Ankunft in der Kleeblattstadt

Geflüchtete aus der Ukraine: In Fürth dient ein Hostel als sicherer Hafen

Gwendolyn Kuhn
Gwendolyn Kuhn

Lokalredaktion Fürth

E-Mail zur Autorenseite

16.3.2022, 17:00 Uhr
Der Kicker, der im Aufenthaltsraum des Hostels steht, das nun als Flüchtlingsunterkunft dient, erfreut sich bei den Kindern schon großer Beliebtheit.

© Gwendolyn Kuhn, NN Der Kicker, der im Aufenthaltsraum des Hostels steht, das nun als Flüchtlingsunterkunft dient, erfreut sich bei den Kindern schon großer Beliebtheit.

Das rege Treiben, das um sie herum herrscht, scheint die kleine Darina nicht zu stören. Wie auf einem Thron hockt die Fünfjährige auf einem Stuhl, der aus Europaletten zusammengeschraubt ist, und blickt in die Weite. Um sie herum sitzen Frauen mit ihren Kindern und einige Männer. Sie alle sind erst Anfang der Woche hier angekommen. Sie haben ihr altes Zuhause in der Ukraine gegen ein Zimmer im Fürther Hostel eingetauscht.

110 Geflüchtete sind momentan dort untergebracht, 57 weitere sind in die Jahn-Turnhalle eingezogen. Bald soll auch die Sporthalle der Hans-Böckler-Schule als Notunterkunft bereitstehen. Stündlich könnten weitere Männer, Frauen und Kinder aus der Ukraine in Fürth landen.

Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung im Gespräch mit den Menschen, die im Hostel untergekommen sind.

Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung im Gespräch mit den Menschen, die im Hostel untergekommen sind. © Oßwald, NEWS5

Oberbürgermeister Thomas Jung, der vorbeigekommen ist, um die Neuankömmlinge zu begrüßen, ist froh, dass die Stadt das Hostel zur Unterbringung gewinnen konnte. "Hier können Familien in einem Zimmer leben", sagt er. Das sei ein Vorteil im Vergleich zu einer Turnhalle, die kaum Privatsphäre biete. Auch in Zeiten der Pandemie sei das die bessere Lösung. Nach und nach sollen nun alle 52 Zimmer geräumt und für Kriegsflüchtlinge bereitgestellt werden. Bis April könnten dann insgesamt 200 Menschen dort leben. Ein Jahr lang hat die Stadt das Haus dafür angemietet.

Wie viele Geflüchtete nach Fürth kommen werden, lässt sich schwer abschätzen. 2015, als vor allem Asylsuchende aus Syrien ankamen, wurden diese auf die Kommunen verteilt und Fürth bekam ein gewisses Kontingent zugewiesen. Momentan ist das anders. Die meisten Menschen, Jung, kämen auf eigene Faust, zum Teil mit dem eigenen Pkw. Wer von ihnen sich dann hier niederlasse, könne niemand vorhersagen.

Frage nach einem Arzt

Wichtig sei ihm, dass sich alle in Fürth wohlfühlen. Was es dafür noch braucht, will das Stadtoberhaupt wissen. Einen Arzt würde eine Mutter gerne sehen, übersetzt ein junger Mann, der aus Odessa stammt, aber schon etliche Jahre in Nürnberg lebt und nun beim Dolmetschen behilflich ist. Ihre Kinder, so die junge Frau weiter, hätten schlimmen Husten. Eine andere Mutter würde sich dünnere Kleidung für ihre Buben wünschen. Und das Essen, da sind sich etliche einig, könnte noch etwas kindgerechter sein.

Jung verspricht zu helfen, ebenso wie bei der Frage nach Deutschkursen. "Wir wollen euch auch verstehen", verleiht eine Frau ihrem Wunsch nach Verständigung Ausdruck. Die Kurse sollen Ende März in der Volkshochschule beginnen – vielleicht sogar vor Ort im Hostel.

Auch in Sachen Schule und Kita versucht die Stadt, die Kinder möglichst schnell zu integrieren.Während die Grundschule Frauenstraße schon eine ukrainische Klasse eingerichtet hat und die Mittelschule in der Otto-Seeling-Promenade zwei Klassen für Kinder ohne Deutschkenntnisse anbietet , ist man bei der Betreuung von Kindern noch nicht ganz so weit. "Da müssen wir uns noch etwas einfallen lassen", sagt Schulreferent Markus Braun. Ein Problem sei fehlendes Personal. Eine Möglichkeit zu helfen könnte sein, dass man die Zahl der Kinder, die in einer Gruppe betreut werden, erhöhe. In jedem Fall aber seien schon jetzt Mutter-Kind-Treffs in den Kirchengemeinden geplant.

Vor allem aber, das wird beim Austausch mit den Geflüchteten klar, sind sie alle froh, dem Schrecken in ihrer Heimat entkommen zu sein. Mit ihren Kindern, erzählt eine Frau, die aus der Zentral-Ukraine kommt, habe sie tagelang im Keller ausgeharrt; anstrengend sei die Flucht gewesen. Nun hoffe sie darauf, dass ihre Kinder bald die Angst wieder verlören.

Kuscheltier als Freund

Ein klein wenig Trost sollen da die Kuscheltiere spenden, die Jung und Braun in einem Karton dabeihaben. Jeder Kind darf sich eines herausfischen. Darina entscheidet sich für ein kugelrundes Fantasiewesen in Lila und Weiß. Froh und mit einem breiten Lächeln im Gesicht drückt sie es an sich. Es könnte der Beginn einer dicken Freundschaft werden.

Verwandte Themen


Keine Kommentare