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Samstag, 28.11.2020

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In der Stadtkirche Langenzenn trifft Hightech auf Gotik

Nach mehr als drei Jahren ist Langenzenns Wahrzeichen top renoviert und modernisiert - 20.10.2020 15:53 Uhr

Die farbenfrohe Deckenbemalung im Mittelschiff der Stadtkirche kommt nach der professionellen Reinigung bestens zur Geltung.

16.10.2020 © Hans-Joachim Winckler


Nach dreieinhalb Jahren Renovierung strahlt der Sakralbau, dessen Ursprünge ins 13. Jahrhundert zurückreichen, nicht nur im neuen Glanz, sondern die Trinitatiskirche enthält auch zahlreiche hochmoderne Ausstattungsdetails.

Gerne führt der Dekan sie vor. Über ein Touchpad in der Sakristei steuert er das Licht im Kirchenschiff von strahlend hell bis dunkel gedimmt, auch eine dezent farbige Beleuchtung ist möglich. "Einfach zu bedienen", meint Schuster zufrieden.


Die Langenzenner Stadtkirche vor der Sanierung


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Die Langenzenner Stadtkirche erstrahlt in neuem Glanz

Drei Jahre dauerte die umfangreiche Sanierung, nun erstrahlt die Langenzenner Stadtkirche in neuem Glanz und ist auch technisch auf dem neuesten Stand.


Die Lichtstimmung kann je nach Art des Gottesdienstes gewählt werden. In einem riesigen Schrank ist ein weiterer Schatz versteckt: eine hochwertige Lautsprecheranlage. Auch Heizung, Liedtafel und Glocken sind digital steuerbar.

Vorausgedacht hat der Kirchenvorstand bei der Technik, Gottesdienste digital zu übertragen oder aufzuzeichnen. An einer senkrechten Metallschiene, die an der Orgelempore befestigt ist, hängt eine Kamera, die von einem Regiepult aus gesteuert wird. Sie fährt herab und nimmt das Geschehen im Gotteshaus auf.

Hightech im Weihnachtsgottesdienst

Ihren ersten großen Einsatz wird das neue Gerät beim Weihnachtsgottesdienst haben. Da nicht alle Menschen, die es wünschen, in die Kirche passen – zugelassen sind derzeit rund 80 Besucher –, werden Predigt und Krippenspiel in die heimischen Wohnzimmer übertragen.

Auch das Krippenspiel der Kinder soll aufgezeichnet werden. In einem zweiten Gottesdienst wird es auf einer Projektionsfläche zu sehen sein. Dafür ist über dem Mittelschiff eine Traverse mit einer Leinwand angebracht. Multimediale Andachten sollen ein neues Angebot sein.

Zurückhaltende Einbauten

Dekan Schuster hat für die Einbauten viele Stunden mit den Denkmalschützern verbracht. Denn ein Metallträger, an dem eine Projektionsleinwand hängt, kam bei den Experten der Behörde nicht sofort gut an. Schuster musste seine ganze Überredungskunst aufbieten, um mit der Idee zu überzeugen. Dabei sind alle Einbauten sehr zurückhaltend und stören den Gesamteindruck eines gotischen Baus nicht.

Nachgedacht wurde über viele kleine Details. Wie kann man brennende Kerzen erlauben ohne teure Brandschutzauflagen erfüllen zu müssen? Was ist die beste Heizung in der Übergangszeit? Für all das wurden praktische Lösungen gefunden.

Im Diskurs mit Denkmalpflegern

Viele Treffen mit den Denkmalschützern kostete es auch, bis die Pendelleuchten im Mittelschiff genehmigt waren. Es sollten nämlich ursprünglich Spots angebracht werden.

Doch Dekan Schuster dachte pragmatisch. Denn die Spots wären zur Wartung mit einer normalen Leiter nicht erreichbar gewesen. Die jetzigen Leuchten aber können über Kurbeln, die im Dachboden verborgen sind, herabgelassen werden.

Die Bemalungen sind aufpoliert

Bewusst war allen Verantwortlichen natürlich, dass die Kirche wertvolle Kunstschätze enthält. Restauratoren reinigten die Wände vom Staub und Ruß, sie konservierten die Bemalung. Die Kaiserfenster, die die Langenzenner von den Hohenzollern-Regenten Wilhelm I. und Wilhelm II. als Geschenk erhielten, leuchten wieder. Auch Moses, der unter der Kanzel steht, bekommt in Kürze seinen Arm mit den Gebetstafeln aus der Werkstatt zurück – derzeit ist er noch "amputiert".

Eine Besonderheit, die nicht jeder kennt, ist eine alte Eichentruhe aus dem 15. Jahrhundert, die nun restauriert in der Sakristei steht. Sie diente einst als eine Art Tresor, um den Kirchenschatz in Sicherheit zu bringen. Wenn marodierende Feinde im Anmarsch waren, packte man Goldkelche, juwelenverzierte Kreuze oder Dokumente in die 400 Kilo schwere Truhe, lud sie auf einen Pferdewagen und brachte alles auf die Cadolzburg oder in die Nürnberger Burg.

Die Sanierung kostete vier Millionen Euro

Solche Schätze gibt es heute nicht mehr. Vier Millionen Euro kostete die Komplettsanierung, wovon die Gemeinde 600 000 Euro aufbringen musste; allerdings erhielt sie einen Zuschuss von 180 000 Euro von der evangelischen Landeskirche. Den Löwenanteil übernimmt der Freistaat. Denn die Besitzverhältnisse der Langenzenner Kirche sind ungewöhnlich: Sie gehört dem Freistaat, und die evangelische Kirche hat das ewige Nutzungsrecht.

Die höchste Rechnung fiel nicht etwa für die Restaurierung des Innenraums an, sondern für den Erhalt der Statik des mächtigen Dachstuhls. "Die mittelalterlichen Baumeister waren hervorragend", weiß Schuster heute, doch ihre Nachfahren aus dem 19. Jahrhundert eher ahnungslos. Sie sägten einfach Balken aus dem Tragwerk. Das musste im 21. Jahrhundert sehr teuer korrigiert werden.

Führungen mit dem Audioguide

Gerne hätte Dekan Friedrich Schuster die Kirche nach der langen Bauphase bei einem großen Fest präsentiert. Führungen durch den Sakralraum schwebten ihm vor. Corona macht das schwierig bis unmöglich. Als Ersatz gibt es für alle Interessierten einen Stationenweg. Ein Begleitblatt, das am Seiteneingang ausliegt, erklärt die Kostbarkeiten. An einigen der Stationen erläutert ein Audioguide, den Langenzenner Gymnasiasten erarbeiteten, was es damit auf sich hat.

BEATE DIETZ

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