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Sonntag, 21.07.2019

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Hitzewelle: Dem Aufgussmeister ist es schnuppe

Auch in Fürth werden manche Berufe durch Hoch "Ulla" besonders gefordert - 26.06.2019 16:00 Uhr

Dimitry Madorski heizt seinen Stammgästen zusätzlich ein. Doch beim Saunieren im Sommer gilt es einiges zu beachten, weiß der Aufgussmeister im Fürthermare. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Der Aufgussmeister

Dimitry Madorski schwitzt von Berufs wegen das ganze Jahr über, weshalb ihn Temperaturen jenseits der 35-Grad-Marke nicht schrecken. Schließlich verbringt der Aufgussmeister im Fürthermare viel Zeit neben dem Sauna-Ofen, wo es bis zu 110 Grad heiß werden kann.

Saunieren im Sommer – das ist aber generell eine entspanntere Sache als im Winter, erklärt Madorski. Weil der Körper dann nämlich mehr Zeit benötigt, um nach dem Schwitzen wieder abzukühlen, empfiehlt er eine Stunde Ruhepause zwischen den Saunagängen. Und auch die Dusche oder das Tauchbecken sollte man ausgiebiger nutzen, um die Körpertemperatur runterzufahren. Denn nur so stellt sich der positive Effekt des Schwitzens für den Kreislauf und das Immunsystem auch im Sommer ein.

Zurzeit sind es meistens Stammgäste, die Madorski begrüßt. "Neueinsteiger gibt es eher im Herbst oder im Winter." Passend zur Jahreszeit wählt er auch den Aufguss aus. Während Zimt und Menthol eher in den kalten Monaten zum Einsatz kommen, setzt er momentan auf zitronige oder minzige Düfte.

Er selbst verspürt übrigens auch bei hohen Temperaturen nicht permanent den Drang nach Erfrischung. "Eine kurze Dusche ab und zu reicht mir", sagt der Aufgussmeister. Schließlich sei das alles reine Trainingssache.

Der Schmied

Nein, ein Hoch namens "Ulla" braucht es nicht, um Hubert Hunstein ordentlich ins Schwitzen zu bringen. Das klappt ganz ohne Hilfe von oben, schließlich verbringt der Schmied aus der Gemeinde Wiesenttal in der Fränkischen Schweiz viel Zeit an der Esse. Das ist das Feuer, über dem er das Metall weich macht und anschließend bearbeitet. Frieren ist da nicht angesagt. Doch Hunstein nimmt’s gelassen: "Da habe ich meine Lederschürze an, die hält einen Teil der Hitze ab." Eigentlich müsste er also gewappnet sein für hochsommerliche Außentemperaturen. Die aber empfindet er als überaus anstrengend.

Schweißtreibend ist es auch für Hubert Hunstein und seine Helferin Veronika Riedl. Der Schmied aus der Fränkischen Schweiz montiert momentan einen Zaun auf dem Malzböden-Areal. © Foto: Hans-Joachim Winckler


"Sonne, die mir auf den Kopf knallt, macht mich fertig", sagt er. Momentan muss er das allerdings ertragen. Zurzeit nämlich ist er auf dem Gelände der Malzböden, dem ehemaligen Tucher-Areal in der Fürther Südstadt, damit beschäftigt, einen von ihm entworfenen Zaun zu installieren. Dieser soll die noch offene Seite zum Biergarten von "Humbser und Freunde" abgrenzen. Das Thema "Bier" wird sich in der rund 15 Meter langen Zaunskulptur wiederfinden – und zwar in seiner ganzen Bandbreite. Schließlich hat der Trank viele Facetten, bringt er doch Menschen zusammen und schürt zugleich die Aggressionen. Kommenden Dienstag soll die neue Umrandung eingeweiht werden.

Bis dahin wird Hunstein gemeinsam mit seiner Helferin Veronika Riedl noch weitere Stunden unter der erbarmungslosen Fürther Sonne schwitzen – und seinen Hof vermissen, der im Schatten der Ruine Neideck liegt und mit seinen Bäumen und einer Quelle schweißtreibende Temperaturen erträglich macht.

Die Friseurin

Im Salon von Melissa Fischer müssen bei Hitze die Schuhe dran glauben. Die zieht die Friseurmeisterin dann schon mal aus – und ihre drei Kolleginnen folgen dem Beispiel oft. "Barfuß auf den kühlen Fliesen, das erfrischt", sagt Fischer. Deshalb empfiehlt sie auch ihren Kunden, sich der Schuhe zu entledigen.

Ungemütlich warm kann es nämlich durchaus werden in einem Friseursalon, wo warmes Wasser, Föhns und Trockenhauben die Luft zusätzlich aufheizen. Allerdings verzichten im Sommer auch viele Kundinnen auf das Föhnen. "Die meisten gehen mit feuchten Haaren oder wir machen ihnen eine Flechtfrisur", sagt die 33-Jährige. Aufwendiges Glätten lohne sich sowieso meist nicht, weil die Witterung die Haare gleich wieder wellig mache.

Der Bauingenieur

Georg Ruf erinnert sich noch daran, wie er als junger Maurer selbst auf dem Bau stand und geschwitzt hat. Heute ist er Geschäftsführer der gleichnamigen Baufirma in Langenzenn, und obwohl sich seine Arbeit zumeist im Büro abspielt, ist er häufig auf den Baustellen unterwegs, um zu kontrollieren, ob dort alles läuft. Dabei hat er auch ein Auge darauf, ob sich seine Mitarbeiter beim Mauern oder Betonieren ausreichend vor der Sonne schützen. Eine Kopfbedeckung ist unverzichtbar, ebenso die Sonnencreme.

Wie alle Bauarbeiter in Fürth schwitzt derzeit auch Georg Hagel, der in der Hirschenstraße im Einsatz ist. Bis zu sieben Flaschen Wassser trinkt er an solchen Tagen. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Weil für Bauarbeiter wie für alle Menschen, die viel im Freien arbeiten, das Hautkrebsrisiko erhöht ist, rät er seinen Männern, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Außerdem hilft es natürlich, den Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Mehrere Liter am Tag sollten es sein, weshalb Ruf auch mal einen Kasten Wasser oder Eis für alle vorbeibringt. Er selbst kühlt sich gerne mit einer Fahrradtour am Abend ab. "Das hilft mir auch gleich, zu entspannen." 

Gwendolyn Kuhn

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