So läuft es im Impfzentrum

Impfangebot: Viele Fürther kommen jetzt ohne Termin

1.8.2021, 12:30 Uhr
Nadine Huber ist eine der Helferinnen, die momentan auf der Freiheit dafür sorgen, dass jeder, der möchte, geimpft wird.

Nadine Huber ist eine der Helferinnen, die momentan auf der Freiheit dafür sorgen, dass jeder, der möchte, geimpft wird. © Foto: Hans-Joachim Winckler

Immer wieder stehen Menschen vor dem Fürther Impfzentrum, die keinen Termin haben. Ein Mann mit seinem Enkelsohn, der die Spritze kriegen soll, eine Frau, die eigentlich gegen Mittag hätte kommen sollen, jetzt aber durchgewunken wird, ein älterer Mann, der sich ebenfalls schützen will.

Ja, bestätigt Dr. Michael Hubmann, ärztlicher Leiter des Impfzentrums und Kinderarzt, das Angebot, dass nun jeder vorbeikommen kann, werde recht gut angenommen. Nicht nur im Impfzentrum, auch beim Container auf der Freiheit (bis 1. August) und bei den mobilen Teams der Impfbusse und Rettungswagen sei einiges los.

Nahezu komplett geimpft sei dagegen die Gruppe derer, die sich um einen Termin bemühten. Listete das Impfportal vor sechs Wochen noch rund 19.000 zu versorgende Menschen der Priorisierungsgruppe drei und etwa 25.000 weitere Impfwillige auf, sei dieser Strom inzwischen abgerissen. Viele bekamen einen Termin, andere hatten sich doppelt angemeldet und wurden vom Hausarzt geimpft. Ins Impfzentrum kämen nun oft Menschen mit Sonderwünschen oder Beratungsbedarf.

Dass trotz der mangelnden Nachfrage kein Impfstoff in großem Umfang verfallen ist und weggeworfen werden musste, schreibt Hubmann dem guten Management vor Ort zu. Das lief vor allem über die Bestellungen: Jetzt, da mehr Serum vorhanden ist, als es Anfragen gibt, habe man entsprechend weniger geordert. Man habe sich zudem kundig gemacht, ob man nicht benötigtes Vakzin beispielsweise nach Afrika schicken könne, doch ein riesiger Bürokratieaufwand und nicht geklärte Haftungsfragen machten dies leider unmöglich, bedauert Hubmann. Von allen Kontinenten läuft die Impfkampagne in Afrika bislang am schleppendsten.

In Deutschland dagegen hat mittlerweile mehr als die Hälfte der Bevölkerung den vollen Impfschutz – 18 Monate nach Pandemiebeginn sei das eine Erfolgsmeldung, findet Hubmann. Das sei nur durch den Einsatz aller an der Impfkampagne Beteiligter zu schaffen gewesen. Am Ende sei man freilich noch lange nicht. Für den Herdenschutz braucht es rund 85 Prozent Geimpfte – abzüglich der rund 18 Prozent Minderjähriger, die noch nicht geimpft werden können, sind das 67 Prozent.

In der Verantwortung stehe jeder Einzelne. Denn: "Das Virus wird sich seinen Weg in die nicht geschützten Gruppen suchen." Hubmann und seine Kollegen blicken deshalb gleichermaßen interessiert wie mit bangem Herzen nach England, das momentan als "großes Labor" fungiert. Seit knapp zwei Wochen sind dort alle Einschränkungen aufgehoben, mittlerweile aber würden wieder mehr Menschen in die Hospitäler eingeliefert, die Zahl der Intensivpatienten steige.

Hubmann rechnet damit, dass im Herbst viele Menschen in den Impfzentren und Praxen aufschlagen werden. Denn dann könnte eine dritte Impfung in den Altenheimen anstehen und die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Kinder ab zwölf kommen. Außerdem geht er davon aus, dass sich viele Menschen, die noch zögern, zur Impfung entschließen, wenn die Infektionszahlen wieder nach oben gehen.

Verantwortlich dafür könnten auch Reiserückkehrer sein, die das Virus mitbringen. Inzwischen steht fest, dass Ungeimpfte ab 12 Jahren bei der Wiedereinreise nach Deutschland, egal mit welchem Verkehrsmittel, einen negativen Test vorweisen müssen (bei der Rückkehr aus einem Virusvariantengebiet brauchen auch Geimpfte und Genesene einen negativen Test). Hubmann begrüßt die Testpflicht. Für die Umsetzung, so Hubmann, sei derart kurzfristig zwar ein "irres Maß an Arbeit" nötig, aber jeder Infizierte, der herausgefiltert wird, sei wichtig.

Dass es ein ähnliches Chaos geben könnte wie vergangenen Sommer, glaubt der Mediziner nicht. Damals kam es an den bayerischen Grenzübergängen zu Verzögerungen, rund 1000 Getestete erhielten ihr Ergebnis mit erheblicher Verspätung. "Inzwischen ist man bei den Strukturen einen Schritt weiter", sagt Hubmann nun, ein Jahr später. Außerdem wurden bei der Aktion auch 6000 PCR-positive Bürger entdeckt – eine echte Hilfe im Kampf gegen die Pandemie.