Donnerstag, 06.05.2021

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Gutachten: Wie geht es dem Wald-Nachwuchs im Fürther Landkreis?

Derzeit kontrollieren die Förster junge Bäume wieder auf Verbissspuren - 03.04.2021 16:00 Uhr

Förster Arnold Schellartz (li.) untersucht mit Florian Schramm (re.) in einem Waldstück den Verbiss. Mit dabei: Norbert Feder, Revierförster von Faber-Castell.

30.03.2021 © Foto: Hans-Joachim Winckler


Bereits seit 1986 wird alle drei Jahre das forstliche Gutachten zur Situation der Waldverjüngung erstellt. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie sehr das Wild das Wachstum des künftigen Waldes beeinflusst. Die Ergebnisse des Gutachtens, die Ende November vorliegen werden, dienen den Jagdbehörden als Grundlage, um die Abschusspläne für das Rehwild zu erarbeiten.


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Wildtiere lieben die Knospen und Triebe, sie liefern ihnen eine Extraportion Energie. Beschädigen sie jedoch zu viele junge Bäume, verhindert das unter Umständen das Heranwachsen eines stabilen Mischwaldes. Aber: "Gerade in Zeiten des Klimawandels ist das von essenzieller Bedeutung", sagt Florian Schramm vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürth (AELF), das für elf der bayernweit 750 Hegegemeinschaften, in denen sich Jäger zusammenschließen, zuständig ist.

Der genaue Blick auf die Jungbäume soll zeigen, ob der Wildverbiss für deren Entwicklung noch tragbar ist. 20 Prozent seien ganz normal, schließlich gehören Rehe ja zum Wald, betont Schramm.

Fünf Stangen auf der Geraden

Zusammen mit Förster Arnold Schellartz ist er in einem kleinen Waldstück unweit des Wolfgangshofs in Anwanden unterwegs, um dort die Verbissspuren zu registrieren. Hier liegt einer der etwa 40 Gitternetzpunkte, innerhalb derer pro Hegegemeinschaft eine genaue Untersuchung erfolgt.

Das Vorgehen ist dabei immer das Gleiche: Auf einer 50 bis 100 Meter langen Geraden verteilt Arnold Schellartz zunächst fünf Stangen. Sie markieren die fünf Punkte, die sich die beiden Forstleute dann genauer ansehen. Im Umkreis jeder dieser Stangen kennzeichnet Schellartz mit Klammern die 15 nächstgelegenen jungen Bäume, die zwischen 20 Zentimeter und 1,30 Meter hoch sind. Bis zu dieser Höhe erwischt ein Reh noch das begehrte Grün.

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Das Waldstück, unmittelbar an die S-Bahnlinie grenzend, besteht vorwiegend aus Eichen, Eschen und Erlen, "eine sehr schöne Mischung", stellt Schellartz fest. Das Kronendach lässt genügend Licht durch. Entsprechend findet er unter den jungen Bäumchen vorwiegend sogenannte Edellaubhölzer und Eichen.

Die betrachtet er mit geschultem Auge und unterscheidet, ob hier Hase oder Reh ihren Appetit gestillt haben. Rehspuren sind eher zerfasert, die von Hasen dagegen scharfkantig und schräg.

Waldbesitzer und Jäger mit eingebunden

Das Ergebnis hält Schramm in seinem Tablet fest. Neben der Pflanzenhöhe wird dabei auch differenziert, wie stark der Verbiss ist, also ob der Leittrieb komplett geschädigt ist. Seit jeher legt das AELF großen Wert darauf, das Verfahren möglichst transparent zu gestalten und sowohl Jäger als auch Waldbesitzer mit einzubinden – pandemiebedingt verzichtete das Amt, anders als in früheren Jahren, dieses Mal auf eine regionale Auftaktveranstaltung.

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Beim Start in Anwanden war aber zumindest Norbert Feder zugegen, der sich als Revierförster von Faber-Castell um einige umliegende Waldstücke kümmert. Als Vertreter der Waldbauern lobt er das Verbissgutachten als probates Mittel, die Situation vor Ort zu bewerten. "Für uns ist der Wald ja ein Wirtschaftsgut, von dem auch die nachfolgenden Generationen noch leben sollen", sagt Feder.

Nicht zuletzt deshalb sei es von großer Bedeutung, dafür zu sorgen, vor allem klimatolerante Baumarten zu schützen und weiter wachsen zu lassen. Doch die schmecken dem Rehwild nun mal besonders gut.

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