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Historisches Gärhaus ist Geschichte

Abrissbagger macht kurzen Prozess mit Fürther Baudenkmal — Straßenbau hat Vorrang - 15.02.2013 09:00 Uhr

Die letzten Augenblicke der 117 Jahre alten Fassade des historischen Gärhauses mit Hopfenspeicher an der Fichtenstraße. Das Baudenkmal muss einer Erschließungsstraße weichen. © Thomas Scherer


Während in der neuen Tucher-Brauerei an der Stadtgrenze im Süden bei Heringshappen auf den Aschermittwoch angestoßen wurde, fielen an der Fichtenstraße die letzten Mauern des Baudenkmals aus dem Jahre 1896. Alle Rettungsversuche waren vergebens. Die Stadt hatte den Abriss längst genehmigt, als das Landesamt für Denkmalpflege dem Gebäude nachträglich Denkmaleigenschaft attestierte.

Zu den technischen Raffinessen des aufwendig gestalteten Backsteinbaus mit Sandsteinelementen gehörte eine von Braumeister Hans Humbser (geb. 1860) ausgearbeitete und patentierte Luftkühlung, die als „System Humbser“ später von zahlreichen Brauereien verwendet wurde. Außerdem sorgte im Lagerkeller für 36000 Hektoliter Bier eine der ersten Lindeschen Eiserzeugungmaschinen für die nötige Kühlung.

Mit seinen verspielten Formen war das Gärhaus dem ersten Sudhaus aus dem Jahre 1887 an der Schwabacher Straße angepasst worden. Neben dem alten wurde bereits 1911 ein neues Sudhaus im Jugendstil errichtet, das auch heute noch einen markanten Blickfang bildet. Es wurde ebenso wie die an der Schwabacher Straße anschließenden älteren Brauereiteile bereits bei der ersten Beurteilung 2001 unter Denkmalschutz gestellt.

Das Gärhaus blieb damals noch außen vor, weil laut Denkmalamt trotz mehrfacher Terminvorschläge keine Besichtigung vereinbart werden konnte. Erst im vergangenen Sommer riefen besorgte Bürger die Behörde erneut auf den Plan. Denkmaleigenschaften wurden nun außer dem Gärhaus auch dem Verwaltungs- und Kühlhaus hinter dem Sudhaus, dem Pförtnerhäuschen an der Fichtenstraße und dem schmiedeeisernen Zaun zugebilligt. Weil der Bebauungsplan mit einer Erschließungsstraße anstelle des Gärhauses aber bereits rechtsgültig war, stellte das Landesamt seine erheblichen Bedenken gegen den Abriss zurück.

Die größte Fürther Exportbierbrauerei verband sich 1967 mit der Geismann-Bräu zur Humbser-Geismann AG. 1972 wurde sie samt der Grüner Brauerei von der Patrizier-Bräu geschluckt, die 1994 wiederum mit Tucher fusionierte.

 

VOLKER DITTMAR

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