Fürths Skandalbau: Neue Arbeiten am "Dambachpark"

Birgit Heidingsfelder
Birgit Heidingsfelder

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26.12.2020, 10:00 Uhr
„Grobe Mängel“: Im Auftrag der Eigentümer wird am Möbel-Maag-Komplex wieder gearbeitet. Probleme machen dabei nicht nur die Balkone.

„Grobe Mängel“: Im Auftrag der Eigentümer wird am Möbel-Maag-Komplex wieder gearbeitet. Probleme machen dabei nicht nur die Balkone. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Was Nachbarn schon eine Weile beobachten konnten, hat die Stadtverwaltung dem Bauausschuss kürzlich bestätigt: Die Arbeiten am Wohnprojekt "Dambachpark" werden fortgesetzt. Bis aber ein Baufortschritt erkennbar wird, kann es dauern. Denn offenbar muss zunächst Pfusch behoben werden.

Das bis heute unvollständige Bauvorhaben "Dambachpark" hat eine lange Vorgeschichte. An der Fuchsstraße, direkt am Rednitzgrund, schlug einst das Herz des Traditionsunternehmens Möbel Maag. In der heiß umkämpften Branche konnte sich der Familienbetrieb letztlich nicht behaupten, nach fast 112 Jahren meldete er 2007 Insolvenz an.

Danach sicherte sich der Fürther Bauträger P & P das Grundstück, der zurzeit das frühere City-Center in das künftige Flair verwandelt. P & P kündigte in Dambach mehr als 20 Wohnungen, drei Doppelhäuser und ein Einfamilienhaus mit Pkw-Stellplätzen und Spielplatz an: "Markenimmobilien" für Eigennutzer und Kapitalanleger, wie es damals hieß.

Die sensible Lage am Wiesengrund provozierte Proteste. Naturschützer beklagten etwa, dass neue Balkone am einstigen Möbelhaus ins Wasserschutz-, Überschwemmungs- und Landschaftsschutzgebiet ragen.

Schließlich zog sich P & P überraschend zurück und übergab das Areal an einen Erlanger Bauträger. Der sicherte den Käufern der Immobilien zwar einen Einzug bis Frühjahr 2017 zu, ging aber im Sommer desselben Jahres pleite.

Baustelle lag brach

Die Neubauten standen und waren auch bezogen. Doch der Rest der Baustelle lag von da an brach. Ende 2018 engagierte die Gemeinschaft der Wohnungseigentümer das Nürnberger Architektur- und Ingenieurbüro Reindl & Partner. Im Auftrag des Münchner Architekten Reinhard Bauer hatte es beim Ludwig-Erhard-Zentrum die Bauleitung vor Ort übernommen, nun sollte und soll unter seiner Regie die Arbeit am Dambachpark zu Ende geführt werden.

2019 habe man sich auf Bestandsaufnahme und Begutachtung konzentriert, sagte Architekt Sascha Loos, einer der Partner von Reindl & Partner, jetzt auf FN-Anfrage. Und er fasst zusammen: "Wir sind aus allen Wolken gefallen."

Was Loos beschreibt, klingt nach blankem Chaos. Manche Wohnungen seien fast bezugsfertig, andere noch im Rohzustand. "Das Dach ist teilweise drauf, die Fassade ist teilweise dran." Vieles liege "halbfertig rum", und insbesondere bei Statik und Brandschutz gebe es "grobe Mängel".

"Große Löcher" in den Decken

In Raumdecken wurden demnach "große Löcher" regelrecht "rausgehackt" und Kamine "reingemauert". Fluchtwege sind ungeklärt, die besagten Balkone als zweiter Rettungsweg unentbehrlich, statisch aber nicht okay, und alte Deckenkonstruktionen nicht nach den Brandschutzvorschriften ertüchtigt.

Der Altbaukomplex von Möbel Maag besteht aus drei Gebäuden. Im ersten, das parallel zur Fuchsstraße steht, sagt Loos, wurde der Rückbau jetzt abgeschlossen. "Da beginnen wir mit dem Aufbau." Heißt: Trockenbauwände einziehen, Türen einbauen, Estrich legen . . . Auch in den anderen beiden Gebäuden stehen Rückbaumaßnahmen an.


Geld abgezweigt? Razzia in Erlanger Immobilienfirma


Manches dürfte anders werden als ursprünglich gedacht. Zum Beispiel lässt sich laut Loos das Doppelparkdeck an der Unteren Straße nicht realisieren. Das Grundstück gebe den Raum für eine Rampe nicht her. Die neue Planung sehe nun ein ebenerdiges Parkhaus mit begrüntem Dach vor, um das sich Carports und Stellflächen gruppieren. Dafür brauchen die Planer das Okay aus dem Rathaus.

Bis Ende 2021 sollen die "hochwertigen Eigentumswohnungen" bezugsfertig sein. Bis dahin müssen die Käufer – "klassische obere Mittelschicht" – durchhalten. Sie sind, findet Loos, in einer "furchtbaren Situation".

Antje Reichert, die Anwältin der Eigentümer, bestätigt das. Ihre Klienten, die ihre Wohnungen seit Jahren nicht nutzen können, müssten nicht nur Zins und Tilgung für eine Immobilie stemmen, die je nach Einzelfall zu "75 bis 100 Prozent" bezahlt war und sich als Ruine entpuppt hat. Hinzu komme die Summe für die aktuellen Bauarbeiten. Dafür veranschlagt seien über vier Millionen Euro – für das Gemeinschaftseigentum. "Das Geld für den Ausbau der Wohnung ist da noch nicht berücksichtigt."

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