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"Ich weiß, was auf mich zukommt"

Timo Schäfer übernimmt nach dem WBG-Chefposten auch Bibert-Bad-Leitung - 27.12.2018 21:00 Uhr

Timo Schäfer ist überzeugt, „gute, hochmotivierte Teams hinter sich zu haben“ — sowohl im Bibert-Bad als auch bei der WBG. © Foto: Thomas Scherer


Herr Schäfer, ab 1. Januar haben Sie zwei Posten inne, die bisher auf zwei Schultern verteilt waren. Wie soll das funktionieren?

Schäfer: Ich habe in beiden Unternehmen sehr gute, hochmotivierte Teams. Dass sie in der Vergangenheit oft negativ behaftet waren, haben weder Unternehmen, noch Mitarbeiter verdient. Das Vertrauen, das ihnen nicht entgegengebracht wurde, fehlt ihnen. Wenn man die Leute zu ihren Stärken motiviert, ist schon viel geholfen. Das ist mein Part — und Impulse zu setzen, Strukturen vorzugeben, die Einrichtungen gegenüber der Politik zu vertreten und dafür zu sorgen, dass die Leute in Ruhe arbeiten können. Und das funktioniert nicht im Alleingang, nur im Team.

 

Weder die WBG-Geschäftsführung noch die Bad-Leitung würde ein Außenstehender als Traumjob einstufen, sondern eher als Funktionen, in denen es hauptsächlich um Beschwerde- und Problemmanagement geht, oder sieht das der Insider anders?

Schäfer: Für mich ist die Immobilien- und Gebäudewirtschaft tatsächlich ein Traumjob, ich bin da hineingewachsen. Als gelernter Immobilienkaufmann hatte ich bis vor einem Jahr 13 Jahre lang die kaufmännische Leitung der WBG Fürth inne. Berufsbegleitend habe ich den Bachelor in meinem Fach absolviert, zur Zeit stehe ich kurz vor Abschluss des Masters. In Zirndorf lebe ich seit zehn Jahren und habe lange genug mitbekommen, wie WBG und Bibert-Bad öffentlich wahrgenommen werden. Aber ich sehe das nicht so problematisch wie Außenstehende.

 

Wieso?

Schäfer: Ich bin fest davon überzeugt, dass beides weit besser ist als deren Ruf. Wie war es denn in der Vergangenheit? Einige wenige beschweren sich, ihnen wird Gehör geschenkt, es wird verallgemeinert, und schon ist alles schlecht. Das lässt sich ändern. Damit haben wir bei der WBG Zirndorf auch schon angefangen, und bisher habe ich nur positives Feedback erhalten.

 

Aber mit der Work-Life-Balance ist es da nicht weit her, oder?

Schäfer(schmunzelt): Ich bin noch jung, 43, verheiratet und habe zwei Kinder. Wenn ich Feierabend habe, ist das Thema Arbeit erledigt. Und ich weiß, was auf mich zukommt. Ich muss ja auch nicht jeden Tag zehn Stunden da sein, damit alles funktioniert.

 

Sondern?

Schäfer: Als WBG-Geschäftsführer werde ich an meinen Ergebnissen gemessen. Dass die Stadt als Hauptanteilseigner der WBG und Finanzier des städtischen Eigenbetriebs Bibert-Bad da mitreden will, ist verständlich. Aber wer die Richtung vorgeben will, muss sie klar formulieren und auch mitverantworten, ohne hinterher alles in Zweifel zu ziehen. Doch das ist oft ein Kommunikationsproblem.

 

Der Immobilienmarkt in der Metropolregion gilt als überhitzt. Wie lautet Ihre Einschätzung für Zirndorf?

Schäfer: Auch in der Bibertstadt ist die Nachfrage weit höher als das Angebot. Wir müssen und wollen Wohnraum schaffen. Das ist Aufgabe der neu gegründeten Bauträgergesellschaft ZiWoBau, die sich als hundertprozentige WBG-Tochter dem Neubau von privaten Wohneigentum und der Erweiterung der WBG-Mietimmobilien widmet. Wichtig ist, einen durchmischten Wohnungsbestand zu haben, um mit teurerem den günstigen querzusubventionieren.

 

Allerdings wollen sie beim Bau für den privaten Wohnungsmarkt keine Spitzenpreise verlangen.

Schäfer: Wir werden im Schnitt 300 Euro unter den bis zu 4200 Euro pro Quadratmeter Neubaufläche bleiben, womit wir nicht die Kapitalanleger, die mit hohem Fremdkapital investieren und dementsprechend hohe Mieten verlangen, sondern diejenigen als Käufer im Blick haben, die Immobilien selbst nutzen wollen, so dass ein Sickereffekt erfolgt. Das heißt, derjenige, der für sich selbst eine Wohnung erwirbt, zieht woanders aus, also wird wieder eine Einheit frei, die dem Wohnungsmarkt zur Verfügung steht.

Und der Sanierungsstau, von dem in der Vergangenheit viel die Rede war, ist abgearbeitet?

Schäfer: Bei dem heutigen Wohnungsdruck kann ich mir keine Leerstände leisten. Ist eine Wohnung nicht vermietbar, dann muss ich diesen Bestand verändern. Doch wenn ich jedes Gebäude saniere, habe ich keine günstigen Wohnraum mehr. Insoweit tue ich mich mit dem Wort Sanierungsstau schwer. Ich rede lieber von Instandhaltung. Und ein günstiger Wohnraum hat eben einen anderen Standard als ein neues Gebäude. Wir haben keinen ungewollten Leerstand mehr, jede Wohnung wird nachgefragt. Der Bedarf ist in Zirndorf ganz durchwachsen, viele können sich 8,50 Euro für den Quadratmeter leisten, viele sagen, 4,20 mehr geht nicht. In dieser Spanne bewegen sich auch unsere Mietpreise. 

Interview: Sabine Dietz

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