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Großhabersdorf verleiht dem "Gelben Löwen" neuen Glanz

Aus einem Faschingsscherz wurde Ernst - und damit begann viel Arbeit - 15.06.2019 21:00 Uhr

Die einstige und künftige Pracht des alten Gasthauses Gelber Löwe lässt sich derzeit nur hinter den Gerüsten erahnen. Seit dem Frühjahr 2018 regieren in dem historischen Gebäude in Großhabersdorf die Handwerker. © Foto: Juliane Pröll


Das Gasthaus "Zum Gelben Löwen" hat seit dem 17. Jahrhundert viele Gäste und Besitzer kommen und gehen sehen. Im Jahr 2008 war schließlich Schluss. Das Haus stand leer. Nun verhilft die Gemeinde dem historischen Gebäude zu neuem Glanz. Seit rund fünf Jahren wird daran geplant und gearbeitet.

Dabei fing das Ganze mit einem Faschingsscherz an: Denn vor dem Versteigerungstermin des "Gelben Löwen" im Herbst 2013 befand sich Bürgermeister Friedrich Biegel in der Großhabersdorfer Partnerschaftsgemeinde Malinska auf der Insel Krk in Kroatien.

Es begann als Faschingsscherz

Bei einem Spaziergang am Meer fielen den Teilnehmern die vielen leerstehenden Häuser in Strandnähe auf. "Da haben wir gescherzt, dass wir doch eines davon als Ferienhaus für den Gemeinderat Großhabersdorf kaufen könnten", erzählt Biegel. Wochen später standen die Haushaltsberatungen 2014 an. Ob man als Faschingsscherz den Spaß mit der Villa in Malinska einbauen sollte?

Doch fast zur gleichen Zeit bekam die Gemeinde ein Schreiben des Amtsgerichts über die bevorstehende Versteigerung des Gasthauses. Der "Gelbe Löwe" war für einen Scherz besser geeignet, wie der Bürgermeister fand. Thomas Seischab, geschäftsleitender Beamter der Gemeinde, gab zuerst die zu diesem Zeitpunkt falsche Information vom Kauf des "Gelben Löwen" an die Fraktionsvorsitzenden weiter. Gelächter und Erleichterung war zunächst die Reaktion, als die Falschmeldung enttarnt wurde.

Doch aus dem ursprünglichen Spaß wurde schnell Ernst: Es sei doch gar keine schlechte Idee, den "Gelben Löwen" zu kaufen. Vor dem Versteigerungstermin beschloss der Gemeinderat deshalb, 150.000 Euro für den Kauf zur Verfügung zu stellen. Im Frühjahr 2014 erhielt die Gemeinde schließlich den Zuschlag für das Haus.

Hinzu kamen später Zuschüsse der Städtebauförderung Bayern sowie des Entschädigungsfonds des Landesamtes für Denkmalpflege in einer Gesamthöhe von etwas über zwei Millionen Euro. Im Laufe des Jahres 2015, nachdem die Erbschaftsverhältnisse der Vorbesitzer geklärt waren, konnte mit dem Ausräumen des verwahrlosten Gebäudes begonnen werden. Ungefähr acht Container mit Bauschutt kamen am Ende zusammen.

Unterschiedliche Nutzungsvarianten wurden durchgesprochen: von einer öffentlichen Nutzung als Rathaus bis hin zu rein privaten Zwecken. Am Schluss entschied man sich für ein Wirtshaus mit insgesamt acht Gästezimmern.

Die geschätzten Baukosten im Januar 2016: 3,8 Millionen Euro. Im Februar 2016 war die Vorplanung mit Architekten und Fachplanern fast abgeschlossen. Die Details des Architekturbüros wurde im August desselben Jahres dem Gemeinderat vorgestellt.

Historische Gebäude bergen Überraschungen

Anschließend redeten noch alle Fachbehörden, das Landesamt für Denkmalschutz und die Zuschussgeber mit. Erst dann konnte die Gemeinde den Bauantrag beim Landratsamt auf den Weg bringen. Anfang November 2016 erteilte die Behörde die Genehmigung. Es folgte die Ausschreibung der Gewerke und Ende 2017 die Suche nach einem zukünftigen Pächter.

Endlich, im April 2018, begannen die Bauarbeiten. Wie immer bei historischen Gebäuden gab es Überraschungen. So kamen nach einigen Abbrüchen Fachwerkkonstruktionen zum Vorschein, die die Arbeiter freilegten. Auch die Gründungsarbeiten im Inneren des Hauses und für den Treppenbau an der Nordseite begannen. Im Mai stießen die Bauarbeiter auf Spuren früherer Bewohner, wie eine alte Wasserleitung. Archäologen sicherten diese Entdeckungen. Im Herbst 2018 reichten die neuen Pächter ihr Konzept ein und präsentierten es dem Gemeinderat.

Anfang dieses Jahres wurden die Fundamentarbeiten abgeschlossen. Seit Februar 2019 wird die beschädigte Fachwerkkonstruktion ausgetauscht oder ersetzt. Die Kassettendecken und Wandvertäfelungen wurden gesichert und werden später wieder eingebaut. Im Februar fand sich in der Decke des ehemaligen Saales die alte, historische Ausfachung aus Lehm und Stroh.

Aufzugsschacht ist fertig

Im März zogen die Arbeiter Mauern und Zwischenwände hoch. Derzeit werden Trassen für die Leitungen ins Erdreich gegraben, neue Holzbalken sind an einigen Stellen bereits eingesetzt und die Wand zur Straßenseite im ersten Obergeschoss wurde herausgebrochen.

Außerdem sind die Ausbauarbeiten in den oberen Geschossen und unterm Dach fortgeschritten, die Rohböden und der Aufzugsschacht sind fertig. Auch zwei neue archäologische Funde werden momentan gesichert: ein Mühlstein und ein Steinfundament, das von einem Stall zeugt. 

Juliane Pröll

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