Mittwoch, 25.11.2020

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Hilferuf der Wärmestube: Wohnungsnot in Fürth ist groß

Corona-Pandemie verändert die Arbeit der städtischen Einrichtung - 21.11.2020 07:30 Uhr

Frühstück und Mittagessen werden in der Wärmestube nur noch zum Mitnehmen ausgegeben, der Aufenthalt im Treffpunkt fällt weg. Den Menschen fehlt dadurch ein wichtiger Teil ihres Soziallebens.

20.11.2020


15 Menschen, die der Fürther Treffpunkt Wärmestube betreut, suchen momentan dringend eine Wohnung. Die Zahl erhöht sich auf 45, wenn man diejenigen einrechnet, die zwar ebenfalls ein neues Dach über dem Kopf bräuchten, bei denen es aber nicht so sehr brennt.

Es sind Frauen und Männer in Not, um die sich die Anlaufstelle kümmert. Als zentrale Aufgabe betrachtet man den Wohnungserhalt und die -vermittlung. Eine Studentin ist dafür vier Stunden pro Woche zuständig – das sei aber nicht genug, sagt Wärmestubenleiter Wolfgang Sperber, zumal die Suche nach Wohnraum immer schwieriger wird.

Kein Vermieter ruft an

Wünschen würde er sich eine übergeordnete Stelle: Wohlfahrtsverbände oder Einrichtungen wie die Kinderarche, das Frauenhaus und eben die Wärmestube könnten sich zusammentun, um eine solche Position zu schaffen.

Mindestens 30.000 Euro müsste man dafür einkalkulieren. Die Wärmestube könnte das aus Spendengeldern vielleicht alleine stemmen – doch der Betrag würde an anderer Stelle fehlen. Sperber hofft außerdem: "Durch ein gemeinsames Auftreten könnte man das Auswahlverfahren umgehen." Denn wenn bei einer Wohnungsbesichtigung 45 Personen auftauchen, "dann fallen unsere Leute mit Sozialleistungen unter den Tisch".


Die Wärmestube: Anlaufstelle in größter Not


Früher habe er den Telefonhörer nur dreimal in die Hand nehmen müssen, dann hatte er eine Wohnung organisiert, erzählt er. Vor neun Jahren meldeten sich Vermieter, die eine Bleibe zu vergeben hatten, sogar noch selbst bei ihm. Das gebe es längst nicht mehr.

Eine Stiftung könnte die Not etwas lindern. Seit drei Jahren hat Wolfgang Sperber diese Idee im Kopf. Immer aber kam etwas dazwischen, das in dem Moment wichtiger war.

Dabei sind die Wege bereits geebnet: Die Sparkasse würde sich in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftungstreuhand um die Abwicklung kümmern, die Satzung ist abgestimmt und auch ein Vorstand ist gefunden. Über eine Wärmestubenstiftung könnte man Wohnungen an- und vermieten oder sogar kaufen.

Aktuell muss sich auch die Wärmestube auf einen Winter mit Corona vorbereiten. Der Pandemie kann Sperber aber sogar etwas Positives abgewinnen: "Die Bereitschaft von Ämtern ist massiv gestiegen, Dinge unkomplizierter zu bewerkstelligen." Vieles, für das man in normalen Zeiten vorbeikommen musste, sei jetzt, zum Beispiel beim Jobcenter, über Mail, Fax oder Telefon möglich.


"Freude für alle": So funktioniert die Spendenaktion.


Noch eine gute Nachricht: Trotz der Krise sei die Spendenbereitschaft nicht gesunken. Die Wärmestube ist auf das Geld angewiesen – wenn ein niedriger sechsstelliger Betrag pro Jahr zusammenkommt, komme man auf null. Ist es weniger, "können wir bestimmte Sachen eben nicht machen", sagt Sperber.

Arbeit hinter Plexiglas

Während der 63-Jährige in seinem Büro an der Hirschenstraße hinter Plexiglas und mit Maske von seinem neuen Arbeitsalltag erzählt, montieren seine Kollegen von außen einen durchsichtigen Spuckschutz an seinem Fenster. Auch wenn die Klienten nicht mehr in die Büroräume dürfen: Die Arbeit muss weitergehen. Unter dem Plexiglas hindurch kann Sperber ihnen Zettel zum Unterschreiben reichen oder völlig gefahrlos einen Plausch mit ihnen halten.

Auf viel Gewohntes müssen die Gäste zurzeit verzichten. Sie dürfen das Frühstück und Mittagessen nur noch zum Mitnehmen abholen. Der Sozialraum, wo sie sonst saßen, um sich zu unterhalten, bleibt in diesen Monaten verwaist. "Das ist eine zusätzliche Schwierigkeit, aber nichts, was sie aus der Bahn wirft", sagt Wolfgang Sperber. Denn: Die Menschen sind an schwierige Situationen gewöhnt.

Mehr Informationen, auch für potentielle Spender, gibt es unter: https://fuerther-treffpunkt.de/

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