In die Erhard-Euphorie mischt sich Murren

17.10.2013, 13:00 Uhr

© Hans-Joachim Winckler

Anlass ist das Resultat des Architektenwettbewerbs, der – wie ausführlich berichtet — vor einer Woche mit der Bekanntgabe des Siegers zu Ende gegangen ist. In Internet-Kommentaren, auch auf der FN-Seite (www.fuerther-nachrichten.de), wird wenig Verständnis für die Entscheidung der Jury geäußert. Sie hatte einstimmig einem Vorschlag des Münchner Architektenbüros Reinhard Bauer den Zuschlag erteilt, der hinter dem Rathaus einen sehr modernen Neubau vorsieht, zusammengesetzt aus gestapelten Quadern.

Wie bereits von Teilen des Preisgerichts prophezeit, stoßen sich Kritiker am sehr modernen und nüchternen Erscheinungsbild, das nach ihrem Empfinden nicht ins historische Umfeld mit Rathaus und Sandsteinhäusern passt. Die Geduld, die die ehemalige Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm bei der Auseinandersetzung mit dem in ihren Augen gelungenen Entwurf empfahl, wollen offenbar nicht alle aufbringen. Auf Facebook wurde nun gar eine Initiative ins Leben gerufen, Motto: „Fürth statt Erhard“.

In etliche Meinungsäußerungen mischt sich neben Architektur-Schelte einmal mehr Empörung darüber, dass viel öffentliches Geld in Bau und Betrieb des Projekts fließt. Damit sollte man doch besser Schulhäuser, Straßen und Brücken sanieren, heißt es immer wieder.

So einfach, kontert Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung, könne man sich das freilich nicht machen — denn die Mittel, teils aus der für Sanierungsgebiete vorgesehenen Städtebauförderung, teils aus einem speziellen Kulturfonds, seien für derartige Projekte zweckgebunden. Man könne sie eben nicht einfach anderweitig einsetzen.

Nicht verhandelbar

Den Löwenanteil finanzieren Bund und Land. Fürths Stadtspitze rechnet mit einer halben Million Euro, die aus der kommunalen Kasse zum zehn Millionen teuren Neubau beigesteuert werden muss. Auch dies, betont Jung, sei nicht verhandelbar: Denn sämtliche Zuschüsse aus der Städtebauförderung sind an die Übernahme eines gewissen Kostenanteils durch die jeweilige Kommune gekoppelt.

„Wenn wir das Geld des Freistaats nicht nehmen, fließt es halt woanders hin“, sagt Jung. Er macht keinen Hehl daraus, wie wenig Verständnis er dafür hätte, ließe sich Fürth dieses „Projekt von nationaler Bedeutung“ und „mit Imagegewinn für die Stadt“ durch die Lappen gehen. Dies umso mehr, als Sponsoren aus der Wirtschaft, darunter namhafte Mittelständler aus der Kleeblattstadt, bereits weitere 1,3 Millionen Euro zur Verfügung gestellt haben. Der Rathauschef geht davon aus, dass die Summe noch erheblich steigen wird; auch bei der Konferenz im Stadttheater habe es schon wieder Zusagen gegeben.

Ein weiteres, im Internet gern kolportiertes Gerücht schafft der OB aus der Welt: Der Ludwig-Erhard-Initiativkreis, Bauherr des Zentrums, bekommt das rund 750 Quadratmeter große Areal im Schatten des Rathauses keineswegs geschenkt, er muss es vielmehr „nach Verkehrswert“ bezahlen. „Noch nie hat die Stadt ein Grundstück in der Innenstadt so teuer verkauft“, sagt Jung. Summen nennt er nicht, doch Eingeweihte gehen von einem Preis zwischen 400000 und 500000 Euro aus.

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