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Mittwoch, 23.09.2020

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Geschichte Für Alle attackiert Eisenstein

Jüdisches Museum trennt sich vom Verein und organisiert Führungen künftig hausintern - 08.12.2010 22:00 Uhr

Museumsleiterin Daniela Eisenstein verzichtet auf die Dienste des Vereins Geschichte Für Alle und verweist auf eine einstimmige Entscheidung des Trägervereins, das pädagogische Angebot des Hauses neu zu konzipieren.

© Winckler


Geschichte Für Alle war seit der Eröffnung des Museums in der Königstraße im Sommer 1999 Kooperationspartner und zuständig für Rundgänge und Führungen. Von einer „falschen Entscheidung“ sprechen nun die Vorstandsmitglieder Wolf Hergert und Martina Frohmader in ihrem Schreiben, das den FN vorliegt. In „knappen fünf Zeilen“ Mitte November und in einem Gespräch vor wenigen Tagen habe Eisenstein jede weitergehende Zusammenarbeit — sie endet zum 1. März 2011 — abgelehnt und dies mit finanziellen Problemen des Hauses begründet. Geschichte Für Alle äußert nun „Zweifel an den Führungsqualitäten der Museumsleitung angesichts der stetig rückläufigen Besucherzahlen und angesichts eines fehlenden personellen Konzepts zur Betreuung von Besuchergruppen im Museum“.

Eisenstein lehnte es gestern gegenüber den FN ab, sich „auf ein solches Niveau zu begeben“. Die „lange vernachlässigte“ Museumspädagogik neu auszurichten sei vielmehr eine einstimmige Entscheidung des von Bezirkstags-Vizepräsident Alexander Küßwetter geführten Trägervereins. Bereits seit April habe das Museum eine hauseigene Pädagogin; es verfahre somit nicht anders wie die mit dem Fürther Haus eng vernetzten Jüdischen Museen in Berlin, Frankfurt, Wien und Amsterdam, wo ebenfalls die Museumspädagogik nicht mehr ausgelagert und stattdessen professionalisiert werde. Die Besucherzahlen wiederum seien in Fürth gesunken im Hinblick auf Gymnasien; stetig gestiegen sei jedoch das Interesse von Haupt- und Realschulen. 2011 werde es eine neue Kooperation mit zwei „regionalen Gymnasien“ geben.

Geschichte Für Alle habe, so Eisenstein, in elf Jahren „gute Arbeit“ geleistet. „Doch jede Einrichtung verändert sich. Und in Zeiten finanzieller Schwierigkeiten müssen wir für die Qualitätssicherung unserer Führungskräfte Sorge tragen.“ Dazu gehöre, vieles zu überdenken und zu reformieren, erst recht in den kommenden zwei Jahren, die die Museumschefin eine „Zeit des Überwinterns“ nennt. Ab April werde es bis auf weiteres keine neuen Ausstellungen in der Fürther Dependance geben, stattdessen der Fokus auf das Schwabacher Haus gelegt.

Für den geplanten Anbau in der Königstraße gebe es ebenfalls keinen konkreten Zeitplan. Diese Entscheidung müsse die Stadt treffen, so Eisenstein, die für die Sparzwänge Verständnis hat. „Ich bin sicher, dass es Lösungen gibt. Es geht nun alles etwas langsamer, aber wir sind nicht deprimiert.“

Matthias Boll

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