Geldsegen für die Innenstadt

15.7.2010, 00:00 Uhr
Auch Aktionen wie die „gesunde Pause“ für Schulkinder wurden durch das Förderprogramm angestoßen.

Auch Aktionen wie die „gesunde Pause“ für Schulkinder wurden durch das Förderprogramm angestoßen. © Thomas Scherer

Joachim Krauße lässt keinen Zweifel: Dass sich das Gesicht von Straßenzügen, Fassaden und Hinterhöfen derart rasant wandeln konnte, wäre ohne die Finanzspritzen – in der Regel 60 Prozent der Kosten – nicht möglich gewesen, sagt der städtische Baureferent. Keine Kommune könne sich diesen Aufwand allein leisten, erst recht nicht eine an chronischer Geldnot leidende wie Fürth.

Unter dem Strich flossen bis heute satte 35 Millionen Euro in 188 Einzelprojekte, hinzu kamen mehrere hundert Sanierungen von Gebäuden in privater Regie. Dabei standen zwar, wie es das Programm vorsieht, bauliche Aspekte in Gebieten „mit besonderem Entwicklungsbedarf“ im Vordergrund – erinnert sei an Höhepunkte wie das Kulturforum, an die Uferpromenade oder den Grünen Markt. Doch auch wichtige Projekte kamen in den Genuss großzügiger Zuschüsse, wie das Sprachförderprogramm „Mama lernt deutsch“, das derzeit laufende Gesundheitsprojekt oder aber das Mütterzentrum.

Viele, wenn auch längst nicht alle Defizite sind auf diese Weise gemindert oder beseitigt worden, sagt Krauße. Man habe die Innenstadt „aus ihrer Abwärtsbewegung“ herausholen können und darüber hinaus einen Bewusstseinswandel in den Köpfen in Gang gesetzt. Statt Depression und schlechtem Image beobachte er heute immer öfter ein neues Selbstbewusstsein, Gemeinschaftssinn und Aufbruchstimmung bei den Bewohnern.

Mittelstand erreicht

Was den Baureferenten besonders freut: Dank des Aufschwungs wurden „die erreicht, die wir haben wollten“: Mittelstandsfamilien, die zunehmend in aufwändig sanierte Häuser ziehen, wie das ehemalige Ottoschulhaus, die sich aber auch für Neubauprojekte, wie an der Badstraße, erwärmen. Das Resultat: „Wir haben einen deutlichen Fortschritt bei der Bevölkerungsstruktur gemacht“, so Krauße.

Gerade weil alles so gut funktioniert hat, kann er nicht verstehen, dass an dieser Stelle gespart werden soll. Die „Soziale Stadt“ ist in seinen Augen Förderung par excellence: Das Programm treffe zielgenau und sei nachhaltig. Zudem animieren die Investitionen der öffentlichen Hand Privatleute, ebenfalls Geld in die Hand zu nehmen – selbst ohne Förderung. Ein Euro aus dem Programm ziehe acht Euro aus privater Tasche nach sich, rechnet Krauße vor.

Keinesfalls dürfe es deshalb zu den angekündigten „drastischen Einschnitten“ kommen, die eine positive Entwicklung abrupt bremsen könnten. Schulter an Schulter mit dem Städtetag, der bereits protestiert hat, müssten die Kommunen deshalb auf die Barrikaden gehen, meint man im Fürther Rathaus.

Thema wird das auch am übernächsten Samstag sein — wenngleich bei der großen Jubiläumsfete auf dem Grünen Markt natürlich das fröhliche Feiern im Vordergrund steht. Über 60 Initiativen aus der Innenstadt, sagt die für die „Soziale Stadt“ zuständige Quartiersmanagerin Alexandra Schwab, werden sich beteiligen — und noch immer gibt es weitere Anfragen.

Ehrensache auch, dass fast alle Künstler, die auf dem Markt und in angrenzenden Höfen auftreten, aus dem „Soziale-Stadt“-Gebiet kommen — oder zumindest die feste Absicht haben, dorthin zu ziehen. Von Dixieland-Jazz über Barockmusik bis hin zu kaukasischen Tänzen reicht das Spektrum.

Die Interpreten treten nicht auf einer Bühne auf, sondern ziehen umher. Der Hintergedanke: „Wir wollen nicht nur Info-Stände bieten, sondern das Marktgeschehen beleben“, erläutert Eva Göttlein vom Quartiersmanagement. Auch dies sehen die Organisatoren als ein Element ihrer sozialen Stadt.

Marktplatz-Fest, Samstag, 24. Juli, 11 bis 18 Uhr, Grüner Markt (ausführliche Programmankündigung folgt)