Hochschul-Anbau im Park: Stadt Fürth sucht nach Alternativen

13.2.2015, 06:00 Uhr

© Foto: Hans-Joachim Winckler

Zuvor legten sich Baureferent Joachim Krauße und Oberbürgermeister Thomas Jung für den Ausbau der Hochschule im Park ins Zeug. In Kraußes Augen ist er von so untergeordneter Bedeutung für den Park, dass kein langwieriges Änderungsverfahren des Bebauungsplans mit Bürgerbeteiligung nötig sei. Jung verwies darauf, dass man der Hochschule der Diakonie Neuendettelsau schon bei der Ansiedlung 2009 mit Stadtratsbeschluss (gegen drei Stimmen) eine Erweiterung in unmittelbarer Umgebung in Aussicht gestellt habe.

Während Hochschulkanzlerin Sabine König versicherte, dass es keine weiteren Anbauten im Park geben werde, fragte Grünen-Stadtrat Kamran Salimi weshalb sich die Bildungsstätte in eine planerische Einbahnstraße begebe, die jede weitere Entwicklung vor Ort unmöglich mache. Im Gegensatz zu FDP-Stadtrat Kurt Georg Strattner sieht er den Park-Charakter durch die Neubauten bedroht. Auch die Parkplatzfrage sei nicht gelöst. Das nahe Alternativgrundstück am Parkrand hinter dem infra-Heizkraftwerk lässt sich laut Baureferent nicht vollständig und wirtschaftlich genug bebauen, weil hier noch Brunnen zur Reinigung des von der US-Army mit Öl verseuchten Bodens arbeiten. Diese Anlagen müssten mit erheblichem Aufwand verlegt werden.

Öl im Boden

Dass sich der Schadensbereich, wie im Flächennutzungsplan dargestellt, bis an die Schickedanzvilla erstreckt, gab Grünen-Stadtrat Harald Riedel zu bedenken. Anbauten müssten hier genauso mit dem Altlasten-Problem kämpfen. Auch muss erst der Bund noch zustimmen, der Fürth die 100.000 Quadratmeter große Parkfläche bei der Besiedlung des ehemaligen Kasernengeländes nur zur nichtkommerziellen Nutzung überlassen hat. An die im jüngsten Kommunalwahlkampf gegenüber dem Bund Naturschutz abgegebene Zusage, den Südstadtpark nicht anzutasten, sieht sich CSU-Fraktionschef Dietmar Helm bei aller Sympathie für die Hochschul-Erweiterung gebunden.

© Foto: Hans-Joachim Winckler

Sein SPD-Kollege Sepp Körbl beklagt Informationsdefizite und hält ein Erweiterungsgelände außerhalb des Parks ebenfalls für aussichtsreicher. Ein ordentliches Änderungsverfahren des Bebauungsplanes mit Bürgerbeteiligung lehnt Körbl wegen der langen Dauer ab. Für die Grünen und den Bund Naturschutz ist es allerdings zwingend erforderlich, weil der zweigeteilte Anbau eine gravierende Veränderung des Parks bedeute.

Der OB wiederum will sich die Stadtentwicklung nicht ausschließlich von Bürgern diktieren lassen. Und der Baureferent gab zu bedenken, dass der Bebauungsplan auch für den Verbindungstrakt der beiden Musikschulgebäude nicht geändert worden ist. Die auf 550 Studenten ausgelegte Erweiterung soll nach den Worten der Hochschulkanzlerin spätestens im Sommersemester 2018 bezugsfertig sein. Eine Lösung des Parkplatzproblems müsse erst noch gefunden werden.

Für Grünen-Stadtrat Riedel war das Stadtratsvotum zur Erweiterungsmöglichkeit 2009 mit keiner rechtsverbindlichen Zusage für Neubauten im Südstadtpark verbunden. Eine Erweiterung der Hochschule in der Grünen Halle scheidet nach den Worten der Kanzlerin aus. Es habe sich gezeigt, dass die benötigten Räume hier nicht untergebracht werden können. Der Baureferent räumte am Ende der intensiven Debatte ein: „Wir haben erkannt, dass wir bei der Alternativen-Prüfung noch nachlegen müssen.“

2 Kommentare