Historisches Flair: So kämpft Fürth um sein Kopfsteinpflaster

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15.3.2021, 06:00 Uhr
Historisches Kopfsteinpflaster entspricht nicht mehr modernen Anforderungen, steht aber für den Charakter der Denkmalstadt. 

© Hans-Joachim Winckler Historisches Kopfsteinpflaster entspricht nicht mehr modernen Anforderungen, steht aber für den Charakter der Denkmalstadt. 

Wie mit dem historischen Kopfsteinpflaster in Fürth umgehen? Diese Frage stellt sich immer wieder, wenn Straßen ausgebessert oder neu geplant werden – aktuell beispielsweise im Rahmen der Umgestaltung der Prachtstraßen Hornschuchpromenade, Rudolf-Breitscheid-Straße und Königswarterstraße.

Die Grünen jedenfalls sorgen sich, dass der traditionelle, „identitätsstiftende“ Belag zunehmend aus dem Erscheinungsbild der Denkmalstadt verschwindet – umso mehr, als er sich an heißen Sommertagen weniger erhitzt und so zu einem erträglicheren Klima beiträgt. Von der Stadtverwaltung wollten sie daher vor kurzem wissen, wie historische Straßenpflasterzüge erhalten werden können.

Steine sind sehr glatt

Das Grundproblem: Die Pflasterstraßen, die ab Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mit Granit oder Basalt gebaut wurden, werden modernen Anforderungen längst nicht mehr gerecht. Das gehe schon damit los, dass sie „unwahrscheinlich glatt“ sind, sagt Tiefbauamtsleiter Hans Pösl. Außerdem werden sie gerade bei Regen rutschig, was vor allem Radfahrer nicht mögen.

Anwohner wiederum sind genervt vom Lärm, der entsteht, wenn Autos darauf fahren. Und die Straßen selbst erscheinen im Lauf der Zeit zunehmend ramponiert. Kein Wunder: Dort, wo einst nur Pferdefuhrwerke unterwegs waren, brettern heute schon mal Zwanzigtonner daher.

Das hat natürlich mit der Konstruktion zu tun: Vor 120 Jahren hat man die Granitsteine lediglich gewölbeartig auf ein Sandbett gesetzt. Wird so eine Straße heute aufgegraben, und das passiert ja immer wieder, weil ein Rohr repariert oder eine Leitung verlegt werden muss, dann ist die ganze Tragfähigkeit gestört. Mit der Folge, dass sich das Kopfsteinpflaster an manchen Stellen setzt. Schließlich wird „ein neuer Ausbau unausweichlich“.

Aber Pösl versichert: „Wir versuchen immer, das historische Kopfsteinpflaster wieder einzubauen.“ Ist das nicht möglich, werden die Steine, die noch verwendbar sind, im Bauhof gelagert und für Parkbuchten oder die Gestaltung von Plätzen genutzt – zuletzt beispielsweise am Hallplatz. „Wir werfen also nichts weg.“

"Am Ende wird einfach asphaltiert"

Gleichwohl wünscht sich Fürths Stadtheimatpflegerin Karin Jungkunz grundsätzlich „mehr Fingerspitzengefühl“ der Denkmalstadt beim Umgang mit historischem Material – gerade von der kommunalen Infra, wie sie betont.

Denn ob Gehsteig oder Straße: Sie habe schon oft beobachtet, dass bei Bauarbeiten schöner, alter Steinbelag herausgerissen wurde. „Und am Ende wird einfach asphaltiert.“ Das ärgert Jungkunz. Man müsse Historisches „erhalten, wo es geht“.


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Heute noch gibt es in Fürth viele Quartiere mit altem Kopfsteinpflaster, etwa in der westlichen Innenstadt (Beispiel Blumenstraße) oder in der Südstadt (Beispiel Karolinenstraße). Ob solche Straßen erhalten werden, ist nicht nur eine Frage von Recht oder Sicherheit, sondern liegt auch am Bewusstsein für den Wert historischer Bausubstanz – und natürlich am politischen Willen.

Noch im März will sich nun der städtische Baubeirat mit diesem Thema beschäftigen und dann auch eine Empfehlung für die Neugestaltung der Prachtstraßen abgeben.

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