Fürths Rathauschef wünscht sich mehr Dankbarkeit

26.1.2015, 21:50 Uhr
Nürnberg-Fürther Schulterschluss: Die Oberbürgermeister Thomas Jung, Ulrich Maly und Fürths Bürgermeister Markus Braun (re.) beim Neujahrsempfang in der Stadthalle.

© Hans-Joachim Winckler Nürnberg-Fürther Schulterschluss: Die Oberbürgermeister Thomas Jung, Ulrich Maly und Fürths Bürgermeister Markus Braun (re.) beim Neujahrsempfang in der Stadthalle.

FÜRTH — Ist es der Ärger über immer wieder aufflammende lokalpolitische Konflikte, über teils giftige Kontroversen zu manchem Dauerthema oder aber über Kritik an städtischen Planungen und Entscheidungsstrukturen? Was Thomas Jung dazu animierte, den Fürthern zu Beginn des neuen Jahres den guten Rat zu geben, „nicht nur zu wünschen und zu fordern, sondern auch mal dankbar zu sein“ – darüber durften die Gäste in der Stadthalle nach Lust und Laune spekulieren.

Traditionelles Ritual: Thomas Jung und Bürgermeister Markus Braun (vorne) begrüßen die lange Reihe von Gästen auf der Stadthallentreppe.

Traditionelles Ritual: Thomas Jung und Bürgermeister Markus Braun (vorne) begrüßen die lange Reihe von Gästen auf der Stadthallentreppe. © Foto: Winckler

Doch man kann mit Fug und Recht annehmen: Glücklich ist kein Rathauschef über allzu viel Lamento – zumal dann nicht, wenn er davon ausgeht, eine prima Bilanz vorweisen zu können. Und dass Thomas Jung seine Heimatstadt mehr denn je im Aufwärtstrend sieht, daran ließ er in seiner Rede nicht den geringsten Zweifel. Wo sein Nürnberger Amtskollege Ulrich Maly bei Neujahrsempfängen gern mal nationale und internationale Problemfelder beleuchtet, bleibt der bodenständige Fürther OB seit jeher gern daheim vor der eigenen Haustür, auf vertrautem Terrain.

Deshalb hob Jung die finanzielle Gesundung der Stadt samt leichtem Schuldenabbau nach schwerer Krise und die „höchste Beschäftigungszahl der Nachkriegsgeschichte“ hervor; dazu die Gewerbesteuer, die derzeit sprudelt wie noch nie, und die satten Zuzugs- und Geburtenzahlen sowie den im Ballungsraum überdurchschnittlich hohen Anteil Fürths bei den regenerativen Energien.

Der OB macht aber auch deutlich: Für ihn sind „die Grenzen des Wachstums in Sicht“ – wohl auch eine Reaktion auf den Vorwurf von Kritikern, Wohn- und Gewerbegebiete seien zuletzt zu freigebig ausgewiesen worden. „Wir wollen kontrolliertes Wachstum“, sagt Jung anno 2015. Fürth müsse überschaubar bleiben, die Stadt dürfe „ihren Charakter nicht verlieren“. Habe man in den vergangenen Jahren das Augenmerk vorrangig auf Eigentumswohnungen gelenkt, sei es nun an der Zeit, mehr bezahlbare Mietwohnungen zu schaffen – was derzeit von einschlägigen Bauträgern umgesetzt werde.

Überhaupt, betont Jung, der sich als beharrlicher und bekennender Förderer von Unternehmen gegen einseitige Etikettierungen wehrt: „Auch der soziale Charakter der Stadt ist bei allen wirtschaftlichen Erfolgen sehr wichtig“, man werde diesem Anspruch mit diversen Vergünstigungen für Ärmere gerecht.

„Schon überragend“

Gute Perspektiven skizzierte der OB für die Innenstadt: „30 bis 40 neue Läden“, vor allem in Neuer Mitte und Hornschuch-Center, versprechen hier endlich den ersehnten Umschwung. Auffällig ausführlich bezog Jung in die Reihe belebender urbaner Elemente das von manchen heftig bekämpfte Ludwig-Erhard-Haus ein. Dass dieses Vorhaben – geplanter Baubeginn im Sommer – vom Bund unter 290 Anträgen als eines von 51 „national bedeutsamen Projekten“ auserkoren wurde und mit sechs Millionen Euro die höchste Einzelförderung erhalte, sei „schon überragend“ und zeige den Stellenwert.

Ein Problem, das die Fürther – Weltlage hin, Weltlage her – momentan dann doch als ziemlich groß empfinden, konnte das Stadtoberhaupt nicht aussparen: „Wenig erfreulich“ sei die Lage im Altstadt-Konflikt; beim Händeschütteln zu Beginn des Empfangs habe man ihm „öfter als ein gutes neues Jahr viel Erfolg in der Gustavstraße gewünscht“. Nach der Ablehnung des mühsam erzielten Mediationsergebnisses sei nun mit dem Schlimmsten zu rechnen, glaubt Thomas Jung.

Deshalb sei dringender denn je eine Anpassung der gesetzlichen Lärmverordnung an geändertes Freizeitverhalten nötig. Schon diesen Mittwoch wird sich der Stadtrat damit beschäftigen, wie es nun weitergehen soll.

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