Hardhöhe-West wurde für Fürth zur Erfolgsgeschichte

Wolfgang Händel
Wolfgang Händel

Leiter Lokalredaktion Fürth

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7.12.2020, 17:00 Uhr

© Foto: Wolfgang Händel

Es war die Zeit nach der Quelle-Pleite, die in Fürth und in der ganzen Region zunächst für Schockstarre gesorgt hatte. Händeringend waren Akteure auf staatlicher und kommunaler Ebene danach bemüht, dem Verlust von tausenden Arbeitsplätzen auf einen Schlag entgegenzuwirken.

Im Fürther Rathaus entstand ein ambitionierter Plan: Die Kommune kauft aus den Quelle-Hinterlassenschaften jenes Areal, das in besseren Zeiten einmal als Sitz für die Hauptverwaltung des Versandhaus-Riesen vorgesehen war, dann aber auf Jahre ungenutzt blieb.

Ein Auge hatte die Stadt schon länger auf das weitläufige Gelände zwischen Würzburger Straße und Hafenstraße geworfen, nun aber war es zu einem regelrecht günstigen Preis zu haben: 7,9 Millionen Euro legte die Kommune auf den Tisch – das Gewerbegebiet Hardhöhe-West war geboren, eines der größten in Fürth. Inzwischen ist, von einigen kleineren Lücken abgesehen, das gesamte Areal gefüllt, es umfasst stolze 230.000 Quadratmeter – das entspricht etwa 30 Fußballfeldern.

Ein bunter Mix von Firmen hat sich niedergelassen, besonders stolz ist man im Wirtschaftsrathaus aber auf zwei von ihnen: Schon ganz zu Beginn entschloss sich die Biomarkt-Kette ebl, ihre Zentrale von Nürnberg auf die Fürther Hardhöhe zu verlagern; zum anderen gelang es dank des opulenten Flächenangebots, den Discounter Norma mit Hauptsitz und regionalem Lager in Fürth zu halten, der seinen vorherigen Standort räumte. Dort baut inzwischen das Evangelische Siedlungswerk Wohnungen und Häuser in großem Stil.

Statt der ursprünglich angepeilten 1000 sind bis dato rund 1500 Arbeitsplätze in 22 Betrieben entstanden – Oberbürgermeister Thomas Jung sprach deshalb kürzlich anlässlich einer Schlussbilanz vor dem Stadtrat von "einer der ganz großen Fürther Erfolgsgeschichten der letzten Jahrzehnte". Und die sei nach der Quelle-Krise bitter nötig und "von immenser Bedeutung" gewesen.


Bio-Boom: ebl-Zentrale soll wachsen


Auch finanziell sei die Rechnung aufgegangen. Aus der nun vorliegenden Aufstellung des für Hardhöhe-West gebildeten Sondervermögens geht hervor: Grundstücksverkäufe an Unternehmen spülten rund 18 Millionen Euro in die städtische Kasse, durch Zuschüsse, unter anderem des Freistaats, und Erschließungsbeiträge erhöhten sich die Einnahmen auf rund 21,5 Millionen Euro.

Dem stehen Ausgaben für Grunderwerb, Kreditzinsen, Erschließung des Geländes, Straßenbau und Anbindung an die Hafenstraße gegenüber – unter dem Strich ergibt sich ein Defizit von 800.000 Euro. Angesichts des zweistelligen Millionenbetrags nicht eben viel, aber eben doch 800.000 Euro Geld der Stadt Fürth. Eine Wirtschaftssubvention der öffentlichen Hand also?

Nein, sagt Kämmerin Stefanie Ammon, und das aus zwei Gründen: Zum einen erhalte man von den angesiedelten Unternehmen erhebliche jährliche Gewerbesteuerzahlungen und habe besagte 1500 Arbeitsplätze geschaffen, die den Wirtschaftsstandort Fürth stärken.

Leichter Überschuss

Zum anderen tauche in der Bilanz ein sogenannter Öko-Ausgleich als Posten auf: 1,4 Millionen Euro, die als Ersatz für ökologische Eingriffe in einen speziellen Topf der Stadt gezahlt werden mussten – aus dem diese wiederum Ausgleichsmaßnahmen, etwa Pflanzungen an anderer Stelle, finanziert. Rechne man die Summe gegen, ergebe sich bei der Abrechnung des Projekts Hardhöhe- West ein leichter Überschuss.

Auch die für ihren strikten Sparkurs bekannte Kämmerin spricht deshalb von einem Erfolg. Das erhebliche finanzielle Engagement der Stadt sei "mehr als gerechtfertigt" gewesen – und es habe sich im Wortsinn ausgezahlt.

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