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Im Wechselbad der Utopie

Seniorentheaterclub Fürth setzt die Zukunft zwischen Horror und Glück in Szene - 15.04.2019 13:45 Uhr

Noch genießen Ruth Himmelstoß (li.) und Irene Warmers die Annehmlichkeiten des vollautomatisierten Alltags. Doch dann gerät die Technik völlig außer Kontrolle.


Der Theaterclub und seine Spielleiterin Cordelia Schuster finden dazu in ihrem dritten Programm witzige Szenenbilder. Vier Semester an der Volkshochschule hatten die 15 Kursteilnehmerinnen Zeit, um ihr Talent für Schauspielerei, Pantomime oder Kostümbildnerei zu erforschen. Elf präsentieren sich beherzt und mit Souveränität auf der Bühne.

Noppenfolie, Aluschale, Rührschüssel sind in einer Szene das technische Equipment für die Bewohner einer futuristischen Wohngruppe mit der Bezeichnung 99.0.13., einem Lebensraum, in dem alle Wünsche nur allein in der Vorstellung erfüllt werden. Verkabelt und verschaltet, sorgt künstliche Intelligenz für die Befriedigung aller Bedürfnisse, zumindest der körperlichen. Doch das bequeme Leben zeigt Menschen in vollständiger Passivität, ohne Aufgaben und Ziele. So bleibt die Feststellung, dass dieses Leben nichts mehr ist als langweilig, belanglos und vollkommen überflüssig.

Starke Szenen

Ihre Stärken entwickelt die Truppe, wenn sie sich dem Ernsten zuwendet, ohne Pathos und Tragik zu strapazieren, sondern selbst im Dunkelgrau letzte Spuren von Komik im irdischen Dasein auftut. Wenn sich etwa die 130-Jährigen zum staatlich verordneten Euthanasietermin einfinden. Die eine ist froh, denn sie ist lebenssatt. Die andere passiv, weil Trauer um ihre Hinterbliebenen sie lähmt. Die eitle Dritte muss erfahren, dass Äußerlichkeiten nicht über das Ende hinweghelfen, während die Vierte als Hobby Computerhacking pflegt und so das staatlich verordnete Sterben mit Cleverness umgeht.

Die Bedrohungen unserer Umwelt und damit das Überleben der nächsten Generationen treibt das Ensemble um. Am Ende erzählt die alte Eiche ihrem Kind von den schrecklichen Zeiten, dem Ende der Welt mit Dürre, Stürmen und dem Untergang der Arten. Das Eichenkind kann angesichts der wiederbelebten bunten, tanzenden, singenden und summenden Welt nicht glauben, dass alles öd und leer gewesen sein soll.

Nur Menschen habe sie schon länger nicht mehr gesehen, sinniert die Eichenmutter. Und dazu wiegen sich die Schauspielerinnen grünberankt und blütenverziert wie die Halme einer sommerfrischen Wiese. Wäre da nicht die Nachdenklichkeit der Mienen, man könnte wirklich meinen, dass noch alles gut werden kann.

  

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