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Fürths Urkirche auf der Spur

Stand die legendäre Martinskapelle auf dem Kirchenplatz? - 24.01.2018 16:09 Uhr

Mit dem Georadar fährt Markus Tarasconi über den Kirchenplatz und ermittelt Grundmauern eines der Kirchenerweiterung geopferten Gebäudes neben dem Chor von St. Michael. © Foto: Thomas Werner


Neben dem Königshof, der von der Sage als Übernachtungsquartier im Bereich der Furt angesiedelt wird, soll sie gestanden haben: eine dem Frankenheiligen Martin geweihte Kapelle. Darauf geht der Kapellenanger zurück. Heute zeugen nur noch das Kapellenruh-Denkmal und die daran vorbeiführende Kapellenstraße vom ersten Fürther Sakralbau. Bei den Archäologen des Fürther Altstadtvereins keimten jedoch schon seit längerem Zweifel, ob ein so bedeutendes Gotteshaus, das später auch zur Mutterkirche von St. Lorenz in Nürnberg und St. Johannis in Burgfarrnbach geworden ist, tatsächlich auf so unsicherem Terrain wie dem Wiesengrund platziert worden war.

Mit einem sogenannten Georadar, das elektromagnetische Stoßwellen aussendet, die von Mauerwerk schneller reflektiert werden als vom Erdreich, untersuchte der Altstadtvereinsgeologe Markus Tarasconi schon 2009 das Gelände im Tal. Die Maschine dokumentierte damals eine 18 mal 8 Meter messende Gebäudestruktur.

Dass es sich dabei um Sakralbau-Reste handelt, bezweifelt heute der stellvertretende Altstadtvereinsvorsitzende Thomas Werner unter Berufung auf Tarasconis Erkenntnisse. Das Georadar hatte nämlich eine Ausrichtung des Gebäudes nach Nordwesten aufgezeigt. Kirchen jedoch werden in der Regel nach Osten (Jerusalem) orientiert. Viel wahrscheinlicher hält es der Archäologe Werner, dass es sich um Spuren einer Mühle oder eines anderen Wasserbauwerks handelt.

Bestätigt werden die Skeptiker vom Ergebnis einer weiteren Untersuchung. Weil ihnen ein Kirchenbau auf der Anhöhe am Talrand bei der ab 1100 errichteten Nachfolgekirche St. Michael allemal sinnvoller erschien, untersuchte Tarasconi am 1. Oktober 2016 den Kirchenplatz mit dem Georadar. Erneut wurde er fündig. Nordwestlich der Sakristei reflektierte das Radar einen etwa fünf Meter langen Mauerzug in rund 80 Zentimeter Tiefe. Der knickt im rechten Winkel ab, um dann elf Meter nach Südosten zu verlaufen, bevor er sich aufgrund starker Zerstörung verliert.

Neben der St.-Michaels-Kirche, die übrigens nicht exakt nach Osten ausgerichtet ist, sondern auf den Sonnenaufgang am Martinstag – was sie als Nachfolgebau der Martinskapelle auszeichnet, ist auf historischen Stichen die Friedhofskapelle zum Heiligen Grab abgebildet. Ihren Namen hat sie von St. Lorenz zum Heiligen Grab. Die Nürnberger Kirche hatte nach 1388 die Kirchenhoheit übernommen.

Werner vermutet, dass zunächst St. Martin als Friedhofskapelle fungiert hat. Dann war sie aber der Erweiterung von St. Michael im Weg und musste versetzt werden. Weil dabei wohl ein Neubau nötig wurde, musste – wie schon bei St. Michael – ein neuer Name her. Da sowohl die Altstadtkirche als auch die Friedhofskapelle die von Tarasconi entdeckten Mauerreste durchschneiden, geht Werner davon aus, dass die 2016 entdeckte Struktur früheren Datum sein muss.

Die frühere Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm hält hingegen am bisher angenommenen Standort fest. Sie verweist auf die Abtrennungsurkunde von St. Johannis aus dem Jahre 1349, die ausdrücklich Überschwemmungen zu den Gründen der Loslösung zählt. Die Lage im Wiesengrund sei für die zahlreichen zur Fürther Pfarrei gehörenden Dörfer allemal zentraler gewesen. Und da die Kirche – wie auch der Königshof – wohl auf einem Hügel stand, sei sie selbst nicht überflutet worden und die meiste Zeit im Jahr zugänglich gewesen. Zur besseren Bewirtschaftung der Wiesen seien die Hügel später eingeebnet worden.  

Volker Dittmar

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