Fürths Firmen zaudern bei der Energiewende

16.8.2011, 09:00 Uhr
Zu den Ausnahmen gehört der Sacker Landschaftsgärtner Karl Steinwender, der seit 15. Juli über eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach seines Betriebsgebäudes verfügt.

Zu den Ausnahmen gehört der Sacker Landschaftsgärtner Karl Steinwender, der seit 15. Juli über eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach seines Betriebsgebäudes verfügt. © André De Geare

Sand knirscht im Getriebe der Solarstadt. „Die Begeisterung für Sonnenstrom hat sich deutlich abgeschwächt“, berichtet Matthias Hüttmann auf Anfrage der Fürther Nachrichten. Einen Reim drauf machen kann sich der Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Solarenergie (DGS) in Nürnberg und frühere Repräsentant des zurückentwickelten Solarinformationszentrums solid in Fürth nicht, gibt es doch ausreichende Montagekapazitäten der Handwerksbetriebe und keine Lieferengpässe. Hüttmann: „Wir hatten schon schlechtere Bedingungen.“ Mit einer besseren Rendite als derzeit sei kaum zu rechnen.

Um 20 bis 25 Prozent sind die Modulpreise seit Jahresanfang nach den Worten von Thomas Franke, Geschäftsführer des Eckentaler Unternehmens perfect solar, gefallen. Bis vor kurzem unterhielt die Firma noch eine Niederlassung am Südstadtpark. Einer ihrer Schwerpunkte liegt auf Freiflächenanlagen, die sie in Zusammenarbeit mit dem Sacker Landschaftsgärtner Karl Steinwender errichtet. Steinwender gehört zu jenen Kunden, die vom Aufschub des Stichtages profitieren. Am 15. Juli ist eine neue Solaranlage auf dem Dach seines Betriebsgebäudes in Betrieb gegangen.

Dass die Solarmodule billiger werden, erklärt Hüttmann als Reaktion auf die schwache Nachfrage. Die DGS ist gerade dabei, die 4. Bürgersolaranlage in Fürth zu konzipieren. Das Geschäft ist hart geworden. Clemens Bloß, Geschäftsführer der infra new energy GmbH, kann dem nur beipflichten. Vor allem bei Firmen stellt er eine große Zurückhaltung fest. „Viele Unternehmer schrecken vor der langen Laufzeit zurück“, weiß Angelika Schäff aus dem städtischen Amt für Umweltplanung. Eine Solaranlage rechnet sich erst ab 20 Jahren. Allenfalls fünf Jahre wären laut Schäff aus Sicht der zögerlichen Unternehmer akzeptabel. „Reich wird man mit Sonnenenergie nicht“, räumt die Umweltplanerin ein. Es sei immer noch eine sehr ideelle Angelegenheit.

Allerdings gibt es laut Bloß doch noch einen finanziell interessanten Aspekt, der von der Wirtschaft noch zu wenig in Erwägung gezogen werde: die Möglichkeit, Stromkosten mit Eigenverbrauch von Solarenergie ganz erheblich zu senken. Bis zu 30 Prozent Eigennutzung kostet eine Kilowattstunde Solarstrom 16,38 Cent (netto). Der Preis reduziert sich danach bis auf 13,31 Cent bei hundertprozentiger Solarstromnutzung. Der gewöhnliche Strompreis liegt laut Bloß bei 20 Cent. Vor allem für tagsüber produzierende Unternehmen rechne sich die Eigennutzung von Solarstrom.

Waren die Installationsfirmen bisher vor Stichtagen zur Absenkung der Einspeisevergütung regelmäßig mit Arbeit mehr als ausgelastet, hielt sich die Kundschaft diesmal deutlich zurück. Statt der üblichen Auftragsspitze gab es eine gleichmäßige Nachfrage. „Wer abgewartet hat, ist nun auf der richtigen Seite“, meint Bloß. Er rechnet mit einem Ansturm auf Solaranlagen zum Jahresende. Gut im Geschäft ist die infra new energy mit der evangelischen Kirche. Ein spezieller Fonds erleichtert es Gemeinden, in Sonnenenergie zu investieren. Nach der Reaktorkatastrophe in Japan hat das Interesse an der Nutzung erneuerbarer Energien in diesem Marktsegment deutlich zugenommen, berichtet Bloß. Auch einige Skeptiker seien nun von Solarenergie überzeugt.

Während bei Photovoltaikanlagen in der Solarstadt Fürth derzeit keine größeren Zuwachsraten zu verzeichnen sind, entwickelt sich die bislang schwächelnde Solarthermie besser. Nach drei schwachen Jahren verzeichnet Hüttmann hier endlich den lange erhofften Aufschwung. Auch Umweltplanerin Schäff freut sich über viele neue Meldungen, die von der Stadt mit einer Schmuckfliese als Dankeschön honoriert werden.

 

Keine Kommentare