In Fürth soll es leiser werden

29.4.2014, 21:00 Uhr
Kinder sind von der allgegenwärtigen Geräuschbelastung besonders betroffen. Sie können sich oft nicht mehr richtig konzentrieren.

© Winckler Kinder sind von der allgegenwärtigen Geräuschbelastung besonders betroffen. Sie können sich oft nicht mehr richtig konzentrieren.

Ein bisschen Erholung vom hektischen Alltag brauchen wir alle. Doch sie in der Stille zu finden, ist selbst für kreative Stadt- und Landkreisbewohner oft gar nicht so einfach, weil uns ständig Straßenlärm umweht, feierndes Volk unseren Ohren zusetzt oder aggressives Handygeklingel an unseren Nerven zerrt.

Staubsauger, Waschmaschine, Haartrockner – schon in unseren eigenen vier Wänden pustet und rumpelt es, zuckelt und rattert es bereits in aller Frühe. Tritt man vor die Türe, umtost uns der Autoverkehr, rauscht die Bahn, setzen die Jets zur Landung auf dem nahen Nürnberger Flughafen an. Und selbst auf den Dörfern im Landkreis sind die Ohren einiges gewohnt. Irgendwo quietscht eine Kreissäge, schneidet ein Bauer mit der Maschine Grünfutter, zischt ein Hochdruckreiniger über Beton.

Weg vom Schlafzimmer

Sogar der Supermarkt auf der grünen Wiese gibt undefinierbare Geräusche von sich. Muss das sein? Wie man solchen Nervtötern zu Leibe rücken kann, macht zum Beispiel die Stadt Fürth vor. Sie hat die Lautstärke der gewaltigen Lüftungs- und Kühlaggregate in den Lebensmittelgeschäften nicht nur strengen Grenzwerte unterworfen. Die Maschinen müssen auch so angeordnet sein, dass sie nicht zu den Schlafzimmern der angrenzenden Wohnhäuser hin brummen, berichtet Hans-Peter Kürzdörfer, Leiter des städtischen Ordnungsamtes, zu dem die Bereiche Umwelt und Verbraucherschutz gehören.

Der Stadtrat nehme bei der Genehmigung von Bauplänen schon seit Jahren Rücksicht auf die Bedürfnisse der Bürger, betont Kürzdörfer, Auflagen für starke Schalldämmung bei lärmintensiven Betrieben gehören dazu.

Freilich, das gibt der Amtschef zu bedenken, ist nicht jeder Lärm in geordnete Bahnen zu lenken. Wo Menschen feiern, da schwappt die Stimmung schon mal über, und das darf dann auch sein. „Die Kärwa oder das Fürth-Festival müssen die Anwohner hinnehmen“, sagt Kürzdörfer. In der Feier-Meile Gustavstraße wiederum hat die Stadt mit längeren Sperrzeiten und früherem Ausschank-Ende jedoch der allgemeinen Heiterkeit strenge Grenzen gesetzt, nachdem Richter die Geräuschkulissen zu nachtschlafender Zeit für unzumutbar hielten.

Auch wenn der jahrelange Streit um die Gustavstraße anderes suggeriert: In Fürth ist man sehr bemüht, die Wohnqualität der Bürger zu stärken. Jetzt arbeitet Umweltschutzingenieurin Gudrun Lohfink an einem städtischen Lärmaktionsplan, der Verkehrs-, Freizeit- Gewerbebetriebslärm getrennt auflistet und Regeln aufstellt, wie man ihm begegnen kann.

Grüne Welle hilft auch

Wo kann ein sogenannter Flüsterasphalt wie in der Karolinenstraße den Geräuschpegel vorbeidonnernder Autos senken? Wo kann Verkehr überhaupt aus Wohngebieten herausgeleitet werden? Nicht alles, was Abhilfe schaffen könnte, kann die Kommune auch finanzieren, warnt Expertin Lohfink, deswegen muss sich der Stadtrat jeden Vorschlag genau ansehen.

Aber schon mit einer ausgeklügelten Ampelschaltung, die moderne Verkehrscomputer errechnen und die für eine „grüne Welle“ sorgt, wird der Verkehr flüssiger gemacht, wie es im Amtsdeutsch heißt. Die Folge: weniger Brems- und Anfahrtsgeräusche und damit weniger Lärm.

Häuslebauer wiederum können sich mit besonders dicken Mauern und kleinen Fenstern oder Wohnraum unter der Erde vor lauten (Verkehrs-)Geräuschen schützen. Solche Vorschläge aber sind nicht immer beliebt. Auch der Rat, nicht in Einflugschneisen der Flughäfen zu bauen, nützt denjenigen nichts, die dort günstig Bauland bekommen haben.

Francesco Rizzo und seine Familie jedenfalls spüren täglich am eigenen Leib, was Lärm anrichten kann. Der Italiener betreibt seit über 13 Jahren einen Pizza-Imbiss in der Rudolf-Breitscheid-Straße. Jetzt sind die Rizzos neben Friseur- und Schmuckgeschäft die einzigen verbliebenen Gewerbetreibenden inmitten der Baustelle der Neuen Mitte. Zwischen Bagger, Presslufthammer und Rüttelplatten müssen sie täglich rund zwölf Stunden ausharren. Er sei mit den Nerven am Ende, sagt der Pizzabäcker. Der Lärm mache krank.

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