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Im Laufschritt: Brückenschlag zwischen Menschen

Der Down Syndrom Marathon ist in den Südstadtpark zurückgekehrt und hat soziale wie ökologische Maßstäbe gesetzt - 25.03.2019 16:00 Uhr

Mit ansteckender Begeisterung umrunden Menschen mit und ohne Behinderung die Grünanlage. Sie genießen die tolle Stimmung, knüpfen neue Kontakte und vermeiden nebenbei auch noch massig Müll. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Das Aus für die Grüne Halle als Start und Ziel 2016 hat den Benefizlauf zur Unterstützung von Menschen mit Down-Syndrom (medizinisch: Trisomie 21, daher der Name Laufclub 21) schwer getroffen. Ein neuer Veranstaltungsort tat not. Gefunden wurde er beim TV Fürth 1860 an der Coubertinstraße. Teuer jedoch, weil für die Laufstrecke ein kurzes Stück der Straße Am Europakanal mit Warnbaken abgesichert und überwacht werden musste. Vergangenes Jahr war dann das Wetter derart schlecht, dass der Lauf gar in die Sporthalle verlegt wurde.

Spaß statt Stress

Die Terminverschiebung um eine Woche rückte die Veranstaltung heuer zwar weg vom Welt-Down-Syndrom- Tag am 21. März, bewahrte sie aber vor dem Frost. Zudem haben die neuen Eigentümer der Grünen Halle ihr als Architekturbüro genutztes Gebäude den Läufern geöffnet. Auf einem roten Teppich konnten die Teilnehmer nun wieder bei jeder Runde die ehemalige Basketballhalle der US-Army ebenerdig durchqueren — bejubelt von den Fans hier.

Doch auch am 1,3 Kilometer langen Rundkurs um die Grünanlage war für Stimmung gesorgt. Ohnehin zählt bei diesem Lauf der Spaß an gemeinsamer Bewegung mehr als die persönliche Höchstleistung. Zum Ausdruck brachten das manche Läufer auch mit Kostümierung. Angeregte Unterhaltung statt Atemnot gab auf der Strecke den Ton an. Und auch am Versorgungsstand war der bei Laufveranstaltungen übliche Stress Fehlanzeige.

Das kam einer wesentlichen Innovation des Marathons sehr entgegen. Erstmals wurde bei einem solchen Massenauftrieb nämlich ganz auf das ökologische Ärgernis von Einwegbechern verzichtet. Stattdessen standen am Versorgungsstand viele Mehrwegbecher aus Kunststoff bereit, die von den 18 Helfern dort immer wieder gespült werden mussten. Wer es eilig hatte, konnte auf den Bänken gegenüber eigene Trinkflaschen deponieren oder nachfüllbare Trinkbeutel mitnehmen, die in den Starterpaketen lagen.

"Wir haben zuerst Mehrwegbecher aus Bambusfasern ausprobiert, aber die haben sich bei mehrmaligem Spülen abgenutzt", berichtet Vereinschefin Anita Kinle von der schwierigen Suche nach dem richtigen Material. Ihr ökologisches Engagement beschränkt sich jedoch nicht auf Becher. Die nächste Laufveranstaltung will sie sogar ganz ohne Müll über die Bühne bringen. Weil dies aber einer längeren Vorbereitung bedarf, soll im kommenden Jahr erst einmal eine Pause eingelegt werden.

Eine sehr entspannte Angelegenheit war nach dem Aufwärmtraining in der Grünen Halle am Samstagnachmittag schon der von Bürgermeister Markus Braun gestartete Frauenlauf. Drinnen dröhnten Hits aus Lautsprechern, draußen auf der Wiese sorgte ein Percussion-Ensemble für treibende Rhythmen. Die Signalfarbe Pink der Trikots prägte das Bild. Der Schriftzug "Perfekt" sollte zum Ausdruck bringen, dass jeder Mensch perfekt ist — mit oder ohne Behinderung.

Der inklusive Charakter spricht viele Laufbegeisterte an. Schon zum zweiten Mal ist Ursula Schwemmle mit drei Sportsfreundinnen aus Würzburg nach Fürth gekommen. Als Staffel haben die Frauen den neben dem Marathon angebotenen Sechsstundenlauf in Angriff genommen. "Weil ich Respekt vor der Leistung der Läufer mit Down-Syndrom habe", begründet die Würzburgerin ihre Motivation.

Guter Zweck begeistert

In einer Sechs-Stunden-Staffel ist auch die Berlinerin Rebecca Heitmann dabei. Sie sagt: "Ich laufe für die, die es nicht können". Zusammen mit der Langenzennerin Nadine Ankenbrand hat sie sich für den Benefizlauf in Schale geschmissen. Dass es für einen guten Zweck ist, begeistert beide Frauen gleichermaßen, die den 2013 beim Fürther Metropolmaraton gegründeten Wohltätigkeitsläuferinnen Running Angels angehören.

Die Einnahmen der Läufe — zu denen auch ein Halbmarathon, Volkslauf, Zehnkilometerlauf sowie Kinderläufe zählen — kommen der Thomas Benjamin Kinle Beratungsstelle zugute. Seit 2010 werden in der ehemaligen Evora-Bräu-Villa (Erlanger Straße 50) Menschen mit Down-Syndrom und deren Angehörige von Fachleuten verschiedener Disziplinen im Alltag unterstützt. Dass am Wochenende alles wie am Schnürchen klappte, war rund 150 ehrenamtlichen Helfern zu verdanken, die eine Woche lang mit den Vorbereitungen kämpften.

Auch wenn es in der Grünen Halle enger zuging als früher, weil die als Bürofläche genutzte Galerie nicht mehr zur Verfügung stand, konnte der Down Syndrom Marathon in seiner 9. Auflage doch an die alten Erfolge anknüpfen. Mit seinem gesellschaftlichen Anspruch ist er einzigartig.

Volker Dittmar

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