Hospiztag in Fürth: Für mehr Leben vor dem Tod

12.7.2017, 11:00 Uhr
Den Tagen mehr Leben geben, das ist das Ziel. Die Helfer suchen möglichst früh Kontakt zu unheilbar Kranken, so können sie noch Wünsche erfüllen oder immer wieder auch zerrüttete Familien zusammenbringen.

Den Tagen mehr Leben geben, das ist das Ziel. Die Helfer suchen möglichst früh Kontakt zu unheilbar Kranken, so können sie noch Wünsche erfüllen oder immer wieder auch zerrüttete Familien zusammenbringen. © Foto: Daniel Karmann/dpa

"Der Hospiztag ist in Bayern ein Alleinstellungsmerkmal", betonte Roland Hanke, als er am Montag zusammen mit Bezirkstagspräsident Richard Bartsch das Programm vorstellte. Hanke als Vorsitzender und die anderen Mitglieder des Fürther Hospizvereins haben die Organisation der Veranstaltung in die Hand genommen. Erwartet werden in den Räumen der Comödie 150 Teilnehmer.

Als "Speerspitze der Hospizarbeit in der Region" lobte Bartsch den Fürther Verein. Der Hospiztag erfüllt für ihn zwei wichtige Funktionen: Einerseits sei er "ein Familientreffen mittelfränkischer Haupt- und Ehrenamtlicher in der Hospizhilfe", die sich hier austauschen können; andererseits eine klassische Fortbildungsveranstaltung. Der Bezirk unterstützt die Organisation mit 10 000 Euro.

Auf rund 100 Menschen beziffert Roland Hanke die Zahl derer, die in der Kleeblattstadt unheilbar Kranke auf dem letzten Stück Lebensweg begleiten. Sie nehmen mittlerweile immer früher Kontakt zu Patienten und deren Familien auf. "Mitunter schon Jahre vor dem Ableben", berichtet er. Dadurch könnten den Sterbenden zum Teil lange gehegte Wünsche, wie etwa einen letzten Konzertbesuch oder eine Ausfahrt auf dem Beiwagen eines Motorrads, erfüllt werden.

Versöhnung nach Jahren

Gleichzeitig gelinge es immer wieder, Gräben innerhalb der Familien zu überwinden. So erzählt Hanke von Kindern, die über Jahrzehnte keinen Kontakt zu den Eltern hatten und dank des frühzeitigen Engagements der Hospizhelfer gefunden werden konnten, um sich versöhnlich von Vater oder Mutter zu verabschieden.

Zwei Beispiele, die wohl auch am Samstag zur Sprache kommen werden. "Frühzeitige Einbindung von Hospiz- und Palliativeinrichtungen" lautet dazu der Titel des Vortrags des Erlanger Palliativmediziners Professor Christoph Ostgathe. Zwei weitere Referate stehen auf dem Programm, bevor später, nach dem Mittagessen, in der benachbarten Ludwig-Erhard-Schule sieben Workshops stattfinden.

Die Hospizarbeit dürfe nicht nur mit dem Tod assoziiert werden, machte Hanke deutlich: "Der Hospizgedanke konzentriert sich beinahe ausschließlich auf das Leben, jedoch in dem Bewusstsein, dass diesem ein Tod folgen wird." Die Ehrenamtlichen seien dabei unheimlich wertvoll: "Sie sind Gesicht und Sprachrohr der Hospizbewegung." Gleichzeitig stellt er eine zunehmende Professionalisierung fest. Auf eine Stunde Ehrenamt komme etwa die gleiche Zeit, die für Verwaltung, Spendensammeln und Öffentlichkeitsarbeit benötigt werde.

Die Hospizarbeit fußt für Hanke auf drei Säulen: Symptome sollen gelindert werden, durch ständige Erreichbarkeit soll Sicherheit gegeben werden, und die dritte Säule, "Rahmung des Alltag", zielt vor allem auf trauernde Angehörige, die nach dem Tod des Patienten noch begleitet werden.

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