Sonntag, 15.12.2019

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Fürths OB will Ludwig Erhard in die Walhalla bringen

Zweiminütiger Kurzfilm soll Ministerpräsident Markus Söder überzeugen - 24.09.2019 11:00 Uhr

Ludwig Erhard, geboren in Fürth und zu Lebzeiten Bundeswirtschaftsminister und Kanzler, soll eine besondere Würdigung erfahren. Rathauschef Thomas Jung setzt sich dafür ein, dass eine Büste Erhards in die Gedenkstätte „Walhalla“ aufgenommen wird. Entscheiden muss darüber der bayerische Ministerrat. © Hans-Joachim Winckler


Die Walhalla sieht so aus, als habe sie ein Riese direkt von der Athener Akropolis nach Donaustauf verpflanzt. Tatsächlich hatte nur der bayerische König Ludwig I. seine Finger im Spiel. Er ließ den mächtigen Tempel mit seinen Säulenreihen und den 358 Stufen im Jahr 1842 nach antikem Vorbild bauen – als Ruhmeshalle und Gedenkstätte.

Bis heute finden sich darin die Abbilder von verblichenen Persönlichkeiten, die laut Vorgabe zwar nicht unbedingt Deutsche sein mussten, aber doch mit "teutscher Zunge" sprachen. Gegenwärtig umfasst die Sammlung 131 Büsten und 65 Gedenktafeln, die an Personen, Taten und Gruppen erinnern. Darunter Künstler wie Rubens, Wissenschaftler wie Einstein, aber auch etliche Köpfe, deren Namen der Normalbürger noch nie gehört haben dürfte. Nürnberg ist immerhin mit Dürer vertreten. Und Fürth? Geht bislang leer aus. Dabei gäbe es durchaus große Töchter und Söhne, die es unter Umständen verdient hätten.

Ludwig Erhard in jedem Fall, findet Fürths OB Thomas Jung, der um öffentlichkeitswirksame Vorstöße selten verlegen ist. Vor 70 Jahren wurde Erhard Bundeswirtschaftsminister, die Soziale Marktwirtschaft und das Wirtschaftswunder sind eng mit seinem Namen verknüpft. Für die Jahre davor bescheinigen ihm Historiker zwar eine "relative Nähe zur NS-Politik"; Erhard sei mit den Regierenden gut vernetzt gewesen. Allerdings war er nie Mitglied der NSDAP oder gar in verantwortlicher Position. Seit 2018 widmet sich das Ludwig-Erhard-Zentrum neben dem Rathaus Erhards Leben und Wirken. Zur Einweihung schaute Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorbei.

Seit über 20 Jahren tot

Überrascht, wie er selbst sagt, musste Thomas Jung bei einer Internetrecherche feststellen, dass Erhard bislang keinen Eingang in Walhalla gefunden hat. Jetzt setzt der Rathauschef alle Hebel in Bewegung, um das zu ändern. Dem bayerischen Ministerpräsidenten Söder, dem "lieben Markus", hat er einen Brief geschrieben: "Ich beantrage hiermit förmlich für die Stadt Fürth die Aufnahme von Ludwig Erhard in die Walhalla", heißt es darin. Das dies nicht längst geschehen ist, sei "ein Makel, den der Freistaat beseitigen sollte".

Jung treibt dabei auch um, dass Fürth selbst bei der Aufgabe "kläglich versagt" habe, den großen Sohn zu ehren. Zu Lebzeiten verweigerte ihm der Stadtrat mit den Stimmen der SPD die Ehrenbürgerwürde. Ein parteipolitisch motiviertes Ränkespiel.

Übrigens: In die Walhalla werden nur Persönlichkeiten aufgenommen, die seit mehr als 20 Jahren tot sind. Ludwig Erhard starb 1977. Mit "teutscher Zunge" sprach er ebenfalls. Da muss eigentlich nur noch der bayerische Ministerrat zustimmen; der entscheidet nämlich darüber, ob eine Büste aufgestellt wird oder nicht.

Vielleicht überzeugt den Ministerrat ja der zweiminütige Kurzfilm, den Thomas Jung von einem Rathausmitarbeiter hat produzieren lassen. In einer Nebenrolle ist Volker Heißmann zu sehen, die Hauptrollen haben Thomas Jung – und natürlich Ludwig Erhard. Wer im Internetportal Youtube "Ludwig Erhard" und "Stadt Fürth" eingibt, wird fündig.

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