Diese Webseite verwendet u.a. Cookies zur Analyse und Verbesserung der Webseite, zum Ausspielen personalisierter Anzeigen und zum Teilen von Artikeln in sozialen Netzwerken. Unter Datenschutz erhalten Sie weitere Informationen und Möglichkeiten, diese Cookies auszuschalten.

„In uns allen gibt es noch eine Kinderseele“

Maria Fontana-Eberle vom Netzwerk Kinderfreundliche Stadt über den Sinn und Zweck des Spielens - 26.05.2016 16:00 Uhr

Juchzen und lachen sollen die Kinder auch heuer wieder beim Weltspieltag in der Fußgängerzone. Am kommenden Samstag gibt es dort von 13 bis 16 Uhr viele verschiedene Spiele und jonglierende Clowns. © Archivfoto: Anestis Aslanidis


Frau Fontana-Eberle, wann haben Sie zuletzt gespielt?

Maria Fontana-Eberle: Das war erst vergangene Woche. Ich habe Gesellschafts- und Kartenspiele gespielt und bin Seil gesprungen. Ich liebe es, mit Kindern oder auch Erwachsenen zu spielen. Es gehört für mich zum Menschen dazu wie Humor.

 

Dann ist Spielen nicht nur etwas für Kinder?

Fontana-Eberle: Nein. In uns allen gibt es noch eine Kinderseele. Wenn man es schafft, sie lebendig zu erhalten, beginnt das Glück, weil sie Unbeschwertheit und Leichtigkeit in unser Leben bringt. Außerdem fördert Spielen die geistige und physische Entwicklung — und das auch bei Erwachsenen.

 

Wie spielen Kinder heute?

Fontana-Eberle: Leider sind inzwischen viele Kinder fast nur noch drinnen. Ich würde mir wünschen, dass Familien nach draußen gehen, wenn das Wetter schön ist. Zwar kostet es einige Energie, Kinder vom PC oder Fernseher wegzulocken und rauszugehen, aber ich glaube, dass sich das auszahlt. Außerdem fände ich es schön, wenn mehr Eltern es schaffen würden, ihren Nachwuchs auch einmal ohne ständige Beobachtung loszulassen. Es ist für Eltern zwar verlockend, dass sie dank Smartphone immer wissen, wo ihr Kind ist und was es gerade macht. Trotzdem sollte man Kindern zwischendurch das Gefühl geben, frei zu sein. Sie sollten auch einmal ohne Überwachung durch den Park oder Wald streifen dürfen. Das ist sehr wichtig für eine gesunde Entwicklung.

 

Maria Fontana-Eberle. Archivfoto: Michael Fischer


Die Industrie bringt permanent Massen an Spielzeug auf den Markt. Brauchen Kinder das überhaupt?

Fontana-Eberle: Ich informiere mich auch immer darüber, was es alles gibt. Wirklich gute Produkte finde ich allerdings selten. Beim Weltspieltag haben wir unter anderem immer Spiele aus Omas Zeiten, etwa Sack- und Seilhüpfen oder Himmel & Hölle. Daran erinnern sich oft nur noch die Eltern. Kinder aus anderen Ländern, die viel auf der Straße sind, kennen solche Spiele dagegen häufig. Es braucht nicht viel, um schön spielen zu können. Selbst auf dem Smartphone gibt es gute Ideen, etwa Lieder, die man sich vorspielen kann. Allerdings ist auch viel Mist im Umlauf. Eltern sollten sich immer informieren und auswählen, was ihre Kinder dort konsumieren.

 

Wo lässt es sich heute noch gut spielen?

Fontana-Eberle: Orte zum Spielen gibt es leider immer weniger. Pausenhöfe werden immer kleiner, weil sie inzwischen auch als Parkplatz herhalten müssen. In Innenhöfen von Wohngebieten und selbst in Parks ist das Betreten des Rasens inzwischen oft verboten. Spielen nur bis 18 Uhr geht im Sommer, wenn es warm und lange hell ist, auch gar nicht. Da kann ich die Kinder doch noch nicht ins Bett schicken.

 

„Spielen überwindet Grenzen“ ist das Motto des Weltspieltags am kommenden Samstag. Worauf dürfen sich Kinder dann freuen?

Fontana-Eberle: Das Deutsche Kinderhilfswerk, das den Weltspieltag initiiert, hat das Motto ausgegeben. Es richtet sich explizit auch an die vielen Flüchtlingskinder. Wir haben auch sie am Samstag eingeladen und hoffen, dass sie gemeinsam mit den Fürther Kindern von 13 bis 16 Uhr in der Fußgängerzone rund um den Dreiherrenbrunnen spielen. Es wird Geschicklichkeitsspiele geben, Schach, das Maskottchen der SpVgg kommt vorbei und Clowns jonglieren.

 

Interview: GWENDOLYN KUHN