Bundesweite Aktion

Gegen Gewalt an Frauen: Darum sollte man Bäckertüten jetzt genau anschauen

Claudia Ziob
Claudia Ziob

Lokalredaktion Fürth

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22.11.2022, 15:00 Uhr
„Stop Violence“ steht auf der Tüte: Viele Bäckereien in Stadt und Landkreis Fürth beteiligen sich an der Aktion – wie hier die Bäckerei Wild in der Südstadt.

© Hans-Joachim Winckler, NN „Stop Violence“ steht auf der Tüte: Viele Bäckereien in Stadt und Landkreis Fürth beteiligen sich an der Aktion – wie hier die Bäckerei Wild in der Südstadt.

25.000 Exemplare wurden bedruckt: Seit Montag packen viele Bäckereien in Fürth und im Fürther Landkreis Brot, Brötchen und Croissants in besondere Tüten. "Stop Violence – Gewalt kommt mir nicht in die Tüte" ist darauf zu lesen.

Abgedruckt sind auch Telefonnummern von Hilfsangeboten für Frauen, die Gewalt erleben oder bedroht sind – darunter die des bundesweiten Hilfetelefons gegen Gewalt (Tel. 08000 11 6 016), das rund um die Uhr, kostenlos, anonym und in 18 Sprachen erreichbar ist. Als lokale Anlaufstellen werden die Beratungsstelle des Fürther Frauenhauses (0911-130 905 06; 0179-266 13 66), das Frauenhaus (0911-72 90 08) und die Kripo Fürth (Opferschutz: 0911-759 05 317) angegeben.

Internationaler Tag gegen Gewalt

Anlass für die Aktion ist der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen am Freitag, 25. November, der vielerorts genutzt wird, um für das Thema zu sensibilisieren. In Fürth ist sogar eine ganze Aktionswoche geplant, das Programm hat – wie berichtet – die städtische Gleichstellungsstelle zusammen mit der Kriminalpolizei, dem Frauenhaus und den Fürther Frauenverbänden erarbeitet. Dazu gehören unter anderem mehrere Digitalvorträge mit Kriminalhauptkommissarin Annegret Steiger, Info-Stände und ein Workshop.

Wie schon 2020 und 2021 hat man sich erneut der bundesweiten Kampagne mit den Brottüten angeschlossen. Von der hiesigen Bäckerinnung und der Kreishandwerkerschaft gab es dafür einen Zuschuss, berichtet die Gleichstellungsbeauftragte Hilde Langfeld. Im nächsten Jahr will sie Apotheken miteinbeziehen – sie denkt dabei an das Beispiel Spanien: Dort wurden Apotheken während der Lockdowns zur wichtigen Anlaufstelle. Mit dem Codewort "Mascarilla 19" (übersetzt: Maske 19) konnten Frauen, die zuhause Gewalt erleben, auf ihre Situation aufmerksam machen. Die Apotheker wussten, dass sie bei Nennung des Codeworts einen Notruf absetzen sollen.

Frau in Burgfarrnbach erstochen: Urteil steht fest

Zusätzlich hat die Gleichstellungsstelle mehrsprachige Flyer und Aufkleber mit dem Aufdruck "Keine Gewalt an Frauen" drucken lassen, die in der Gastronomie, den Kinos und im Einzelhandel verteilt werden. Es ist ein Versuch, Betroffene zu erreichen und an alle anderen zu appellieren, "dass sie die Augen offen halten sollen, was in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis passiert", wie Hilde Langfeld sagt.

Gewalt an Frauen bleibt oft verborgen, mit fatalen Folgen. Die Zahl der Femizide in Deutschland ist erschreckend hoch: Im Jahr 2020 starben 139 Frauen, weil ein Partner oder Ex-Partner aggressiv wurde – jeden dritten Tag verlor ein Mensch sein Leben.

Im Fall der 36-jährigen Nadine S., die am 10. Dezember 2021 in Burgfarrnbach erstochen wurde, war es kein Partner, aber ein Mann, der mehr von ihr wollte und zurückgewiesen wurde. Der Täter, Franz-Xaver S., wurde am Montag zu einer langen Haftstrafe (14 Jahre und sechs Monate) verurteilt, das Gericht ordnete außerdem Sicherungsverwahrung an.

Mehr zum Urteil, zur Angst, in der Nadine S. lebte, und zur Frage, ob das Verbrechen in Burgfarrnbach hätte verhindert werden, lesen Sie mit Digitalabo auf nn.de

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