Bilanz nach einem Jahr

Fürths Dritter Bürgermeister kämpft - fürs Klima und gegen Zweifel

16.5.2021, 16:00 Uhr
„Wir müssen schneller werden“: An für den Themenbereich Nachhaltigkeit symbolträchtiger Stelle, vor dem Welthaus in der Gustavstraße, stand Dietmar Helm anlässlich seines einjährigen Dienstjubiläums Rede und Antwort.

„Wir müssen schneller werden“: An für den Themenbereich Nachhaltigkeit symbolträchtiger Stelle, vor dem Welthaus in der Gustavstraße, stand Dietmar Helm anlässlich seines einjährigen Dienstjubiläums Rede und Antwort. © Foto: Hans-Joachim Winckler

FÜRTH - Die Personalie sorgte im Mai 2020, gleich zu Beginn der neuen Stadtratsperiode, für einiges Murren: Dietmar Helm, in der Kommunalwahl krachend unterlegener OB-Kandidat der CSU, wurde zum Dritten Bürgermeister der Stadt Fürth gekürt – und damit auf einen Posten gehoben, den man erst schaffen musste, vergütet mit knapp 2000 Euro im Monat, ausgestattet mit eigenem Büro und Sekretärin.


Gewählt: Dietmar Helm ist Fürths neuer dritter Bürgermeister


Es war, daran konnte es keinen Zweifel geben, : gesicherte Stadtratsmehrheiten durch Unterstützung der CSU für die SPD, im Gegenzug mehr kommunalpolitischer Einfluss für die Christsozialen. Dass Letztere beim Urnengang nurmehr als dritte Kraft hinter den Grünen ins Ziel gekommen waren, rückte den Deal für Kritiker in ein noch schieferes Licht: Man wolle die allerorten aufstrebende Öko-Partei damit ausblenden, hieß es – zumal sich SPD und Grüne in Fürth wenig gewogen waren – und sind.

Keine einfachen Startvoraussetzungen für den neuen "Dritten" – der sich nun, ein Jahr später, aber durchaus angenommen fühlt. Er habe einen guten Draht zu allen, beteuert Dietmar Helm – und keine Probleme damit, auch auf Grüne und Linke, seine ärgsten Kritiker, zuzugehen. "Ausgleichend" wolle er wirken und "überparteilich".

Kein "Grußonkel"

Sichtlich bemüht ist der 53-jährige Landwirt aus Burgfarrnbach, dem Eindruck entgegenzuwirken, er sei lediglich ein "Grußonkel" – also einer, der allein repräsentative Aufgaben abhakt, etwa Gratulationen bei Geburtstagen und Hochzeiten. Nicht zuletzt Äußerungen von OB Thomas Jung im Gespräch mit den FN hatten anfangs diesen Eindruck entstehen lassen.


Helm im Interview: "Wir wollen den Klimaschutz voranbringen"


Man war in der Stadtspitze schnell und eifrig bemüht, der misslichen Lesart entgegenzuwirken: Helm, hieß es nun, werde sich "referatsübergreifend" um die "Querschnittsaufgabe" Umwelt und Nachhaltigkeit kümmern. Das tue er seither nach Kräften, beteuert Helm. Unter anderem leitet er den Nachhaltigkeitsbeirat der Stadt, der viermal im Jahr tagt und "Empfehlungen" an die Politik ausspricht.

Dietmar Helm (CSU) wurde vom Fürther Stadtrat zum 3. Bürgermeister gewählt.

Dietmar Helm (CSU) wurde vom Fürther Stadtrat zum 3. Bürgermeister gewählt. © Hans-Joachim Winckler

Eine "Flut von Themen" habe man dort zu behandeln, sagt Helm, "viel Dynamik" stecke im Thema. Darüber hinaus hat er die Leitung des städtischen Verkehrsausschusses übernommen, denn auch dort gehe es oft um Klimarelevantes.

"Es ist wichtig, dass wir beim Klimaschutz schneller werden", sagt Helm. "Breite Mehrheiten" gelte es zu organisieren, Reibungsverluste könne man sich nicht leisten. Dabei will er helfen, gerne spricht Helm von der "Verzahnung", die er befördern möchte, zum Beispiel mit dem noch jungen Klimamanagement der Kommune und bei der derzeit laufenden Entwicklung des Klimaschutzkonzepts.

Kontakte in die Wirtschaft

Aber auch Kontakte zur Wirtschaft will er verstärken und entwickeln, ohne die man beim Thema Klimaschutz nicht vorankomme. "Vorbehalte" gelte es in den Unternehmen zu beseitigen, Interessen zusammenzuführen.

Das alles klingt hehr, aber wenig konkret – moniert auch die Fürther Opposition. Der Dritte Bürgermeister versuche zwar, "dieses wichtige Thema umzusetzen", erkennt Grünen-Fraktionschef Kamran Salimi an.


Debatte: Drei OB-Kandidaten stiegen in die FN-Arena


Gerade der Nachhaltigkeitsbeirat allerdings wird nach seiner Einschätzung als "wenig verbindlich angesehen", Beschlüsse würden "nachträglich wieder kassiert oder verwässert". Man wünsche sich von Helm deshalb "ein entschiedeneres Eintreten für ökologische Themen" – der aber halte sich doch sehr "im Hintergrund".

Auch Linken-Sprecher Niklas Haupt zweifelt die Effizienz des Dritten Bürgermeisters an. Die Befürchtungen hätten sich bestätigt, dass das Amt "keinen nennenswerten Gewinn für die Stadt mit sich bringt". Man schätze Helm zwar "für seine offene Kommunikation", dennoch halte man den Posten " für überflüssig". Er verkomme eben doch "zum Grußwort-Amt", so Haupt.

Dem tritt Helm entschieden entgegen. Sein Wort habe in der Stadtspitze durchaus Gewicht, versichert er. "Und wenn es speziell um meinen Bereich geht, werde ich auch was sagen." Helm bleiben weitere fünf Jahre, sich zu beweisen. Es gebe für ihn noch viel zu tun, glaubt er. "Langweilig wird es nicht."

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