Einblick

Heime in der Pandemie: Die Angst war lange allgegenwärtig

Gwendolyn Kuhn

Lokalredaktion Fürth

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22.1.2022, 11:00 Uhr

© Foto: Hans-Joachim Winckler

Was zurückbleiben wird, wenn Corona irgendwann einmal vorbei ist? Es sind eine Menge Bilder im Kopf von Petra Weiskopf. Etwa der Kreidespruch "Wir denken an euch", den Kindergartenkinder zum Pandemiebeginn auf den Gehsteig vor dem Sofienheim der Diakonie in der Südstadt geschrieben haben.

Eine positive Erinnerung. Ebenso wie der Zuspruch, den die Pflegedienstleiterin und ihr Personal immer wieder zu hören bekamen. "Danke, dass ihr so gut aufpasst", hieß es oft von Angehörigen. Auch fanden besonders anfangs viele kleine Aufmerksamkeiten den Weg ins Heim. Schokolade für die strapazierten Nerven der Pflegerinnen, später selbstgenähte Masken oder Eis für alle.

Schutzausrüstung knapp

Halt gemacht vor der Tür haben allerdings auch die trüben Gedanken, schlechten Erfahrungen und Ängste nicht. Die Furcht etwa, man könne, ohne es zu wollen, den Schutzbefohlenen im Heim den Tod bringen, indem man das Virus einschleppt. Oder die Sorge, die zunächst wenige Schutzausrüstung oder das Desinfektionsmittel könnten knapp werden und der Nachschub ausbleiben. Und natürlich die Furcht vor einem großen, verheerenden Ausbruch in der Einrichtung.

Dieser ist glücklicherweise beinahe ausgeblieben. Im Januar allerdings kam das Virus mit der Rückkehr eines Bewohners aus dem Krankenhaus ins Heim. Zwölf Senioren erkrankten, zwei von ihnen starben. Die betroffene Station wurde vollkommen abgeriegelt; vier Wochen lang mussten die betagten Menschen in ihren Zimmern ausharren.

Die Angst, dass sich so etwas wiederholen könnte, ist immer da, sagt Anna K. – die Altenpflegerin, die ihren vollständigen Namen nicht in der Zeitung lesen will, arbeitet seit 2014 im Sofienheim. Ihren Beruf mag die 32-Jährige auch wegen des Zuspruchs seitens der alten Menschen. Etwas mehr davon würde sie sich auch von der Gesellschaft wünschen. Denn: "Irgendwann werden wir alle alt und wollen gut versorgt werden." Viele Versprechungen habe es auch von der Politik gegeben, geändert habe sich aber kaum etwas. Im Gegenteil. Die Bürokratie nehme immer mehr zu, die Zeit für die Menschen dagegen fehle oft.


Zum Tag der Pflege: Gewerkschafter und Fachkräfte prangerten Missstände an


Wertschätzung bekommt sie von den Bewohnern und ihren Kollegen. Im Team, sagt Anna K., hat sie in den vergangenen Monaten viel von dem aufgearbeitet, was sie erlebt hat. "Manchmal hat mir schon ein kurzes Gespräch, ein kleiner Augenblick sehr geholfen." Das, was das Mensch-Sein ausmacht, habe sich erhalten.

Daran arbeitet auch Angelika Heidingsfelder, die seit 1999 als Altenpflegerin im Sofienheim tätig ist, jeden Tag. "Ich habe gelernt, mich an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen", sagt die 48-Jährige. Bestätigung zieht auch sie aus dem Umgang mit den Heimbewohnern. Trotzdem werde ihre Arbeit oftmals darauf reduziert, die Grundbedürfnisse der Senioren zu stillen. "Dabei muss man sich jeden Tag wieder auf etwas Neues einlassen."

Auch deswegen ist sie wie ihre Kolleginnen am "Tag der Pflege" der Meinung, dass ihre Arbeit besser vergütet werden müsste. Anna K. etwa könnte sich einen Tarifvertrag vorstellen, der die gleiche Bezahlung für Altenpfleger in allen Bundesländern und bei allen Trägern garantiert.

Weiskopf würde gern mehr Personal einstellen dürfen. Daran, dass die Vergütung in absehbarer Zeit angemessener wird, glaubt sie kaum. "Wären wir Flugzeugpersonal, würden wir für ein höheres Gehalt streiken. Das sind wir aber nicht, wir sorgen für unsere Bewohner. Deshalb wird auch unsere Forderung nach besserer Bezahlung ausgesessen."

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