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Donnerstag, 14.11.2019

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Grenzlandmusik: Rabhansl und Valandi in der Koffer

Die beiden Musiker gastierten im Rahmen ihrer Konzerttour in Fürth - 14.10.2019 10:00 Uhr

Ungehobelt kommt die Musik von Andi Valandi daher. Blues und Nihilismus stehen Pate für seine mit trockenem Humor gewürzten Songs. © Foto: Thomas Scherer


"Tal der Ahnungslosen" nannte man das Elbetal um Dresden deshalb, weil zu DDR-Zeiten Westfernsehen kaum möglich war. Der Name hat sich gehalten (siehe Pegida), und Andi Valandi, der zwar erst auf die Dreißig zugeht aber schon den Grobschliff eines Altrockers verbreitet, kokettiert gern mit dem alten Begriff.

Sein bluesgefärbter Nihilismus-Rock speist sich aus den immer gleichen Versatzstücken: simple Akkorde auf einer Schrammelgitarre, die offenbar auf der Schotterpiste gestimmt worden ist, unterstützt von Frank Dresigs Umhänge-Keyboard und Selin Hatice Wutzler am Schlagwerk; dazu krause Texte aus Valandis abgrundtiefer Stacheldraht-Kehle. Für die Aussage "Ich will nicht erwachsen werden" hat Valandi zwar das ominöse 27. Lebensjahr bereits überschritten, doch für eine vergnügte Kopflosigkeit reicht es auf der Bühne allemal.

Da ergeht sich das lyrische Ich "Unten am Fluss", wundert sich, wie man sich um alles in der Welt in einen Polizisten verlieben kann, überlässt beim Trennungszoff der Partnerin alles Hab und Gut, aber brüllt: "Die Katze, die bleibt hier!" Wogegen für die nächste Verwandtschaft gilt: "Die Mutti muss weg!" Aber vielleicht handelt es sich ja auch um die Mutti im politischen Sinne.

Pflegt Andi Valandi also trockenen Reibeisen-Rock, so gießt Karin Rabhansl aus voller Kanne ein. Ihr Sound kommt kompakt wie eine Riesenwelle daher und überrollt ihr Publikum. Dazu schmiegt sich ihr gemütlicher niederbayerischer Dialekt so weich wie Kartoffelbrei zum prallen Schweinebauch.

So gemütlich ist diese Vokalfärbung, so bar jeder Gemeinheit, dass noch die wüstesten Schimpfkanonaden und das kleine ABC des "Volldeppen" das sittliche Empfinden nicht ernsthaft beeinträchtigen. Im Gegenteil, aus vollem Herzen und getränkter Kehle johlt das Publikum mit.

"Wann I dod bin, muss I zum Deifl" – mit diesem klaren Ziel vor Augen lässt sich das Leben in vollen Zügen genießen. Man könnte sagen, was Andi Valandi sucht, aber nicht findet und deshalb seine Existenz bestreitet, das ist Karin Rabhansl mit ihren Mitstreitern Julia Fischer (Orgel), Joschi Joachimsthaler (Gitarre) und Simon Weber (Drums) in den Schoß gefallen: die Erkenntnis, dass wenn schon alles zum Teufel geht, dann wenigstens in eine bajuwarisch-barock-katholische Hölle mit allen Schikanen.

REINHARD KALB

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