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Höhere Preise und verwirrende Tarife

Seit 1. Januar sind Fahrten mit Bussen und U-Bahnen teurer — Andrang im Kundencenter der infra - 05.01.2012 09:00 Uhr

Besser zweimal hinsehen: Viele Fahrgäste müssen sich am Fahrkartenautomaten erst einmal orientieren, welche der neuen Tarifstufen die richtige für sie ist.

© Anestis Aslanidis


Dass eine drastische Preiserhöhung bevorsteht, hat sich seit dem Sommer herumgesprochen. Nicht bei allen Fürthern aber ist in der Zwischenzeit der Ärger verflogen. „Das ist schon unverschämt: Über einen Euro mehr kostet die Streifenkarte“, schimpft eine Frau am Fürther Hauptbahnhof, als der Automat mehr Geld von ihr verlangt.

Andere reagieren pragmatischer, wollen ihre Energie nicht fürs Fluchen verschwenden. Das Ärgern bringe ja auch nichts, sagt ein Nürnberger Ehepaar, das auf die U-Bahn wartet, den FN. „Man kann eh nichts dagegen machen. Höchstens mit dem Auto fahren, und das wollen wir nicht.“ Ohne Auto muss es zwangsläufig bei Annalena Weber (15) und Marijke Waardenburg (14) gehen, die für den Führerschein noch zu jung sind. „Ein bisschen zu teuer“ sind die Fahrkarten ihnen geworden: „Immer, wenn man nach Nürnberg in die Stadt will, muss man jetzt mehr zahlen.“

Mit ihrem Enkelkind steht Theresia Kreuzer (74) am Bahnsteig. Der kleine Junge freut sich, dass es mit der U-Bahn und dem Bus nach Hause geht; spannender als Autofahren sei das. „Das ist schon viel Geld“, das von den Fahrgästen jetzt verlangt werde, sagt Kreuzer, „aber was will man machen?“ Die U-Bahn sei so praktisch, sie bringe sie fast bis vor die Haustür. Missen möchte sie sie nicht.

„Freilich hab ich mich geärgert“, seufzt auch eine 84-Jährige draußen an der Bushaltestelle. Verzichten könne sie auf den Nahverkehr nicht, „ich kann nicht alle Tage daheim bleiben.“ Wenigstens bis Ende Januar fährt sie noch zum alten Preis — die MobiCard hat sie sich kurz vor Silvester besorgt.

Keine rechte Vorstellung habe sie, gesteht die Frau, wie weit sie in Fürth künftig eigentlich mit einer Kurzstreckenkarte kommt: „Früher ging das bis Burgfarrnbach raus, oder in den Süden.“ Jetzt gibt es für Fahrten im Stadtgebiet den Z-Tarif, während der K-Tarif nur noch für ganz kurze Strecken gedacht ist. „Wie soll sich eine alte Frau da noch auskennen?“

Nur für kurze Strecken

Ein Blick auf die Schlange, die sich im Kundencenter der infra im U-Bahn-Verteilergeschoss gebildet hat, zeigt, dass es vielen ähnlich gehen muss. Sylvia Huber, stellvertretende Leiterin des Bereichs Verkehr bei der infra, bestätigt, dass der Andrang zurzeit sehr groß ist. Vor allem zwei Fragen beschäftigen die Leute, sagt sie: Wie lange sind alte Karten noch gültig? Und wie sieht die neue Kurzstreckenregelung aus? Gerade ältere Leute hätten damit Schwierigkeiten.

Fortan gilt die Kurzstreckenkarte nämlich nur noch für wirklich kurze Fahrten — bei der U-Bahn ist in der Regel an der übernächsten Station Schluss, mit dem Bus kann man mitunter bis zu neun Haltestellen passieren. Wer es genau wissen will, muss sich den Tarifzonenplan ansehen. Manche Haltestellen sind darin als „Tarifpunkte“ gekennzeichnet: Als Kurzstrecke gilt die Fahrt bis zum übernächsten Tarifpunkt. Alte Kurzstrecken-Streifenkarten sind, darauf weist Huber hin, nur noch für diese begrenzten Wege ausreichend.

Alles, was darüber hinaus geht, aber noch innerhalb des Fürther Stadtgebiets liegt, ist mit dem Z-Tarif zu erreichen. Hier kostet die Einzelkarte für Erwachsene 1,90 Euro, das Jahresabo hat sich von 26 auf 33,80 Euro verteuert. Fahrten nach Nürnberg (A-Tarif) sind weiterhin teurer als Fahrten innerhalb der Kleeblattstadt. Die Zehnerkarte, bei der für den Weg nach Nürnberg jeder zweite Streifen zu stempeln war, wird durch eine Fünferkarte abgelöst. Kunden können generell alte Karten im Kundencenter umtauschen oder sich das Geld ausbezahlen lassen.

Laut Huber sind „große Beschwerden“ bei der infra über die höheren Preise bislang ausgeblieben. Sie führt das darauf zurück, dass die Kunden über die Hintergründe gut informiert worden seien.

VON CLAUDIA ZIOB

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