Zu nass und kalt

Honigernte: Auch in Fürth blieb sie heuer mager

Gwendolyn Kuhn
Gwendolyn Kuhn

Lokalredaktion Fürth

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22.10.2021, 19:20 Uhr
Eigentlich soll diese Mischung aus Sonnenblumen und Bienenfreund vor allem ausgelaugte Böden wieder fit machen. Doch sie hilft auch Bienen, die dort jetzt im Herbst den letzten Nektar sammeln können.

Eigentlich soll diese Mischung aus Sonnenblumen und Bienenfreund vor allem ausgelaugte Böden wieder fit machen. Doch sie hilft auch Bienen, die dort jetzt im Herbst den letzten Nektar sammeln können. © Foto: Gwendolyn Kuhn

Wie sehr die Bienen in dieser Saison unter dem Wetter gelitten haben, ließ sich bei Familie Klingner irgendwann am Frühstückstisch erahnen. Dort gab es einige Zeit nämlich nur Marmeladenbrote. Äußerst ungewöhnlich für die Klingners, nennt Mutter Inga doch als erste Vorsitzende des Cadolzburger Imkervereins sieben Bienenvölker ihr Eigen. Honig geht demnach in ihrem Haus eigentlich nie aus.

Bereits der Frühling aber, so erzählt die 48-Jährige, sei diesmal alles anderes als optimal für die fleißigen Pollensammler gewesen. Zu kalt und für die wasserscheuen Bienen außerdem zu nass sei er gewesen. Solche Wetterkapriolen gibt es zwar immer wieder. Allerdings, so sagt Klingner, hätten heuer auch viele ältere Kollegen geklagt. "Eine so schlechte Saison haben viele zuletzt vor 20 oder gar 25 Jahren erlebt." Zwischen sieben und zehn Kilogramm Honig hat ein Volk in diesem Jahr für den Imker erwirtschaftet. Das ist die Menge, die die Bienen über ihren eigenen Bedarf hinaus produzieren. Normalerweise bleiben ihm 20 bis 30 Kilo.

Auf einer Brachfläche hinter der Polizeiinspektion in der Kapellenstraße brummen mittlerweile vier Bienenvölker. Auch sie haben heuer nur wenig Honig produziert.

Auf einer Brachfläche hinter der Polizeiinspektion in der Kapellenstraße brummen mittlerweile vier Bienenvölker. Auch sie haben heuer nur wenig Honig produziert. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Dabei hatte das Jahr vielversprechend angefangen. Ungewöhnlich warm sei es Ende Februar gewesen, der Raps habe im Frühjahr in voller Blüte gestanden. Doch dann kam die Kälte zurück und viel Regen obendrein. "Alles, was die Bienen gesammelt hatten, haben sie für ihre Brut verbraucht", sagt Klingner. Diese musste gefüttert und gewärmt werden – ein großer Energieaufwand, für den der Honig benötigt wurde.

Nicht viel besser verlief dann der Sommer, der sich wettertechnisch ähnlich mau präsentierte. Für die Bienen sei diese Jahreszeit ohnehin schon etwas schwierig. "Wenn die Obstbaum- und Rapsblüte vorbei sind, kommt in unserer aufgeräumten Landschaft nicht mehr viel für die Bienen", bedauert Klingner. Monokulturen wie Mais seien Selbstbestäuber, die ohne Pollen auskommen, daneben gebe es auf dem Land oft nicht viel Nahrung. In der Stadt dagegen gehe es den Bienen absurderweise oft besser. Die Vielzahl verschiedener Pollen sei es, die die Bienen auch widerstandsfähiger gegenüber Krankheiten mache.

Das hat in dieser Saison auch Matthias Scholz beobachten können. Der Polizeioberkommissar betreut die mittlerweile vier Bienenvölker,die seit drei Jahren auf einer Brachfläche hinter der Dienststelle an der Kapellenstraße stehen. Außerdem hat Scholz, der sich sein Wissen über die Nektarsammler in Lehrgängen und als Bienenpate bei einem Imker angeeignet hat, noch Völker in seinem Wohnort im Kreis Erlangen-Höchstadt. Diesen "Land-Bienen", so seine Beobachtung, ging es dieses Jahr schlechter als ihren "Kollegen" in der Stadt. Hier waren die Tiere insgesamt stabiler, die Völker größer, sie hatten mehr Futter für den Nachwuchs, der auch zahlreicher ausfiel. "Das Grün, das wir auf dem Land sehen, ist oft nicht bienentauglich", sagt Scholz. Während es in der Stadt Kleingärten, Blühstreifen und Parks gibt, findet die Biene im Dorf in ihrem Drei-Kilometer-Radius, den sie vom Stock aus anfliegt, oft nur ein paar Gärten. Bewirtschaftete Flächen dagegen sind oft untauglich zum Sammeln von Nektar und Pollen.

Die Honigernte allerdings fiel bei Scholz ähnlich mager aus wie bei Klingner. Rund zehn Kilo, so schätzt er, bleiben der Polizei heuer, die die Gläser an besonders verdienstvolle Menschen der Stadt verschenkt, etwa an Lebensretter.

Ihrer wichtigsten Aufgabe aber, dem Bestäuben von Pflanzen, sei die Biene trotz der widrigen Umstände nachgekommen. Der Indikator dafür sei die gute (Obst-)ernte jetzt im Herbst, so Inga Klingner.

Nicht so gut kamen dagegen die Imker weg. In manchen Hofläden bleibt das Honigregal inzwischen leer, zu gering fiel die heimische Honigausbeute aus. Klingner empfiehlt den Verbrauchern dennoch, deutschen Honig zu kaufen – soweit das eben möglich ist. Denn ihm sei, anders als Erzeugnissen aus anderen Ländern, nichts beigemischt. Wer auf Importware zurückgreifen will oder muss, betont sie, sollte zumindest auf ein Bio-Siegel achten. Denn dann sei auch gewährleistet, dass es sich um ein reines Naturprodukt handelt.

Malzbonbon-Geschmack

Wer mag, solle sich doch mal durch verschiedene Honigvarianten probieren. "Das ist fast wie eine Weinverkostung", schwärmt die Imkerin. Frühjahrshonig sei hell und mild, Sommerhonig kräftiger und würzig. Honig von der Tanne schmecke fast wie ein Malzbonbon, der von der Linde dagegen frisch und minzig.

Um der Biene zu helfen, in der oft kargen Umgebung zu überleben, sollte man ihr, soweit möglich, ein buntes Nahrungsangebot im Garten schaffen. Jetzt im Herbst sind beispielsweise noch Sonnenblumen, Fetthenne und Astern nützlich. Zum Überwintern dienen Stängel von Stauden, die man deshalb erst im Frühjahr zurückschneiden sollte. Und wer vor dem ersten Frost noch Zwiebeln von Krokus, Narzisse, Traubenhyazinthe und Tulpe vergräbt, sorgt schon jetzt dafür, dass im Frühling der Tisch für die Biene gedeckt ist.

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