Geschafft: Fürther Michaelis-Kirchweih wird Kulturerbe

4.1.2018, 12:51 Uhr
Die Michaelis-Kirchweih - hier ein Blick auf den Wellenflug in der Königstraße - hat eine jahrhundertelange Tradition.

Die Michaelis-Kirchweih - hier ein Blick auf den Wellenflug in der Königstraße - hat eine jahrhundertelange Tradition. © Winckler

Das hat der bayerische Kultusminister Ludwig Spaenle heute in einem Schreiben an die Stadt Fürth mitgeteilt. Fürths Rathauschef Thomas Jung sprach von "einer großen Freude zum Jahresauftakt". Er dankte dem Leiter des Stadtarchivs, Martin Schramm, der die Bewerbung maßgeblich vorbereitet und begleitet hat, sowie "Kirchweihreferent" Horst Müller für ihr Engagement in dieser Angelegenheit.

"Dieser Ritterschlag für die Michaelis-Kirchweih als eine der größten Straßenkirchweihen Europas ist hochverdient, er wird ihre Strahl- und Integrationskraft weiter erhöhen", lässt Jung per Pressemitteilung wissen. Einen besseren Start in das Jubiläumsjahr könne sich Fürth gar nicht wünschen: "Jetzt gibt es noch mehr Anlass, die Kirchweih in diesem Jahr vier Tage länger zu feiern."

Der nächste Schritt für die Kärwa wäre die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Kulturerbes. "Das ist unser Ziel", sagt Stadtarchivar Schramm, "es muss aber wohl überlegt und gut geplant sein und erfordert eine längere Vorlaufzeit."

Kultusminister Spaenle nannte die Fürther Kirchweih ein "besonders bedeutendes Beispiel" der "Stadtkirchweihen in Franken" und lobte die "große historische Tiefe". Die Aufnahme in das Bayerische Landesverzeichnis ist ihm zufolge als "Wertschätzung und Anerkennung für den persönlichen Einsatz im Zusammenhang mit dem Erhalt und der Weitergabe bayerischer Traditionen und Werte" zu verstehen.

Die Übergabe der Aufnahmeurkunde erfolgt bei einem feierlichen Festakt im Laufe des Jahres. Der Termin steht noch nicht fest.

2016 war die Stadt Fürth in ihrem Bemühen noch gescheitert. Allerdings: Die Kärwa-Bewerbung hatte das Rathaus damals recht kurzfristig erstellt, 2017 wurde in Ruhe nachgebessert. Im Mittelpunkt stand diesmal die Kärwa als Ganzes sowie die hohe Identifikation der Fürther mit dieser jahrhundertealten Veranstaltung.

Die Verbindung aus Straßenkirchweih, Volksfest und Jahrmarkt mit 100 Händlern ist nach den Worten von Stadtarchivar Schramm etwas Einzigartiges – vor allem in dieser Größenordnung und an diesem Schauplatz: Während die meisten Feste dieser Art auf Plätzen oder auf der grünen Wiese gefeiert werden, kommen die Fürther und ihre Gäste mitten im Zentrum zusammen.


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Im ersten Anlauf hatte sich die Stadt bei der Unesco mit Kirchweih und Festzug beworben. Letzterer erschien den Experten aber offenbar noch als zu jung. Zwar gab es bereits 1817 einen Erntedankfestzug, aber damals fand er im Juli statt und hatte mit der Kirchweih nichts zu tun. Die Kärwa wurde dagegen traditionell mit einem Festumzug der Brauereien eröffnet. Erst viel später wurde das Thema Erntedank mit dem Kirchweihfestzug verbunden, und erst seit 1954 findet er in ähnlicher Form wie heute am Bauernsonntag statt.

"Das Besondere, das Alte", sagt Schramm, sei die Kärwa selbst. Historiker gehen davon aus, dass sie erstmals nach dem Bau der Kirche Sankt Michael, dem ältesten noch erhaltenen Gebäude der Stadt, abgehalten wurde – etwa um das Jahr 1100. Die derzeit älteste bekannte namentliche Nennung der Fürther Kärwa stammt aus dem Jahr 1536.

 

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