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Montag, 10.08.2020

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Hainberg: Zu viele Besucher schadeten dem Naturschutzgebiet

Eine der bedeutendsten Sandmagerrasenflächen Bayerns hat in der Corona-Zeit stark gelitten - 23.06.2020 21:00 Uhr

Seit Jahrzehnten lässt Schäfer Karl-Ludwig Schwarz seine Schafe und Ziegen auch auf dem Gebiet des Hainbergs grasen. Die Tiere verhindern, dass das Areal von Büschen überwuchert wird und seinen einmaligen Charakter verliert. Der Magerrasen ist Heimat für eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen, die an diesen extremen Lebensraum gut angepasst sind. Viele von ihnen sind vom Aussterben bedroht.

© Hans-Joachim Winckler


Wer der Rothenburger Straße in Altenberg den Rücken kehrt und nur wenige Schritte in den Hainberg abbiegt, wird umfangen von Stille. Der tosende Verkehrslärm ist einem Hintergrundrauschen gewichen, unterbrochen lediglich von Vogelgezwitscher und dem Blöken von Schafen. Weit kann man seinen Blick über die niedrig gewachsene Grasfläche schweifen lassen, die nur von kleinem Gebüsch oder einzelnen Bäumen unterbrochen wird und an eine Savanne erinnert. Und doch, die Idylle trügt.

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Als Teil der Sandachse Franken genießt der Hainberg unter Naturschützern einen ganz hohen Stellenwert. Sorge bereiten ihnen die Zunahme rücksichtslosen Verhaltens.


Denn am Hainberg, der 2,13 Quadratkilometer großen Fläche zwischen Oberasbach, Stein und Nürnberg, ist es wie überall, wo Naturschutz auf Erholungssuchende trifft: nicht ganz einfach. Besonders deutlich wurde die Diskrepanz in den Wochen, in denen der Corona-Lockdown die Menschen entweder an ihr Zuhause fesselte - oder eben hinaustrieb in die Natur. Plötzlich fanden sich auch am Hainberg mit seinen sensiblen Sandrasenflächen, die seltenen Tieren und Pflanzen Heimat sind, sehr viel mehr Leute ein als üblich. Mit drastischen Folgen. Die Heidelerche etwa, das Wappentier des Hainbergs, hat heuer wahrscheinlich keine Jungen großziehen können.

Der Grund: Zu oft wurde der seltene Bodenbrüter von seinem Gelege hochgeschreckt, weil Spaziergänger querfeldein liefen statt auf den Wegen zu bleiben. Die Eier kühlten aus, es konnten keine Küken schlüpfen. Das ist wohl die gravierendste Folge des Ansturms auf das Naturschutzgebiet, von dem Claus Rammler berichtet.

Der Biologe, der bei der Regierung von Mittelfranken für die Bereiche Umwelt und Naturschutz zuständig ist, hat sich mit Vertretern der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts, dem Revierleiter des Hainbergs beim Bundesforstbetrieb und einem Naturschutzwächter zu einem Ortstermin getroffen, um zu berichten, was die Corona-Zeit für das sensible Gebiet mit sich brachte.

Manche bleiben uneinsichtig

Da ist von Jugendlichen die Rede, die Lagerfeuer schürten, von uneinsichtigen Hundebesitzern, die ihr Tier nicht anleinen, und gar von passionierten Golfern, die ausgerechnet hier Abschläge übten. Immer wieder spricht Michael Herold Spaziergänger an, die gegen die Regeln des Naturschutzgebiets verstoßen - obwohl bereits Schilder darauf hinweisen, welche Flächen nicht betreten werden dürfen. Der ehrenamtliche Naturschutzwächter, der mit sechs Kollegen regelmäßig durchs Areal patrouilliert, klärt die Menschen darüber auf, was das sensible Gleichgewicht stört. Manche seien dankbar über diese Belehrung, andere dagegen blieben uneinsichtig. In diesem Fall droht ein Bußgeld.

In Zeiten des Lockdowns führten er und seine Kompagnons sehr viel mehr solcher Gespräche als sonst. Auch beim Landratsamt stand phasenweise das Telefon nicht still. „Zahlreiche Anrufer wollten uns darauf hinweisen, dass viel Müll rumliegt oder regelrechte Massen unterwegs waren“, sagt Markus Sommerhäuser, in dessen Zuständigkeitsbereich die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt fällt.

Woher die Uneinsicht einiger Bürger rührt? Claus Rammler beobachtet, dass immer mehr Menschen ihre eigenen Bedürfnisse über alles andere stellen. Jens-Eckhard Meyer glaubt, dass man nur das zu schützen bereit ist, was einem am Herzen liegt. Einig sind sich alle jedenfalls darin, dass man die Bürger mehr mitnehmen und ihnen erklären sollte, was ihr Tun anrichtet.

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