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Höfener Straße: Wenig Hoffnung für Fürths Schmuddelecke

Die heruntergekommene Gegend ist kein Ort, an dem man gerne verweilt - 05.01.2017 06:00 Uhr

Spielhallen, Blechkarossen und Imbissbetriebe: Auch die runderneuerte Waldstraße ist kein Fürther Aushängeschild.

03.01.2017 © Athina Tsimplostefanaki


Extrem verschlechtert“ hat sich die Situation im Fürther Hinterhof nach Einschätzung von Stadtplanungsamtschef Dietmar Most. Von den Fürther Nachrichten auf die minderwertige Nutzung vieler Grundstücke an der Höfener Straße angesprochen, mobilisiert Most nach einer Ortsvisite nun die städtische Bauaufsicht. Sie soll insbesondere prüfen, ob Gewerbebetriebe gegen stadtplanerische Vorgaben verstoßen. Ein dickes Brett, das Most da bohren möchte. Schließlich widersetzt es sich seit Jahrzehnten der ordnenden Hand.

Schwierig ist das Bemühen um eine Aufwertung des Straßenbildes, weil Stückwerk nichts ausrichten kann. So hat der Ausbau von Wald- und Leyher Straße 2008 keine nachhaltige Verbesserung für den Grenzbereich der Nachbarstädte gebracht. Nur durch einen gemeinsamen Ausbau der Höfener Straße zwischen dem Anschlussstück der Höfener Spange und der Bahnunterführung an der Stadtgrenze können die Missstände nach Mosts Einschätzung wirkungsvoll beseitigt werden.

Eine Generalsanierung sei jedoch nur dann wirtschaftlich geboten, wenn die Straße so ramponiert ist, dass die Erneuerung keinen Aufschub duldet. Denn die Arbeit muss gegenüber den Anliegern gerechtfertigt werden, die dafür auch zur Kasse gebeten werden. Bei seinen Nürnberger Kollegen hat der Fürther Amtsleiter aus aktuellem Anlass schon einmal angefragt, wie sie sich die Zukunft des vernachlässigten Straßenstücks denn vorstellen. Die Antwort stehe noch aus.

Stadt hat Flächen selbst verpachtet

Ein Problem sieht Most in der Tatsache, dass die Stadt selbst an der Höfener Straße Gewerbeflächen für minderwertige Nutzung verpachtet hat und das Rad der Geschichte nicht einfach zurückdrehen kann. Sprich: Einmal erlaubte Geschäftspraktiken können nicht nachträglich verboten werden. Nur bei Neuansiedlungen und Nutzungsänderungen könne die Kommune steuernd eingreifen.

Auf Fürther Seite wuchert der Gebrauchtwarenhandel - und wird teils schon verdrängt von noch unansehnlicheren Flohmärkten.

03.01.2017 © Athina Tsimplostefanaki


Ein Straßenumbau, da ist sich Most sicher, kann viele positive Entwicklungen anstoßen. In dem heruntergekommenen Umfeld gibt der Amtsleiter einzelnen, lokal begrenzten Verbesserungen wenig Erfolgschancen. Vieles sei schon versucht worden. So habe man bereits etliche am Straßenrand abgestellte, nicht zugelassene Fahrzeuge abschleppen lassen. Aber offenbar sei der Gebrauchtwagenhandel so lukrativ, dass er die Szene beherrscht. Ein Flohmarkt, der an der Ecke Waldstraße zwei Autohändler verdrängt hat, sorgt für keine Aufwertung.

Spielhallen, Imbissbetriebe, Absteigen und Werkstattbaracken prägen das seit dem Abzug der Amerikaner kaum veränderte Bild. Gehsteige und Radwege enden im Nirwana. Das ist kein Ort, an dem man gerne verweilt. Ein paar Schritte weiter beginnt die 2015 für vier Millionen Euro ausgebaute Höfener Spange. Fürth beteiligte sich mit 1,7 Millionen Euro an dem 300 Meter langen Durchstich zur Virnsberger Straße.

Genug Frequenz für gute Geschäfte weist die Höfener Straße nach Ansicht des Fürthers Rick Pomerance inzwischen allemal auf. Bereits seit 1995 betreibt er auf der Nürnberger Straßenseite ein Kfz-Pfandleihhaus. „Wir nennen es Gazastreifen“, hatte er das Gebiet im Gespräch mit den Fürther Nachrichten 2004 charakterisiert. Verbessert habe sich seither nichts und Pomerance ist inzwischen heilfroh über die hohe Mauer seiner Lagerhalle zur Straßenfront: „So muss ich das Elend wenigstens nicht ständig vor Augen haben.“ Seit Jahren schon klagen Südstadtbewohner darüber, dass sie sich als Bürger zweiter Klasse fühlen.

Volker Dittmar

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