Donnerstag, 12.12.2019

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In Stadeln blüht die fränkische Wüste

Ein Radausflug der BayernTourNatur führte zu den Sandmagerrasenflächen - 06.06.2019 21:00 Uhr

Die Wüste lebt, dafür sorgt die Sandgrasnelke, die die „Hempeläcker“ bei Stadeln mit ihrer Blütenpracht zu einem wahren Blickfang macht. © Florian Burghardt


"Wobei wir die Fläche hier auch gerne als fränkische Wüste bezeichnen", sagt Dieter Speer vom Landschaftspflegeverband Mittelfranken. Er führt die rund 30 Teilnehmer des Fahrradausflugs im Rahmen der BayernTourNatur an. Die Aktion will auch in diesem Jahr wieder mit einem breiten Veranstaltungsangebot zehntausende Menschen im Freistaat für ihre Umwelt begeistern.

Speers Truppe radelt heute unter dem Motto "Durch Zenn- und Farrnbachtal zu Silbergras und Sandgrasnelke". Die beiden seltenen Pflanzen markieren die optischen Höhepunkte auf dem 25 Kilometer langen Ausflug, der am Vormittag in Veitsbronn gestartet ist. Während das Silbergras momentan nur an wenigen Stellen blüht, ist die Sandgrasnelke schnell ausgemacht. Schließlich bedeckt sie mit ihren rosa Blüten weite Flächen der "fränkischen Wüste" – wobei es sich genaugenommen um die Hempeläcker in der Nähe des Vacher Bahnhofs handelt.

Die Sandmagerrasenflächen gehören der Stadt Fürth. Diese Areale mit einem sehr hohen Sandanteil im Boden entstehen meist von selbst, nachdem auf Äckern die landwirtschaftliche Nutzung eingestellt wurde. Normalerweise dauert es dann nicht lange, bis sich sogenannte Pionierarten dort niederlassen und die brachen Bereiche besiedeln. Im Laufe der Jahre gesellen sich dann mehr und mehr Arten hinzu. Laut Speer finden sich auf normalen Mähwiesen etwa 20 verschiedenen Pflanzenarten. Auf dem Stadelner Sandmagerrasen sind es dagegen über 70.

Die Sandgrasnelke ist eine von ihnen und steht sinnbildlich für die Anpassungsleistungen der Natur. Denn die Temperatur des sandigen Bodens schwankt vor allem jetzt im Sommer täglich um mehr als 50 Grad zwischen Tag und Nacht.

Fast genauso schlecht wie Wärme kann der spezielle Untergrund Wasser speichern. Auch Nährstoffe können sich hier viel weniger halten als in erdigen Böden. "An diesen Lebensraum hat sich die Sandgrasnelke sehr gut angepasst", erklärt Speer.

Sie verfügt beispielsweise über eine sehr dicke Haut, die zum Schutz vor der Sonne zusätzlich mit einer Wachsschicht überzogen ist. Um möglichst wenig Feuchtigkeit zu verlieren, hat sie nur sehr kleine Blätter. Außerdem hat die Lebenskünstlerin anstelle einer großen und empfindlichen Blüte viele kleine robuste bunte Köpfchen, die zeitlich versetzt blühen. Damit kann sie Phasen von besonderer Trockenheit und Hitze besser überstehen.

Paradoxerweise benötigt ein Sandmagerrasen mit seinen harten Lebensbedingungen selbst viel Pflege, um nicht zu verschwinden. Denn wenn man sich nicht darum kümmert, siedeln sich schnell Eichen, Birken und Kiefern an und verwandeln die Sandfläche in einen Wald. Viele bedrohte Arten verlieren dadurch ihren Lebensraum.

Damit es nicht dazu kommt, ist externe Hilfe notwendig, wie zum Beispiel vom Landschaftspflegeverband. Durch das regelmäßige Umfräsen mancher Flächen werden der Lebensraum erhalten und gleichzeitig die Pflanzensamen verteilt.

Auch Besucher und vorbeikommende Spaziergänger mit Hunden können dazu beitragen, dass sich die Fürther Sandlebensräume nicht verschlechtern. Denn schon Hundekot verändert die Nährstoffzusammensetzung im Boden so nachhaltig, dass die bedrohten Arten von "nährstoffliebenden" gängigen verdrängt werden.

Die Radausflügler aus Veitsbronn dürfen an diesem Tag sogar aktiv Sandlebensräume schützen. Ein Stück entfernt von den Hempeläckern hat sie Speer für einen kleinen Landschaftspflegeeinsatz eingeplant – natürlich freiwillig. Dafür gibt es dort, im Landschaftsteil "Wäsig", eine echte Sanddüne zu bestaunen. Dabei handelt es sich um ein Überbleibsel der letzten Eiszeit vor etwa 10 000 bis 12 000 Jahren. Heute sind hier zum Beispiel die Kreiselwespe und der Kleine Feuerfalter zuhause. Auch hier gilt: Verschwindet der Sand, dann verschwinden auch sie.

Florian Burghardt

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