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Dienstag, 17.09.2019

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Gibt es verdeckte Armut in Langenzenn?

Barbara Bienk ist die Ansprechpartnerin für das neue Quartiersmanagement - 14.09.2019 16:00 Uhr

Im malerischen Langenzenner Rathausensemble hat das Quartiersmanagement der Diakonie Fürth sein Büro: Barbara Bienk (li.) ist die Ansprechpartnerin für die Bürger vor Ort, Dorothea Eichhorn unterstützt das Projekt von der Kleeblattstadt aus. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Barbara Bienk (40) ist die neue Quartiersmanagerin in Langenzenn. Ihr Studium fürs Realschullehramt hat sie vor dem Referendariat familienbedingt beendet. Seitdem engagierte sie sich ehrenamtlich als Elternbeiratsvorsitzende in Kindergarten und Grundschule sowie im Fußballverein. Dorothea Eichhorn (57) leitet die Diakonische Sozialarbeit bei der Diakonie Fürth. Dabei betreut die diplomierte Sozialarbeiterin unter anderem auch das Quartiersmanagement der Diakonie in Oberasbach und die drei Fürther Stadtteilprojekte auf der Hardhöhe, in Ronhof und im Eigenen Heim.

Seit fünf Jahren betreibt die Diakonie Fürth in Oberasbach ein erfolgreiches Quartiersmanagement. Wie kommt es dazu, dass Sie nun auch in Langenzenn aktiv werden?

Dorothea Eichhorn: Der Langenzenner Seniorenrat kannte das Projekt aus Oberasbach und ist an die Stadt herangetreten, die sich wiederum an die Diakonie Fürth gewandt hat. Die Vorgespräche sind sehr offen und gut verlaufen. Die Stadt unterstützt uns auch sehr, etwa mit dem Büro im Rathausareal. Außerdem fungiert sie bei Institutionen, Verbänden und Vereinen als Türöffner.

In Oberasbach laufen eine Reihe von Veranstaltungen wie Erzählcafé oder Handy-Abc sehr gut. Werden Sie Projekte von dort übernehmen?

Barbara Bienk: Man kann die Dinge nicht eins zu eins von einer Stadt auf die andere übertragen. Jede Kommune hat ihre räumlichen Strukturen, ihre altersgruppenbedingte Durchmischung und ihre Eigenheiten. Ein Handyprojekt machen beispielsweise der Seniorenrat und das Wolfgang-Borchert-Gymnasium zusammen. Ein Repair Café gibt es im Jugendzentrum Alte Post. Wir wollen niemandem etwas wegnehmen. Was gut läuft, da mischen wir uns nicht ein. Bestehende Projekte dieser Art wollen wir eher nutzen, um Kontakte zu knüpfen und uns bekannt zu machen. Und vielleicht ergeben sich auch daraus Ideen, die man gemeinsam weiterentwickeln kann.

Haben Sie also für Langenzenn noch überhaupt keine Ideen?

Bienk: Doch. Eine Taschengeldbörse, bei der Schüler Senioren beim Einkaufen oder im Garten unter die Arme greifen – das könnte ich mir sehr gut vorstellen. Außerdem wollen wir das Thema ,Verdeckte Armut‘ angehen. Langenzenn steht als Stadt sicher gut da, man muss aber auch genauer hinschauen: Gibt es Kinder, denen zum Schulanfang die Erstausstattung fehlt? Können vielleicht Jugendliche aus finanziellen Gründen nicht bei der Konfirmanden-Freizeit mitfahren? In diesem Fall würden wir uns um Geld und Sachspenden kümmern.

Bräuchte eigentlich nicht jede Kommune ein Quartiersmanagement?

Eichhorn: Es kommt darauf an, welche Hilfs- und Beratungsangebote vor Ort vorhanden sind. Auch die Größe der Kommune spielt eine Rolle. In Fürth sind wir deshalb in den Stadtteilen aktiv. Aber natürlich gilt: Unterstützung schadet generell nicht.

Wichtig für Ihr Projekt in Langenzenn ist es, ein Netzwerk aufzubauen. Wer sind Ihre Ansprechpartner?

Eichhorn: In erster Linie natürlich die Stadt – aber auch der Seniorenrat, die Kirchengemeinden, die Tafel, Vereine, Schulen und die Kindertagesstätten. In Langenzenn besteht ein Runder Tisch Familie. Unsere Idee wäre, dass die Quartiersmanagerin da mitarbeitet.

Welche Rolle spielt der für Mittwoch, 18. September, geplante Bürgeraustausch im Bürgerhaus?

Eichhorn: Wir wollen von den Langenzennern wissen: Was gibt es bereits? Was fehlt? Was würden sie sich wünschen? Das Projekt, das die Deutsche Fernsehlotterie und die Diakonie Fürth finanzieren, ist zunächst für ein Jahr angelegt. Vorgeschrieben ist eine Bedarfserhebung, die wir dann konzeptionell mit Projekten unterfüttern. Außerdem bereiten wir bereits die Verlängerung des Quartiersmanagements für weitere zwei Jahre vor.

Wie können die Langenzenner Sie erreichen, Frau Bienk?

Bienk: Geplant sind feste Sprechstunden im Büro, ein Vormittag und ein Nachmittag, voraussichtlich ab Oktober. Derzeit ist mein Kalender noch voll mit Terminen, ich muss mich schließlich bekannt machen. Und das gilt es, in den 20 Stunden Arbeitszeit pro Woche unterzubringen. Außerdem können mich die Bürger anrufen. Und natürlich hoffe ich auf viele Kontakte bei unserer Infoveranstaltung.

Bürgeraustausch, Mittwoch, 18. September, 18 Uhr, im großen Bürgersaal. Barbara Bienk ist außerdem im Quartiersbüro, Friedrich-Ebert-Straße 7, Langenzenn, zu erreichen unter Tel. (091 01) 70 36 35.

  

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