, Risiken und negative Auswirkungen auf die Grünanlage dagegen würden nicht angesprochen.

Weisenberger sagte dazu, man habe den Schnabuliermarkt erwähnt, weil er aktuell diskutiert werde und man mit dem Begriff „Interesse an der Befragung wecken“ wollte. Ansonsten habe man den Begriff weitgehend vermieden. Denn: „Der Schnabuliermarkt als solcher interessiert uns nicht.“

Die besagte Haushaltsbefragung sei „Teil eines Gesamtuntersuchungskonzepts“, heißt es in einem offenen Brief der Stadt an das Bündnis für Innenstadtgrün. Es gehe hier „eben nicht um den Schnabuliermarkt an sich“, sondern darum, ein neues und erfolgreiches Konzept für den Fürther Wochenmarkt zu finden.

Dieser musste — zum Unmut der Händler — auf seinem langjährigen Standort, der Fürther Freiheit, stets aufs Neue Großveranstaltungen wie der Kirchweih oder dem Fürth Festival Platz machen. Zurzeit befindet er sich am Bahnhofplatz und damit an einer Stelle, die die Händler schätzen, den man im Rathaus aber von Anfang an als provisorisch betrachtet hat. Nach der Eröffnung der Neuen Mitte solle auch der Markt einen passenden Platz erhalten, hieß es immer. Ein Unternehmer präsentierte dann das bereits ausgefeilte Konzept eines Schnabuliermarkts in der Adenaueranlage, Ideen wie die einer „Markthalle“ auf der kleinen Freiheit oder einer „Stadt-Loggia“ auf Stelzen folgten. Das Bündnis für Innenstadtgrün hatte sich aus Protest gegen die Nutzung der Adenaueranlage formiert, seine Vertreter streiten für den Erhalt des kleinen Parks als Oase in der Stadt.

Vor- und Nachteile

Die Firma SK will dem Wirtschaftsausschuss der Stadt im November einen oder mehrere Vorschläge unterbreiten, wo ihres Erachtens in Fürth welche Art von Markt vorstellbar ist — und dabei die jeweiligen Vor- und Nachteile benennen, wie Weisenberger betont. Basis für die Empfehlungen sollen einerseits Erkenntnisse sein, die man aus der genaueren Betrachtung von vier Wochenmärkten in vergleichbar großen Städten im süddeutschen Raum ziehe. Anregungen liefern nun: Offenbach, Würzburg, Schweinfurt und Regensburg. Zum anderen sollen möglichst differenzierte Erkenntnisse aus den Fürther Gegebenheiten einfließen.

Zu diesem Zweck, sagt Weisenberger, habe man gezielt alle relevanten Gruppen auf das Thema angesprochen. Neben der Umfrage zum Einkaufs- und Freizeitverhalten der Innenstadtbewohner gab es eine Befragung speziell der Marktbeschicker, bei der es unter anderem auch um Öffnungstage und -zeiten ging, sowie eine aller Gewerbetreibenden im Innenstadtbereich. Außerdem konnten sich Passanten im Bereich der Fußgängerzone zu ihrem Nutzungsverhalten äußern.

Wirtschaftsreferent Horst Müller lobt die umfassende Konzept- und Standortstudie als „wesentlichen und sachlich fundierten Beitrag für einen neuen, attraktiven Fürther Wochenmarkt“. Im Übrigen, betont er, führe man die Debatte „völlig transparent und ergebnisoffen“. Wilfried Weisenberger wiederum möchte mit Verweis auf die laufende Auswertung noch keine inhaltlichen Aussagen treffen. Nur das lässt er durchblicken: Offenbar kaufen recht viele Bewohner der Innenstadt ihr Obst und Gemüse auf dem Wochenmarkt ein. Und: Vor dem Resümee, das SK den Stadträten im November präsentieren will, sei noch vieles abzuwägen. Etwa, wie viele Marktstände Fürth verträgt und ob oder inwieweit sich ungewöhnliche Modelle wie das Würzburger, wo es einen Glasbau mit festen Ständen (Backwaren, Fisch, etc.) und wechselnden Ständen im Freien gibt, auf Fürth übertragen lassen.

Birgit Heidingsfelder

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