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Dienstag, 20.08.2019

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Hecke in Gefahr: Naturschützer schlagen Alarm

Das Rückzugsgebiet für seltene Tiere schließt sich an der Baustelle an - 16.04.2019 21:00 Uhr

Wo jetzt der Aushub für die beiden im Hintergrund entstehenden Wohnhäuser lagert, soll der Kindergarten mit 100 Plätzen entstehen. Direkt dahinter schließt sich am linken Bildrand das Rückzugsgebiet für seltene Tiere an. © Horst Linke


Der Widerstand gegen Eingriffe in einen geschützten Heckengürtel, in dem selten gewordene Tiere leben, für die Freispielfläche eines neuen Kindergartens im Stadtteil Eigenes Heim wächst. 250 Unterschriften haben Anwohner bereits gegen das umstrittene Vorhaben gesammelt. Nun stärken ihnen der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz den Rücken.

Wie berichtet, hat die Baugenossenschaft Eigenes Heim am Wendehammer der Riemenschneiderstraße nahe der Feldstraße mit dem Bau zweier Mietshäuser mit 40 Wohnungen begonnen. Dahinter soll der von der Arbeiterwohlfahrt betriebene Kindergarten mit 100 Plätzen entstehen. Dafür sind 1000 Quadratmeter Freispielfläche vorgeschrieben. Weil der Platz ums Gebäude nicht ausreicht, soll ein Teil der Fläche als "Naturspielplatz" in den geschützten Landschaftsbestandteil hineinragen.

Bei einem Ortstermin Anfang April mit Vertretern der Baugenossenschaft und der Stadt wurde nach Möglichkeiten gesucht, das Projekt umweltverträglich zu gestalten. In dem noch nicht abgeschlossenen Entscheidungsprozess melden sich nur Anwohner und Umweltverbände zu Wort, die zu einem Umplanen für den Artenschutz und das Stadtklima aufrufen.

Rückzugsgebiet für seltene Tiere

Der dornenreiche Heckengürtel am Abhang zur Vacher Straße dient zahlreichen selten gewordenen Tieren wie Pirol, Zilpzalp, Zaunkönig, Mönchsgrasmücke, Glühwürmchen und Knoblauchkröten als Rückzugsgebiet. Für genug Nahrung sorgen viele hier lebende Insektenarten.

"Was nützt es, den Kindern der geplanten Tagesstätte die Natur näher zu bringen, wenn diese für den Kindergartenbau zerstört wird?", fragt der Kreisvorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz, Rainer Poltz. Die Stadt dürfe nicht zulassen, dass die Fürther Stadtnatur den Profitinteressen eines Bauträgers geopfert wird. Auch zur Aufrechterhaltung eines gesunden Stadtklimas seien derartige Naturinseln wichtig und sollten daher nicht der Nachverdichtung weichen müssen. Das Baugebiet soll ohnehin mit einer neuen Zufahrtsstraße von der Friedrich-Ebert-Straße aus erschlossen werden, die einen weiteren Heckenbereich durchtrennt.

Dass das ursprüngliche Heckengebiet schon durch alte Baugenehmigungen reduziert worden ist, beklagt die stellvertretende Kreisvorsitzende des Bundes Naturschutz (BN) und Stadträtin der Grünen, Waltraud Galaske. Die Stadt dürfe im geschützten Landschaftsbestandteil keinen weiteren Kahlschlag hinnehmen. BN-Mitarbeiterin Doris Wasilewski habe die Bauarbeiten in den letzten Wochen verfolgt und festgestellt, dass das Grün durch Rückschnitt und Ausbaggern schon laufend reduziert worden sei. Zu spät habe man schützende Bauzäune aufgestellt. Der Bau- und Umweltausschuss muss sich bei der erneuten Beratung über das Projekt mit den Vorwürfen auseinandersetzen. 

Volker Dittmar

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