Historienzimmer: Vincenzenbronn bekommt ein kleines Heimatmuseum

10.5.2022, 19:00 Uhr
Initiator Hans Satzinger und seine Mitstreiterinnen Anni Sebeck (re.) und Andrea Schönhöfer haben bereits viele Exponate für das Historienzimmer gesammelt.

© Foto: Yvonne Neckermann Initiator Hans Satzinger und seine Mitstreiterinnen Anni Sebeck (re.) und Andrea Schönhöfer haben bereits viele Exponate für das Historienzimmer gesammelt.

Seit vergangenem Jahr sammeln Initiator Hans Satzinger und seine Mitstreiterinnen Anni Sebeck und Andrea Schönhöfer dafür vor allem Fotos, Bilder, Dokumente und Bücher. Aber auch historische Kleidungsstücke, Instrumente und Spielsachen sind dabei. Zur Verfügung gestellt wurden diese von alteingesessen Familien, die dafür in ihren Kellern und auf den Dachböden gestöbert haben.

"Momentan sichten wir alle Artikel, digitalisieren die Fotos und wählen aus, was einen Platz in der Ausstellung bekommen soll", berichtet Andrea Schönhöfer. Vor allem Bilddokumente gibt es reichlich. "Wir hatten zwischen den Weltkriegen schon einen begeisterten Hobbyfotografen im Ort, der viel für die Nachwelt festgehalten hat", erläutert Hans Satzinger. Wenn sie gut vorankommen, soll die Eröffnung bereits zur Kirchweih im August stattfinden. "Wirklich fertig werden wir aber wahrscheinlich nie", glaubt Andrea Schönhöfer.

Die Idee zum Historienzimmer hatte Hans Satzinger im ersten Corona-Jahr 2020, als wegen der Pandemie die 650-Jahrfeier abgesagt wurde: "Ich habe mir gedacht, so können wir auch ohne Feier unserer Geschichte gedenken."

Für das Projekt stellte die Gemeinde Großhabersdorf einen Teil des Dachbodens im Vincenzenbronner Bürgerhaus zur Verfügung, der für das kleine Museum eigens ausgebaut wurde. Die Kosten von 12 500 Euro wurden zu 63 Prozent aus dem Topf des Regionalbudgets des Amts für ländliche Entwicklung bezuschusst. Für den Rest kam Hans Satzinger aus eigener Tasche auf, denn die Vergangenheit seines Heimatorts ist ihm wichtig.

Diesem setzte er vor vier Jahren bereits mit dem Historienplatz am Quellenweg ein Denkmal. Nun soll das Historienzimmer folgen. "Ich bin im Wirtshaus meiner Eltern groß geworden und habe mich immer schon dafür interessiert, was die Gäste von früher erzählt haben", erinnert er sich. Dort sei die Liebe zur Geschichte entstanden. Satzinger ist in Vincenzenbronn tief verwurzelt. Seine Familie betreibt dort seit fast 450 Jahren einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Vielleicht hat noch jemand Spielzeug zuhause?

Somit ist es mehr als passend, dass der frühere Stammtisch aus der Wirtschaft "Rotes Ross", das Satzingers Familie bis 1964 im Dorf betrieb, nun den Mittelpunkt des Historienzimmers bildet. Sehenswert sind aber auch die in Vincenzenbronn gefertigten Spielwaren der Firma Köhler. "Viele Einwohner haben damals dort gearbeitet und vielleicht sogar noch das eine oder andere Stück bei sich daheim", sagt Andrea Schönhöfer. In diesem Fall dürften sie sich gern beim "Historienzimmer-Komitee" melden.

Beim Stöbern in den Regalen findet sich aber auch etwas zum Schmunzeln, wie beispielsweise ein Strafbefehl des Amtsgerichts Fürth aus dem Sommer 1948. Darin wird der landwirtschaftliche Gehilfe Georg B. beschuldigt, morgens um 1.30 Uhr die Straße von Großhabersdorf nach Unterschlauersbach "trotz herrschender Dunkelheit mit einem unbeleuchteten Fahrrad" befahren zu haben. Bußgeld: zwei Deutsche Mark.

Regelmäßige Öffnungstage sind bislang nicht geplant. "Wir werden das Historienzimmer zunächst nur zu unseren Festen wie der Kirchweih oder am 1. Mai öffnen und erst einmal abwarten, wie es angenommen wird", sagt Andrea Schönhöfer. Interessenten könnten aber auch jederzeit einen Termin für eine Sonderführung vereinbaren.

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