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Horido! Fürth kriegt jetzt auch ein Fanprojekt

280 Quadratmeter in der Innenstadt — Lob aus Frankfurt für die Ultras - 16.01.2014 16:58 Uhr

Ein Mitglied der Horidos malt auf einer riesigen Leinwand. In der neuen Saison können die Fürther Ultras ihre Choreos im Fanprojekt entwerfen. © Hans-Joachim Winckler


„Die Fanszene in Fürth wächst, und wir müssen damit professionell umgehen“, sagt Jürgen Schmidt, beratendes Mitglied im Präsidium der SpVgg Greuther Fürth. Der harte Kern der Anhänger, darunter die Ultra-Gruppierung Horidos, wünscht sich schon seit langem eigene Räume, ein eigenständiges Fanprojekt, wie es bei fast allen Bundesliga-Vereinen schon seit Jahren die Regel ist.

Die Stadtspitze hat jetzt reagiert – und das „Fanprojekt Fürth“ auf den Weg gebracht. Läuft alles nach Plan, erhalten die jungen Anhänger, die sich bislang meist am Laubenweg bei den „Sportfreunden Ronhof“ trafen, schon zum Start der kommenden Saison eine neue Heimat in der Innenstadt — bei der Kinderarche in der Theresienstraße 17. Hier werden die Schulungsräume der Berufshilfe im ersten Stock umgebaut, auf 280 Quadratmetern soll ein Haus mit offenen Türen für alle Kleeblatt-Freunde entstehen.

Platz für die Choreos

Es wird ein sozialpädagogisch arbeitendes Fanprojekt werden, eine Art „Jugendzentrum für Fußballfans“. Hier können sich die jüngeren Anhänger täglich treffen, unter Gleichgesinnten sein und beispielsweise ihre aufwändigen Choreografien vorbereiten. Zwei Sozialpädagogen werden beim Fanprojekt eingestellt, gesucht werden Fachkräfte mit, na klar, Fußballaffinität. „Die Chemie muss ja schließlich stimmen“, sagt Jugendreferentin Elisabeth Reichert.

Die Fürther Kurve kann sich freuen: In Deutschland gibt es derzeit an 49 Standorten 54 Fanprojekte, im Sommer kommt ein weiteres dazu. Dann beziehen die Kleeblatt-Anhänger ihre neuen Räumlichkeiten in der Innenstadt. © Wolfgang Zink


Die Kinderarche gGmbH fungiert als Träger, Kooperationspartner ist die Offene Jugendarbeit des Jugendamtes der Stadt. Finanziert wird das Projekt von der Kommune, dem Land und der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Der Stadtrat hat als Startkapital 15000 Euro aus dem Haushalt 2014 bewilligt, bringen der Freistaat und die Kommune zusammen 60000 Euro auf, schießt die DFL weitere 60000 Euro an Fördermitteln zu.

Die Koordinationsstelle Fanprojekt (KOS), deutschlandweit zuständig für alle Fanprojekte, unterstützt die Kinderarche bei der Antrag- und Konzepterstellung. Orientieren will sich das Fürther Fanprojekt auch ein Stück weit an der Stadt Osnabrück. Dort sind die Strukturen der Fanszene ähnlich wie in Fürth, allerdings bezuschusst dort auch der Landkreis das Fanprojekt — ein Ziel, das sich auch die Fürther gesetzt haben; schließlich erwartet man auch zahlreiche Fans aus dem Umland.

Kick-Off für das Fanprojekt (von links): Jugendreferentin Elisabeth Reichert, Heidemarie Eichler-Schilling und Andreas Müßig von der Kinderarche, Bürgermeister Markus Braun und Jürgen Schmidt, Präsidiumsmitglied der SpVgg. © Meyer


Bis dahin wartet allerdings noch viel Arbeit. Etliche Zwischenwände in den kleinen Schulungsräumen müssen herausgerissen werden, die Gestaltung ihres neuen Treffpunkts wird dann weitgehend den neuen Nutzern überlassen. Etliche Fangruppenvertreter haben die neuen Örtlichkeiten schon mit Freude inspiziert, klar scheint: Rote Türen, wie sie bislang im Gebäude auch zu finden sind, dürften es wohl eher nicht werden. „Die Räume werden mit den Fans umgebaut und, so weit es geht, auch nach deren Wunsch gestaltet“, so Bürgermeister Markus Braun. Möbel würden bereits gesammelt, ebenso sei man auf der Suche nach zusätzlichen Geldgebern. 

Auch bei der SpVgg Greuther Fürth sind die Verantwortlichen froh, dass die Stadt mit einem eigenständigen Fanprojekt Bundesligareife zeigt. Ob erste oder zweite Liga: „Ein Fanprojekt in Fürth ist überfällig“, sagt Jürgen Schmidt und betont den angedachten präventiven Charakter. „Anderswo wurden Fanprojekte erst geschaffen, nachdem es Probleme mit den Anhängern gab. Das ist bei uns nicht der Fall.“ Um auch künftig nah dran am Ronhof zu sein, so Schmidt, wird der Verein dem Fanprojekt an Spieltagen einen zusätzlichen Raum im Stadionbereich zur Verfügung stellen.

„Sehr engagiert, auch politisch“

Das ehrgeizige Ziel, das Fanprojekt schon bis zum Ligastart im August zu öffnen, wurde gestern bei der bundesweiten Koordinationsstelle gerne zur Kenntnis genommen. In der Zentrale in Frankfurt genießen die Fürther Fußballanhänger seit dem vergangenen Jahr nämlich einen besonders hohen Stellenwert. „Das ist ein junges, lebendiges Umfeld in Fürth. Die Fans gelten als sehr engagiert, auch politisch“, so Volker Goll, stellvertretender Leiter der KOS.

Dass die Horidos im vergangenen Jahr nach Übergriffen aus dem Fanlager des 1. FC Nürnberg und dem Verlust ihrer Zaunfahne die Ruhe bewahrt hatten und nicht zu ähnlichen Vergeltungsaktionen aufriefen, sei außergewöhnlich, so Goll. Nicht zuletzt aus diesem Grund sei man in Sachen Fürther Fanprojekt sehr zuversichtlich.

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Achim Bergmann

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