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Geist mit grünem Schuh

Klosterhofspiele bezaubern mit einer heiteren Posse - 23.06.2008

Eine mitreißende Spielfreude zeichnet das neu aufgestellte Ensemble der Klosterhofspiele aus und tröstet damit über manche Länge im Mittelteil des Stücks hinweg. © Thomas Scherer


Er hat seine Geschaftlhuber gekannt, der Possendichter Johann Nestroy. «Der Mensch ist gut», schrieb der weise Biedermeier seinen Zeitgenossen ins Poesiealbum, «nur die Leut’ sind schlecht». Eine Wahrheit, die «Der böse Geist Lumpazivagabundus» aufs Schönste untermalt. Die neu aufgestellte Mannschaft der Klosterhofspiele Langenzenn hat sich mit der bewährten Zauberposse einen Gefallen getan: Liebenswert und unterhaltsam entfaltet sich der Spaß des Wiener Bühnendichters, den Karl Kraus als «ersten deutschen Satiriker» rühmte.

Was für ein harter Job der des Satirikers ist, bekam als erstes Rudolf Kelchner zu spüren. Der «Langenzenner-Jedermann»-Geübte machte sich ans - wie er es nennt - «Frankonisieren» und übersetzte Wiener Schmäh in fränkischen Humor. Das heißt, es wird überwiegend fränkisch parliert. Karin Bogner, zum Beispiel, darf sich aber als Feenkönig des Bayerischen bedienen, was wunderbar herzhaft und kraftvoll ist und im Dialog mit Lotte Schuh, als Zauberin mit heimischen Zungenschlag, schon die Eröffnungsszene zu einem Höhepunkt macht.

Regisseurin Gabriele Küffner nutzt gleich zu Beginn den unvergleichlichen Raum, den der Klosterhof ihr bietet. Lässt von oben, unten und von den Seiten spielen und gibt dabei ihrem Publikum die Chance, die unnachahmliche Atmosphäre dieser Spielstätte zu genießen. Es wird ein paar andere Stellen geben, an denen sich beide - Regisseurin und Textgestalter - ein wenig schwerer tun. Der Witz des großen Nestroy lässt sich nicht so leicht nachzaubern.

Und manches wirkt dann leider ein bisschen gewollt, die dreifache Erwähnung der leidigen «Pisa»-Misere, zum Beispiel, oder der allzu schlichte «Boah, echt cool»-Versuch in jugendbewegtem Jargon. Und auch wenn es weh tut, sämtliche Szenen vertragen jeweils im Mittelteil eine mutige Kürzung, damit der Spannungsbogen durchweg erhalten bleibt.

Immenser Einsatz

Das ganz große Plus dieser Inszenierung liegt in der mitreißenden Spielfreude dieses engagierten Ensembles. Die schönsten Tugenden einer Laien-Aufführung kommen hier zum Tragen und machen den Charme dieser ansprechenden Sommernacht aus. Die Freude am gemeinsamen Gestalten, der immense Einsatz, die Leidenschaft für dieses große Projekt - all das überträgt sich bis in die Zuschauerreihen und begeistert.

Auf der Bühne steht eine tolle Truppe. Klaus Roscher etwa, ein Lumpazivagabundus nach Maß, der die Kunst beherrscht, Pointen auf die Sekunde genau zu platzieren. Stephan Schulz (Knieriem) trägt mühelos ganze Szenen auf seinen breiten Schultern - Klasse ist das. Genau wie Philipp Bartsch (Zwirn) und Frank Hallwas (Leim), die ihre Parts genau wie ihre vielen Mitspieler mit spürbarem Enthusiasmus meistern.

Großes Kompliment dafür, dass die ursprüngliche «Zauberposse mit Gesang» tatsächlich auch musikalisch glückt (Arrangement: Markus Simon und Steffi Zachmeier). Kostüme und eine Bühnengestaltung mit pfiffigen Deko-Würfeln und tiefgründiger Tarotkarten-Symbolik (von Jens-Heino Johannsen) runden den Eindruck ab.

Allem (Neu-)Anfang wohnt ein Zauber inne. Die begeisterten Klosterhofspieler von Langenzenn haben es bewiesen. Gut gemacht und weiter so. SABINE REMPE

Infos im Internet: www.klosterhofspiele.de und www.klostermaeuse.de. Tickets: (0 91 01) 63 21. 

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