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Gesucht: Der beste Verkehrsmix für Stein

Mit einer intermodalen Machbarkeitsstudie betreten Freistaat und Kommunen Neuland - 24.08.2019 16:00 Uhr

Die Bürger, die an der Ortsdurchfahrt wohnen, leiden unter der Masse von Autos, Motorrädern und Lastwagen, die sich durch Stein schieben. Die neue Studie soll Lösungen aufzeigen. © Foto: Roland Fengler


Mitten in Kopenhagen habe es eine vierspurige Brücke mit schmalen Gehwegen gegeben. Die Frage, die für die Planer im Raum stand, sei gewesen, wie es gelingen könne, deren Kapazität zu erhöhen. Das Ergebnis: Nur noch zwei Fahrbahnen für Autos, aber dafür mehr Platz für Fußgänger und Radler. Seitdem habe sich die Mobilität dort deutlich verbessert.

Und das ist der neue Ansatz, den die Studie verfolgt: Vorhaben, wie die Ortsumgehung Stein, die Verlängerung der U-Bahnlinie 2, neue Buslinien, Straßenbahnen oder Geh- bzw. Radwege werden nicht mehr isoliert, sondern verkehrsmittelübergreifend und gesamtwirtschaftlich betrachtet und verglichen. Auch Straßenbaukosten, die vermieden werden, weil eine andere Lösung zum Zuge kommt, fließen in die Bewertung ein. Die Planer prüfen also auch jeweils die Alternativen.

"Wir schicken Schiene und Straße in einen Wettbewerb", bilanzierte Nürnbergs OB. Über allem steht die Frage: Wer kommt woher und will wohin? Im Fokus ist der Korridor mit der Bundesstraße B 14 und der S-Bahnlinie 4 zwischen Nürnberg und Ansbach. Die Initialzündung für die neue Form dieser Untersuchung gab im Jahr 2016 die Aufnahme der Ortsumgehung Stein in den Bundesverkehrswegeplan. Kernstück der zirka fünf Kilometer langen Umfahrung zwischen Deutenbach und Bertelsdorf ist ein rund 1900 Meter langer Tunnel, der die Rednitz unterquert und in Nürnberg, an der Wiener Straße, wieder oberirdisch andockt.

Beim großen Nachbarn stieß das Vorhaben von Anfang an auf Widerstand. Wobei Maly gestern im Landratsamt präzisierte, man habe nichts gegen die Ortsumgehung, wohl aber etwas "gegen die Stelle, an der sie wieder herauskommt". Sollte sich das Straßenprojekt bei der Untersuchung freilich "als beste Lösung" erweisen, müsse "Nürnberg eben darüber noch einmal brüten".

Neuer Blickwinkel

Gesprächsbedarf gäbe es sicher auch, wenn die U-Bahn-Verlängerung nach Stein mit zu den Top-Lösungen zählen sollte. Dieses Vorhaben war schon zweimal untersucht worden – 2015 und 2018 –, scheiterte aber jeweils am zu geringen Nutzen-Kosten-Faktor. Landrat, OB und Bürgermeister waren sich einig, dass eben nicht, wie seinerzeit zugrunde gelegt, das Fahrgastaufkommen zwischen dem jetzigen Endhalt in Röthenbach und Stein, sondern vielmehr zwischen Nürnberger Hauptbahnhof oder Plärrer und der Faberstadt betrachtet werden müsse.

Außerdem brauche es dafür eine Sonderfinanzierung, sagte Maly. Wenn nur ein Teil des Landkreises von der U-Bahn profitiere, aber der Rest über die Kreisumlage mitzahlen müsse, sei diese Lösung "unerotisch".

Steins Bürgermeister setzt große Hoffnungen darauf, mit der Studie Lösungen zu finden, um die Ortsdurchfahrt zu entlasten. Wenigstens 28 000 Fahrzeuge quälen sich täglich durch Stein und weiter nach Nürnberg. Ist die Autobahn A 6 wegen eines Unfalls gesperrt, können es auch bis zu 32 000 Pkw, Lkw und Motorräder sein. Es gehe "um konkrete Maßnahmen, das Verkehrsproblem auf der B 14 wegzubekommen", sagte Kurt Krömer. Besonders der zunehmende Lkw-Verkehr verschlechtere "die Wohnqualität deutlich".

300 000 Euro kostet die intermodale Machbarkeitsstudie, für die nun ein Büro gesucht wird. 225 000 Euro davon übernimmt der Freistaat Bayern, darüber zeigten sich Dießl, Maly und Krömer hocherfreut. Mit rund 11 000 Euro ist der Zweckverband Verkehrsverbund Großraum Nürnberg dabei. Den Rest teilen sich der Landkreis, Nürnberg und Stein: Sie zahlen jeweils rund 21 000 Euro.

Einen Projektmanager braucht es noch, dann folgt die Ausschreibung. In voraussichtlich zwei Jahren soll das Gutachten vorliegen. Der Landrat hofft dann "sehr konkret über wirksame Lösungen diskutieren und entscheiden zu können". 

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