Wetter bringt ideale Bedingungen

Große Population: Tigermücke sorgt in Fürth für Unbehagen

17.7.2021, 06:00 Uhr
Der Tigermücke in Fürth geht es an den Kragen: Mitarbeiter der Firma APC suchen nach möglichen Brutstätten der Insekten. Bald steht eine neue Offensive an.

Der Tigermücke in Fürth geht es an den Kragen: Mitarbeiter der Firma APC suchen nach möglichen Brutstätten der Insekten. Bald steht eine neue Offensive an. © Foto: Tim Händel

Dass sich die tropische Art in Fürth eingenistet hat, wurde 2019 festgestellt. Seitdem wird der Bestand beobachtet. Dafür werden Tigermücken gezählt, die man mit speziellen, im Verbreitungsgebiet (Kalbsiedlung, Kleingartenanlagen Süd I und II sowie Garten- und Kleintierzuchtverein 1897) aufgestellten Fallen gefangen hat. Die weiblichen Tiere fühlen sich von den mit Wasser gefüllten Behältern angezogen, versuchen, ihre Eier im Inneren abzulegen und bleiben an einer Klebekarte hängen.

Eine Zwischenbilanz für diesen Sommer liegt jetzt vor. Das Ergebnis: "Es wurden mehr Tigermücken gefangen als 2020", sagt Jürgen Tölk, der Leiter des Amts für Umwelt, Ordnung und Verbraucherschutz. Das sei angesichts des Extremwetters mit viel Regen, hoher Luftfeuchtigkeit und heißen Tagen kein Wunder. "Die Mücken haben gerade ideale Fortpflanzungsbedingungen. Sie legen in der kleinsten Pfütze ihre Eier ab, wo sich die Larven dann entwickeln können", so Tölk. Zwar sind die Bewohner der Kalbsiedlung und die Kleingärtner angehalten, alle Gefäße auszuleeren. "Aber kaum ist das erledigt, hat es schon wieder geregnet, und es steht erneut das Wasser", sagt der Amtsleiter.

Einweißstoff tötet Larven ab

Die Population wäre noch deutlich größer, wenn die Firma APC (Allround Pest Control) heuer nicht im Auftrag der Stadt bereits zweimal Bekämpfungsmaßnahmen vorgenommen hätte. Zum Einsatz kommt der Eiweißstoff BTI, der aus dem Bakterium Bacillus thuringiensis israelensis gewonnen wird. BTI wirkt stark selektiv. Es gilt als ungefährlich für Tier und Mensch, tötet aber im Wasser lebende Mückenlarven ab.

Die BTI-Tabletten werden in Wasser aufgelöst und die Flüssigkeit dann in Eimer, Gießkannen, Regentonnen und vor allem Zisternen gesprüht. Zusätzliche Tabletten sollen in größeren Gefäßen für eine Depotwirkung sorgen. "Durch die vielen Regenfälle der letzten Wochen wurde der Stoff leider stark verdünnt. Er wirkt dann nicht so lange", sagt Judith Auer, Projektleiterin von APC. Die Folge: BTI muss in kürzeren Intervallen angewendet werden. War man bisher von einem Vier-Wochen-Turnus ausgegangen, werden jetzt drei oder gar zwei Wochen angestrebt.

Vom 19. bis zum 22. Juli rücken die Firmenmitarbeiter wieder aus. Sie werden in dem betroffenen Gebiet Gärten und Parzellen aufsuchen, um Wasserstellen wie Zisternen und Regenwassertonnen mit dem Toxin zu behandeln. Die betroffenen Bewohner und Kleingärtner werden über Aushänge informiert.

Da sich die Kalbsiedlung und die Kleingartenanlagen Süd I und II als Hotspots herausgestellt haben, steht hier schon 14 Tage später eine weitere Offensive an. Im GBV ist diese erst nach vier Wochen fällig, weil sich die Tigermücken hier nicht so rasant vermehrt haben.

Warum der ganze Aufwand? Ist Aedes albopictus, so der lateinische Name, nicht eine von mehreren Sommerplagen wie Wespen oder heimische Stechmücken? Leider nein. Sie sind höchst unerwünscht, weil sie als potenzielle Überträger schwerer Krankheiten gelten. Sie können laut Helge Kampen vom Friedrich-Loeffler-Institut rund 20 Viren verbreiten. Dazu gehören Erreger, die Tropenkrankheiten wie Dengue-, West-Nil-, Zika- und Gelbfieber oder Chikungunya verursachen.

Ansteckung unwahrscheinlich

Wichtig aber ist: Diese Viren geben die Asiatischen Tigermücken nur weiter, wenn sie zuvor infizierte Menschen gestochen haben. Das ist in Deutschland nicht sehr wahrscheinlich, aber auch nicht ganz ausgeschlossen. Wenn sich ein Urlauber während einer Fernreise angesteckt hat und ihn eine Tigermücke nach der Rückkehr sticht, könnte diese auch andere Personen mit dem Erreger infizieren. Die weiblichen Tiere, die das Blut für die Entwicklung der Eier aufnehmen, begnügen sich nämlich nicht mit einer Mahlzeit, sondern stechen mehrmals zu.

Für dieses Jahr hat die Stadt Fürth rund 200.000 Euro eingeplant, um den Insekten die Vermehrung möglichst schwer zu machen. Bei der Kalkulation ging man von monatlichen Intervallen bei den Bekämpfung aus. Laut Tölk wird gerade berechnet, ob die Summe ausreichend ist oder ob die Stadt weitere Gelder locker machen muss, wenn der BTI-Einsatz enger getaktet werden muss.

Was man auf jeden Fall verhindern möchte ist eine explosionsartige Ausbreitung der exotischen Mückenart. Denn je größer die Population, desto größer ist auch die Gefahr, dass es zu Ausbrüchen tropischer Krankheiten in Deutschland kommt. Dann könne man nicht mehr bei der Mücke ansetzen, indem man ihre Population dezimiert. Man müsste sich den Erreger vornehmen und einen Impfstoff entwickeln.

Keine Kommentare