Fürths Comödie im hormonellen Höhenkoller

11.9.2016, 21:00 Uhr
Guten Flug (v.li.): Volker Heißmann, Martin Rassau, Benjamin Beckmann sowie die Flugbegleiterinnen (v.li.) Sabrina Anderlik, Miriam Neumaier und Stephanie Schimmer.

© F.: E. Pfrogner Guten Flug (v.li.): Volker Heißmann, Martin Rassau, Benjamin Beckmann sowie die Flugbegleiterinnen (v.li.) Sabrina Anderlik, Miriam Neumaier und Stephanie Schimmer.

Euripides, der alte Grieche, war kein Komiker, seine Tragödien keine Schenkelklopfer. Doch dem Guten war nichts Menschliches fremd, und so schrieb er den Satz: „Abwechslung ist immer süß.“ Womit im Grunde die komplette „Boeing Boeing“-Story erzählt wäre. Also ohne die Komplikationen natürlich, die sich zwangsläufig ergeben, wenn ein Mann und drei Stewardessen für die Abwechslung zuständig sind. Davon erzählt der Franzose Marc Camoletti in seinem Erfolgsstück, das 1960 in Paris Premiere hatte und 1965 mit Tony Curtis und Jerry Lewis verfilmt wurde.

Wie in jeder guten Komödie dreht sich auch in Fürth alles um das Timing. Nur dank perfekter Planung gelingt es nämlich dem umtriebigen Bernhard (Martin Rassau, der auch Regie führt), sein Liebesleben vor dem Absturz zu bewahren. Schließlich spielen bei ihm drei zauberhafte Flugbegleiterinnen die erste Geige – die selbstverständlich nichts voneinander ahnen. Den Dating-Takt geben die Flugpläne vor. Soll heißen: Eine fliegt, eine verabschiedet sich, eine kommt gerade an. Immer schön der Reihe nach. Das muss natürlich irgendwann schief gehen, weshalb Bernhards bester Freund Robert (Volker Heißmann) hilft, wo er nur kann. . .

Bei der Vorbereitung der Comödien-Inszenierung war sofort klar, dass die Geschichte in Zeiten von Handy und Co. nicht mehr so glatt funktionieren kann wie einst. Aber: „Wir haben unseren eigenen Flugplan geschrieben, und deshalb spielt das Ganze bei uns in den Achtzigern“, verrät Rassau und schwärmt: „Damals gab es noch keine SMS, niemand lief mit dem Smartphone herum, es war alles eine Spur gemütlicher und entspannter.“

Die Bühne spiegelt den Schick jener Jahre wider, genau wie die Kostüme. Stichwort: Schulterpolster, hochgekrempelte Jackenärmel, weiße Socken. „Irgendwann kommt ja jede Mode wieder“, überlegt Martin Rassau, „aber das Zeug zieh’ ich privat freiwillig nicht mehr an.“ Die drei „Stewardessla“ (Heißmann) sehen in den Kostümen, für die Angela Algeier sorgte, jedenfalls schick aus: Sabrina Anderlik, Miriam Neumaier und Stephanie Schimmer (die auch die Bearbeitung des Stücks übernahm) treten in Gelb, Rot und Hellblau an und zeigen dabei Perfektion im Detail: In München wurden beim BR, der wieder aufzeichnet, sogar die Pumps der Damen farblich passend umlackiert.

Heißmann und Rassau dürfen sich in überaus kleidsamen Pilotenuniformen präsentieren – obwohl sie im Stück von Berufs wegen nicht in die Luft gehen, sondern in der Werbung engagiert sind. Eine tolle Gelegenheit, auf der Bühne ein paar von den wundervollen Werbesprüchen der Achtziger zu zitieren, freut sich Volker Heißmann. Schönes Haar ist dir gegeben. Und die Frisur hält. Egal wie das Wetter mittags in München oder später in Rom ist.

Statt einer Haushälterin, die der Autor einst ins Textbuch schrieb, tritt in Fürth jetzt übrigens ein Haushälter an. Benjamin Beckmann übernimmt diese Aufgabe mit adretter Cocktailschürze in Pink. Insgesamt mischen diesmal sechs Darsteller mit. Gemessen am vergleichsweise riesigen Ensemble der Erfolgs-Produktion „Ein Käfig voller Narren“ bedeutet das üppige Platzverhältnisse auf der schmalen Bühne. Bei der nächsten Premiere wird es wieder etwas anders aussehen. Heißmann: „2017 gibt es bei uns ,Die spanische Fliege‘, da sind dann zwölf Mitwirkende dabei.“

Bleibt die Frage: Warum sollte sich ein Mann überhaupt den Stress mit einem unkalkulierbaren Stewardessen-Trio antun? Volker Heißmann überlegt, signalisiert Verständnis und hat eine Gegenfrage: „Träumen nicht alle Männer manchmal von so etwas?“

Vermutlich weiß Euripides darauf die Antwort.

„Boeing Boeing“: Premiere am Dienstag, 19.30 Uhr, Comödie (Theresienstraße 1). Bis 8. Oktober. Karten (20-33 Euro) unter Tel. 74 93 40 und an der Abendkasse.

Verwandte Themen


Keine Kommentare