Geschlossene Kneipen beim Grafflmarkt?

13.4.2011, 11:10 Uhr
Sind verwundert und verärgert über die strengere Sperrzeitregelung für Freischankflächen, die heute im Stadtrat verabschiedet werden soll: (von rechts) Susanne Dresel, Harald Walter, Jens Graeser und Anwohner Peter Stutzmann.

© Rödel Sind verwundert und verärgert über die strengere Sperrzeitregelung für Freischankflächen, die heute im Stadtrat verabschiedet werden soll: (von rechts) Susanne Dresel, Harald Walter, Jens Graeser und Anwohner Peter Stutzmann.

Wie berichtet, hat die Stadtverwaltung auf Beschwerden von Anwohnern über die nächtliche Ruhestörung in Fürths Kneipenmeile Gustavstraße reagiert und entschieden, speziell beim Grafflmarkt die Bewirtung im Freien ab sofort nur noch bis 24 Uhr und nicht mehr bis zwei Uhr früh zuzulassen. „Wir möchten, dass die Stadt diese Regelung wieder zurücknimmt“, sagte nun Jens Graeser, Betreiber der „Kaffeebohne“ und Mitunterzeichner eines Offenen Briefes an Oberbürgermeister Thomas Jung und alle Stadträte.

In dem Schreiben, das auch Bernd Hausner (Bar), Michael Barth (Grüner Baum), Harald Walter (Pfeifndurla) und Susanne Dresel (Gelber Löwe) verantworten, wird darauf hingewiesen, dass sich beim Grafflmarkt gegen Mitternacht rund 500 Menschen zwischen „Bar“ und „Kaffeebohne“ befänden. „Die betroffenen Gastwirte“, heißt es, „sehen sich nicht in der Lage, diese hohe Anzahl an Gästen, die im Freien feiern wollen, gegen ihren Willen in ihren Lokalen unterzubringen.“ Denn die meisten Leute, erklärt Dresel, hielten sich bewusst draußen auf — in der Hoffnung, zufällig Bekannten zu begegnen, die sie lange nicht mehr gesehen haben.

Die Wirte befürchten, dass der „Volkszorn hochkocht“ (Graeser), wenn die Menschen ab Mitternacht draußen nichts mehr zu trinken bekommen. „Die Situation möchte ich nicht hier haben“, macht Graeser klar. Er und seine Mitstreiter erwägen daher, ihre Lokale am Abend des 27. Mai „komplett geschlossen zu halten“. Für den Wirt der „Kaffeebohne“ gibt es nur zwei Alternativen: Die Stadt nimmt ihre 24-Uhr-Regelung zurück oder Ordnungsreferent Christoph Maier soll sich in der betreffenden Nacht „selbst hinstellen und die Sache regeln“.

Mindestens ebenso verärgert wie auf die Sache mit dem Grafflmarkt reagieren die Wirte auf die geplante generell strengere Sperrzeitregelung für Freischankflächen, die heute im Stadtrat zur Debatte steht. Zwischen Mitte Mai und Mitte September wäre eine Bewirtung im Freien demnach an sieben Tagen in der Woche nur noch bis 23 Uhr erlaubt, nicht mehr bis 24 Uhr (freitags und samstags) bzw. 23.30 (sonntags bis donnerstags). Den Vorstoß begründet Maier mit den Beschwerden von „80 bis 90 Anwohnern“, die die nächtliche Lärmbelästigung in der Gustavstraße inzwischen nicht mehr hinnehmen wollten. Maier sieht die Stadt, die die Sperrzeitregelung seit 1993 zugunsten der Altstadtwirte liberalisiert habe, hier nicht nur in der Pflicht, sondern auch juristisch auf dünnem Eis.

Jens Graeser meint, Verwaltung und Stadtrat sollten stolz auf die Gustavstraße „mit ihrem italienischen Flair“ sein und betonen, dies sei auch mit großzügigen Sperrzeitregelungen erreicht worden. Der Ordnungsreferent kontert: „Wir haben eine rechtswidrige Lösung. Da kann ich nicht sagen, ich bin auch noch stolz drauf.“

Ähnlich nüchtern fällt Maiers Kommentar zum Grafflmarkt aus: Einen Volksaufstand, glaubt er, werde es nicht gleich geben, eher „ein großes Gemaule, vor allem wenn Gastwirte entsprechend Stimmung machen.“ Die Wirte schieben den Schwarzen Peter der Stadt zu. Im Rathaus provoziere man Proteste, kritisieren sie, indem man Fakten schaffe, bevor man den von allen Seiten erwünschten Runden Tisch installiere, und indem man „eine Entscheidung, die so viele Interessen berühre, kurzfristig und im Stillen“ treffe.

Erklärtermaßen nicht provozieren, nur Nachdruck verleihen wollen die Wirte ihrem Anliegen mit Plakaten („Ja zu einer lebendigen Altstadt für alle“) sowie einer Unterschriftenaktion mit dem Titel „Der Grafflmarkt ist in Gefahr“ und dem Motto „Unsere Altstadt ist für alle da“. Dem Stadtrat wollen sie heute die ersten Unterschriftenlisten überreichen. Ihr Etappenziel: Das Gremium soll das Thema Gustavstraße vertagen.

 

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